Nun wird das Nächste Kapitel am Ende etwas emotional. Ich hoffe ich habe das gut gepackt 
Akt I Szene 4. Am Wasserloch
In den nun folgenden Wochen nach seiner Machtübernahme machte sich K’tel daran seinen Machtanspruch durch geschickten Kalkül zu festigen. Den ersten Schritt hatte er bereits bei seiner Machtergreifung unternommen. Anders als in solchen Situationen üblich war sein Verstand den ganzen Kampf über klar und scharf geblieben. So waren ihm gewisse Feinheiten nicht entgangen die wohl jeder andere überhebliche Junge Streuner übersehen hätte. Noch während er auf das Rudel zuschritt war ihm aufgefallen das es ihnen ob des wüstennahem Umfelds recht gut ging. Sie waren genährt und das sprach davon das der Anführer des Rudels nachdachte. Im Kampf selber fiel ihm dann noch auf wie Akili ihn genau abschätzte und erstaunlich geschickt agierte. Das sich Akili so bereitwillig ergab nachdem die Situation gegen ihn sprach und das Rudel ohne zu großem Blutvergießen übergeben wollte beeindruckte ihn sehr. Darum hatte sich K’tel entschieden Akili nicht nur am Leben zu lassen sondern ihn auch ihn als Berater in einem hohen Rang zu belassen. Das hatte die anderen sehr überrascht aber machte es ihnen einfacher sich daran zu gewöhnen. Was sie am meisten beeindruckte war das K’tel, obwohl er sehr muskulös und kräftig war und einen sehr grimmigen Einstand gemacht hatte sich danach als sehr aufmerksam und lebensfroh erwies. Er ließ sich auf eine Menge Späße ein und scherzte auch immer wieder mit Akili herum.
„Hey, alter Mann. Wie geht es den Kratzern die ich dir verpasst habe?“
Akili grinst den Jüngling breit an.
„Sicher besser als den Bissen die ich dir verpasst habe!“
Beide lachten laut und schnappten freundschaftlich nach einander. Bavu und eine andere Hyäne die in der Nähe saßen schauten zu ihnen rüber und schüttelten den Kopf.
„Schau sie dir an. Erst verprügeln sie sich und nun sind sie die besten Kumpel.“ Sagte Bavu.
„Oh ja. Aber K’tel tut Akili gut. Der Gute fing schon an zu verkalken, aber jetzt... Er lebt noch mal richtig auf. Und K’tel macht sich wirklich gut als neuer Anführer.“
Bavu schmunzelte.
K’tel zeigte sich sehr interessiert an den Regeln und Geboten die Akili einst eingeführt hatte. Da sie bisher für eine gewisse Stabilität gesorgt hatten im Hyänengebiet wollte er auch mehr über sie wissen.
„Akili, ich möchte dich mal was fragen! Wie es scheint hattet ihr selbst in der Hitzewelle keine großen Futterprobleme.“
Gemächlich setzte sich Akili neben K’tel.
„Ich habe in meiner Heimat einst eine große Hungersnot mitbekommen. Damals gab es für lange zeit Futter im Überfluss. Als dann die große Dürre kam war sehr schnell das Futter zu Ende und auch das Wasser hielt nicht allzu lange. Darum kam es das viele verdursteten und verhungerten. Das war auch die Zeit wo ich und die Eltern vieler Hyänen in diesem Rudel das Gebiet verließen. Als wir hier eine Heimat fanden habe ich sofort Maßnahmen getroffen das so etwas nicht noch mal passierte. Darum gibt es selbst in Zeiten wo das Wasser wie auch das Futter reichlich ist nie zuviel sondern wir behalten immer etwas zurück.“
Akili erhob sich etwas schwerfällig und hob den Kopf.
„Folge mir. Ich zeig dir was.“
Neugierig folgte K’tel der alten Hyäne durch das Gras hinauf in die Schroffen Felsen.
„Hehe. Das wird jetzt aber keine Falle oder?“
Akili lachte lauthals was ein paar Vögel aufschreckte.
„Ach nööö. Nein. Gaaar nicht!“
K’tel musste auch lachen.
„Nun komm. Wir sind gleich da!“ sagte Akili und sie gingen in eine Höhle. Sie gingen tiefer und tiefer bis es fast kein Licht mehr gab und Akili deutete auf eine Nische in der einiges an Fleisch lag auf dem eine weiße Schichte lag. Der Geruch war etwas seltsam und K’tel sah sich das Fleisch an.
„Es liegt schon länger hier. Die Höhle ist kühl und dieses etwas scheint Fleisch haltbar zu machen. Es befindet sich hier überall im Felsen. Als wir damals das erste mal hier Fleisch gelagert haben kam einiges von der Decke herab und wir merkten bald das es das Fleisch länger saftig hält. Darum kratzen wir es regelmäßig aus der Steinwand!“
Neugierig ging K’tel rüber und schleckte über den Fels und zuckte sofort zurück. Was immer dieses Zeug war, in großer Masse brannte es auf der Zunge.
„Igitt bäh! Es macht zwar haltbar aber es brennt wie Feuer und macht durstig!“
Akili lachte
„Hehe. Wie hab ich gejapst als ich damals ein Stück rausgebissen habe hehe!“
„Und du konntest mich nicht vorwarnen?“ sagte K’tel gespielt vorwurfsvoll.
Er kratze mit den Krallen an der weißen Schicht die zu Boden rieselte.
„Natürlich müssen wir das Fleisch immer etwas von dem Feuerpulver säubern bevor wir es essen sonst bekommen wir Riesendurst. Aber so haben wir bisher jede Dürre ohne groß zu hungern überstanden. Und die kleinen Teiche tiefer im Fels werden auch rationiert.“
K’tel nickte.
„Eine sehr gute Idee. Nur weil man von etwas zu viel hat sollte man es nicht übermäßig benutzen. Ich sehe schon es war eine super Idee dich als meinen Berater am Leben zu lassen!“
Akili sah ihn gespielt empört an.
„Ach was, nur darum also?“
K’tel lachte und rieb den Kopf etwas an Akili.
„Aw sei doch nicht gleich eingeschnappt Alterchen!“
„Ich beiss dich gleich!“ sagte Akili gespielt drohend.
Langsam erhob sich K’tel und sog die kühle Luft ein.
„Wir sollten wieder zurück. Nicht das die anderen etwas anstellen während wir weg sind.“
So trotteten die beiden wieder zurück. Auf dem Weg stellte K’tel noch einige Fragen die ihn interessierten.
„Was sind deine Weiteren Regeln die du eingeführt hast? Ich meine sie sind sicher gut und ich sollte sie auch kennen!“
Inzwischen war der Wind angenehmen geworden. Die Hitze hatte etwas nachgelassen und Akili setzte sich nahe eines kleinen Baches ins Ufergras. Er war über K’tels Wissensdurst erfreut. Er hätte sich keinen besseren Nachfolger wünschen können. Vielleicht wird K’tel der sein der beendet was er begonnen hatte. Akilis Hoffnung war es dafür zu sorgen das die Hyänen einmal nicht mehr nur die Räudigen Savannenbewohner sein würden die jeder fürchtet und verabscheut. Sondern sich durch Gewitztheit, Schläue und Effizienz.
„Gut K’tel. Dies sind meine Regeln. Ich hab einige Zeit gebraucht um sie auszuarbeiten. Die erste Regel lautet wie folgt: Haltet den Kontakt mit Löwen so kurz wie nötig und gebt ihnen keinen Anlass zum Angriff. Die zweite Regel ist: Niemand nimmt sich mehr als ihm zusteht und wenn er etwas findet wird es hergebracht und geteilt. Drittens: Wir mischen uns nicht in die Angelegenheiten anderer ein außer es betrifft einen der unseren oder man bittet uns um Mitwirkung. Viertens: Verhaltet euch den anderen Raubtieren gegenüber respektvoll. Das waren auch schon alle. Aber sie einzuhalten ist für uns ein Gewinn. Die anderen lassen uns meist in Ruhe und wir hatten schon lange keine Kampfhandlungen mehr.“
K’tel nickte und prägte sich die Regeln ein. Sie erschienen ihm wirklich gut. Dann drehte er den Kopf zu Akili.
„Was ist mit Informanten?“
„Was meinst du?“ fragte Akili etwas verwirrt.
„Auch wenn wir uns nicht einmischen bei den anderen sollten wir informiert sein was in ihrem Inneren vor sich geht. Man kann nie genug wissen!“
fügte K’tel an.
„Das wird aber eine gewisse Gradwanderung!“ sagte Akili etwas unsicher.
„Nicht wenn du dir die Informationen über jene holst die kaum beachtet werden.“
Akili sah ihn fragend an.
„Ich rede von den Vögeln und den Fluchttieren.“ K’tel grinste verschwörerisch.
Grinsend schüttelte Akili den Kopf.
„Ich sehe schon. Du sammelst Informationen!“
K’tel nickte.
Es waren entspannte Monate die folgten. K’tel baute ein Netz auf durch das immer wieder Informationen zu ihm flossen. Wann immer etwas in einem der angrenzenden Gebieten passierte wusste K’tel schnell darüber bescheid. Und da er meist Vögel oder Zebras nutzte – unter dem Versprechen das keiner aus ihren Reihen auf dem Speiseplan landete – wusste er meist schon über die Veränderung bescheid bevor der Betroffene es selber wusste. Nicht das K’tel die Informationen genutzt hätte. Er hielt sich streng an die vier Grundregeln. Die Zeit spielte ihm zu wie auch das Wetter. Allmählich ließt die Hitzewelle nach und der reichliche Regen im entfernten Hochgebirge sorgte dafür das es reichlich Futter zum einlagern gab. Genügend das sich wochenlang nicht jagen mussten. Dennoch behielt K’tel die Rationierung aufrecht. Selbst während der besten Tage unter Akili ging es dem Rudel nicht so gut wie jetzt. Dennoch machte sich K’tel Sorgen. In den letzten Tagen hatte Akili beängstigend abgebaut. Er war noch gewitzt und Scharfsinnig wie immer aber seinem Aufleben folgte ein körperlicher Absturz. So als hätte er sich entschieden das es Zeit wäre zu gehen und Platz für die neue Generation zu machen. Besonders K’tel traf es schwer dem alten einstigen Anführer sichtlich verfallen zu sehen. Hatte er doch in den letzten Wochen sich wirklich eng mit ihm angefreundet und sah mehr in ihm als einen Berater und Freund. Er war schon fast etwas wie ein zweiter Vater für ihn. Besorgt sah er von seinem Beobachtungsfelsen hinab als die alte Hyäne vorbeitrottete zum Wasserloch und sich schwerlich zum Wasser hinabbeugte. Die große Hyäne sprang vom Felsen und ging zu Akili.
„Hey Akili. Alles in Ordnung?“
Langsam hob die alte Hyäne den Kopf vom Wasser und sah K’tel mit einem seltsamen freundlichen und gemächlichen Lächeln an. K’tel überkam ein komisches Gefühl. Eine unglaubliche Ruhe und Weisheit ging von ihm aus, als wenn er bereits mit Allem abgeschlossen hatte. Als wenn er wüsste das seine Zeit gekommen ist.
„Ja... es ist alles in Ordnung!“ sagte Akili und reckte den Kopf zum Himmel.
Langsam atmete er tief ein und aus. K’tel kam die alte Hyäne nun sonderbarer vor als je zuvor.
„Es gibt noch etwas das ich dir erzählen möchte. Bitte treffe mich heute Nachmittag auf der großen Wiese. Dort werde ich dir alles sagen was noch wichtig ist!“
K’tel wunderte sich über diese sonderbare Aussage.
„Okay Akili. Heute Nachmittag auf der großen Wiese. Und pass auf dich auf. Du bist nicht mehr der Jüngste hehe!“
Er bekam einen sanften Klaps von der alten Hyäne verpasst.
„Es reicht immer noch Dir eine zu langen!“ zwinkerte Akili.
Beide lachten lauthals und schüttelten sich. K’tel legte einen Vorderlauf um Akilis Hals und ging dann ohne ein weiteres Wort davon um seine Runden an der Grenze abzulaufen. Doch obwohl er nichts fand was ihn Sorgen machen sollte war er nicht ganz bei der Sache. Akilis sonderbares Verhalten beunruhigte ihn. Zugegeben er war alt aber wach im Geist. Oder... spürte Akili das sein Ende nahe war? Besorgt ging K’tel am Nachmittag zurück um Akili am vereinbarten Treffpunkt aufzusuchen. Der Wind wehte durchs hohe saftige Gras und ein wenig Pollenstaub wehte über die kleine Oase. Alles war friedlich. Sehr sehr friedlich sogar. Selten hatte K’tel einen solchen Tag erlebt an dem soviel Frieden ihn umfing. Und dann sah er ihn: Inmitten des hohen Grases lag der ergraute Körper seines Freundes.
„Akili? Hey mein Alter, so faul?“ lachte K’tel. Aber sein Lachen war mit Besorgnis durchsetzt.
Er bekam keine Antwort. Langsam kam K’tel näher.
„Schläfst du? Hey!“
K’tel hob besorgt die Brauen. Noch immer reagierte die alte Hyäne nicht. Allmählich stieg etwas wie Angst und etwas wie das Gefühl eines Knoten im Bauch auf. K’tel zitterte leicht als er Akili nun vom nahen sah. Die alte Hyäne bewegte sich immer noch nicht. Der leichte frische Wind bewegte das mit stolz ergraute Fell. Es sah aus als sei Akili sanft im saftigen weichen Gras gebettet. Als K’tel nun vor Akili stand traf ihn die Gewissheit das sein guter Freund diese Welt verlassen hatte. Die alte Hyäne hatte ein sanftes und zufriedenes Lächeln auf den Lippen. So als sei er sich sicher das nun alles Gut werden würde und sein Rudel in den richtigen Händen wäre. K’tel fühlte sich zum ersten mal seit langem klein und unsicher. Er hatte das Rudel übernommen und war stark aber irgendwie konnte er sich immer an Akili wenden wenn er sich nicht sicher war. Wieder sah er zu Akili und seine Sorgen fielen von ihm wieder ab. Er war vorbereitet. Schon lange und er würde alles richtig machen. Vielleicht hatte Akili nur so lange gelebt um ihm zu lehren was er wusste. Nun wurde er nicht mehr gebraucht. K’tel neigte den Kopf vor seinem toten Freund.
„Gute Jagd in der anderen Welt alter Freund. Gute Jagd!“