Kälte der Schatten - Die Dunkelheit

    • Fanfiction

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      Kälte der Schatten - Die Dunkelheit

      Herzlich Willkommen zu meiner neuesten Geschichte. Eine Rohfassung einer Geschichte, die ich ausschmücken möchte und eventuell auch einem Verlag zeigen möchte, sofern diese bei euch gut ankommen sollte. Es ist mein Traum einmal im Leben mindestens ein Buch publik zu machen. Ich bin für konstruktive Kritik zu haben und bitte sogar darum.
      Es handelt sich wie gesagt um die Rohfassung meines Manuskripts, welches dann im Nachhinein grammatisch als auch Wortschatztechnisch angepasst wird.
      Ich hoffe ich treffe mit meiner Geschichte den Geschmack einiger Leser unter euch (Fantasy) und hoffe, dass euch die Geschichte so viel Spaß, wie sie mir Spaß macht, sie zu schreiben. :)

      Vielen Dank an Kumbartha, der illustrationstechnisch an der Geschichte mitwirkte. :)

      Um die Übersichtlichkeit zu wahren, erstelle ich in diesem Beitrag eine Art Index in der sämtliche Kapitel aufgelistet sind, um euch langes Herunterscrollen zu ersparen:
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      Buch Artificium:
      Kapitel 01: Siehe diesen Beitrag weiter unten.
      Kapitel 02: Kälte der Schatten - Die Dunkelheit
      Kapitel 03: Kälte der Schatten - Die Dunkelheit
      Kapitel 04: Kälte der Schatten - Die Dunkelheit
      Kapitel 05: Kälte der Schatten - Die Dunkelheit
      Kapitel 06: Kälte der Schatten - Die Dunkelheit
      Kapitel 07: Kälte der Schatten - Die Dunkelheit
      Kapitel 08: Kälte der Schatten - Die Dunkelheit
      Kapitel 09: Kälte der Schatten - Die Dunkelheit
      Kapitel 10: Kälte der Schatten - Die Dunkelheit

      Buch - Apocalypsis:
      Kapitel 01: Kälte der Schatten - Die Dunkelheit
      Kapitel 02: Kälte der Schatten - Die Dunkelheit
      Kapitel 03: Kälte der Schatten - Die Dunkelheit
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      Vorgeschichte:
      Die Legenden überliefern eine Geschichte, eine besondere Geschichte, aus der die Ereignisse der Vergangenheit resultierten. Man erzählt sich, dass eine Gottheit von den Himmeln hinabstieg und das Leben auf dem kargen Planeten erschuf, ihr Name: Ghyord. Ihr Bruder Led half ihr dabei und so kam es, dass sie sich die Frage stellten, welche Kreatur die Rolle der Intelligenz tragen sollte und die Uneinstimmigkeiten beider war deutlich sichtbar. Ghyord erschuf die Menschen, Led die Wolfsmenschen, die auch Lykra genannt werden. Zornig auf ihren Bruder kam es zum Kampf der Götter, wobei die Hälfte der Welt zerrissen wurde und selbst heute noch mit unzählbar vielen Schluchten übersät ist. Dieser Kampf forderte fast das gesamte Leben, welches beide mühevoll erschufen, sodass Ghyord es nicht riskieren wollte und sich geschlagen gab. Led siegte und dies war der Beginn einer neue Ära des Planeten, einer Ära in der Eis vorherrschen sollte und in der die Menschen die Lykra bekämpften.
      Jahre haben in der heutigen Zeit keine Bedeutung mehr, da ein immer währender Winter vorherrscht, der beide Seiten bis an das Existenzminimum treibt.

      Buch 1 - Artificium

      Kapitel 1:
      Eine dunkle Gestalt huschte über die Stadtmauern des Königspalastes von Altravessa. Geschwind und doch elegant sprang sie von Zinne zu Zinne und erklomm anschließend, anscheinend ohne große Mühe, den Burgturm des nördlichen Areals. Vor den beleuchteten Fenster des Turmes hielt sie inne und schien den inneren Raum zu beobachten. Die Gestalt lief in einer langen Tracht mit Kapuze umher, welche nur durch simple Seile zusammengeschnürt wurde. Ruhig und geduldsam wartet die Gestalt vor den Fenstern, als es anfing zu schneien und die Gestalt durch eine halb vermoderte, hölzerne Tür schritt. Dort wo sich die Hände befinden sollten, erkannte man eine Art Pfote mit kurzen, jedoch sehr spitzen Krallen, welche nach der Kapuze griffen und den Kopf freigaben. Die etwas kräftige Statur bewies, dass sich dieses Wesen sehr oft bewegte und das dunkelgraue Fell, welches das Stadtlicht von Altravessa reflektierte, wiederlegte die Tatsache, dass es sich um einen Menschen handelte.
      Der Raum, den er betrat, war leer und gut ausgeleuchtet, aufgrund mehrerer an der Wand platzierter Fackeln. Die Stille machte das Wesen unruhig und als es in das Licht trat war klar, dass es sich bei diesem Wesen um einen Lykra handelte, wenn auch einer der nicht allzu jung war. Er hörte Schritte aus dem Treppenhaus, machte jedoch keine Anstanten zu fliehen, sondern blieb reglos stehen, als würde er auf jemanden warten wollen. Tatsächlich kam ebenfalls ein Lykra, jedoch wesentlich jünger, die Treppen herauf und sprach zu dem Älteren:
      »Led, wir haben das Artefakt ausfindig machen können und sind bereit zur Flucht«, sagte der Lykra mit leiser Stimme. Led wandte sich wieder in Richtung Fenster, »Sehr gut, dann können wir ja diesen Ort verlassen. Die Menschen hegen Groll gegen uns, von daher sollten wir dies so schnell wie möglichst tun, bevor wir entdeckt werden.«
      Der andere Lykra, der auf den Namen Fenrir hört, begibt sich mit schnellem Schritt zum Fenster und scheint in den tiefen Burggarten zu spähen, »Ich höre jemanden kommen, Led, wir müssen hier schnell raus.«, ermahnte ihn Fenrir mit leicht zittender Stimme, »Sie werden uns noch gefangen nehmen und foltern!«, platze es aus ihm heraus. An der Gelassenheit von Led konnte man jedoch erkennen, dass dies für ihn kein Problem zu sein schien. Er nickte kurz, nahm Anlauf und sprang durch die Tür in Richtung Stadtmauer, von der er herkam und auch Fenrir zögerte nicht lange.
      Innerhalb des Burggartens erschienen viele Lichte, bei denen es sich um die Wachposten handelte, die auf dem Weg in den Turm waren. »Du hast das Artefakt sich aufbewahrt?«, fragte Led mit freundlicher Stimme und Fenrir bejahte es nur mit einem kurzen Nicken. Sie schauten sich beide kurz in die Augen, setzten mit ihren Pfoten die Kapuze wieder auf den Kopf und huschten wie Schatten über die Burgmauer. Da es dunkel war, konnte man sie nur schwer in ihrer Tracht erkennen.
      Außerhalb des Schlosses, sprangen die beiden an den Rand der anliegenden Stadt und versuchten dort unterzutauchen. Hinter einer Wand legten sie ihre Handschuhe aus Leinenstoff an, um ihre Pfoten zu verbergen, um möglicher Aufmerksamkeit zu entgehen. Der Stadtteil indem sie waren, gehörte zu den Slums von Altravessa, welches sich an den beißenden Gerüchen nach Abfall bemerkbar machte. Die Passanten, die trotz der späten Stunde, noch rege in den Straßen umherliefen, trugen schmutzige Kleidung. »Die Menschen hier tun mir Leid.«, flüsterte Fenrir voller Entsetzen Led zu, »Wie kann deren König nur zulassen, dass sie hier allesamt in Armut leben?", doch Led schaute ihn nur verfinstert an, »Unsere Aufgabe ist nicht, uns um diese bedauernswerte Geschöpfe zu kümmern. Es gibt Wichtigeres und wir müssen im Verborgenen bleiben; jegliche Aufmerksamkeit könnte böse enden...«, gab Led zu erkennen, »Wir müssen umgehend zurück zum Stützpunkt und das Artefakt abliefen, ich frage mich nur, ob es wirklich das verspricht, was in den Schriften steht«
      Fenrir und Led begaben sich in eine passantenlose Seitenstraße, in der sich nur Straßenlaternen befanden, die nur sehr matt leuchteten, wahrscheinlich aufgrund der ziemlich schmutzigen Glasbehälter. Fenrir zuckte leicht zusammen, da ihm ganz kurz der Geruch nach Schwefel in die Nase kam. »Dieser Gestank, wie können sie nur alle mit diesem Gestank leben?«, fragte Fenrir nur verwundert und gleichzeitig mit abstoßender Mimik. »Vergiss nicht, dass die Menschen nicht so gut riechen wie wir. Sie haben sich wohl bereits daran gewöhnt.«, versicherte Led, bei dem, bei genauem Hinsehen, die Anwiderung ebenfalls im Gesicht zu sehen ist, »Zeig mir doch bitte das Artefakt, ich möchte es gerne von Nahem betrachten.«, und ohne zu zögern, zog Fenrir aus seiner Tracht eine Art Skulptur, die wohl einen Drachen darstellen sollte. »Wenn die Legende wahr sein sollte, dann ist dies hier der Schlüssel zu größerer Macht.«, sein Blick verfinstert sich erneut und auch seine Pupillen verengen sich stark, »Wir müssen diese Macht umgehend versiegeln, da sie sonst Unheil über diese Welt bringen wird. Anscheinend weiß niemand um die Natur dieser Skulptur, geschweige denn, wie man sie nutzt.«, ein spöttisches Lächeln, bei der man seine Eckzähne sehen konnte, wurde sichtbar, »Wie kann nur etwas so Unscheinbares, eine so große Macht besitzen?«
      Im Schloss ertönten die Alarmglocken und Fenrir und Led wussten sofort warum. »Sie haben den Diebstahl bemerkt, Led, wir müssen umgehend weg!«, unterbrach Fenrir voller Sorge, nahm die Skulptur und ließ sie wieder in seiner Tracht verschwinden. Beide zogen sich wieder die Kapuzen über und wollten über die Handelspassagen fliehen, doch überall kamen Wachmänner angerannt, sodass die beiden gezwungen waren in die städtlichen Katakomben zu fliehen.
      Die Katakomben von Altravessa hatten in der Stadt verteilt Eingänge vorzuweisen, welche mit Gittern verschlossen sind. Led zog sich den Handschuh von der rechten Hand ab, führte seine Kralle des Zeigefingers in das Schloss des Gittertores und es gelang ihm dieses zu öffnen. Beide traten ein, schlossen das Gittertor und diesmal verschloss Fenrir es mit seiner Kralle. Das knarrende und gleichzeitig quietschende Geräusch war zum Glück nicht allzu auffällig, da die Menschen aufgrund der vielen Wachmänner in Panik gerieten. »Wissen sie vielleicht doch von der Bedeutung der Skulptur oder warum machen sie so einen Wirbel darum?«, fragte Fenrir während er durch die Gittertore nach draußen spähte, Led hingegen gab keine Antwort auf die Frage, »Du bist wohl heute nicht ziemlich gesprächig, naja wie auch immer, lass uns tiefer in die Katakomben gehen«, schlug er Led vor. Die Katakomben zeichneten sich durch die hohe Luftfeuchtigkeit aus und die Wänder wurden ab einem bestimmten Punkt heller. Fenrir, der sich auf dem Weg, permament umzusehen schien, bemerkte jedoch dass die helle Farbe der Wände keine helle Farben waren, sondern Knochen und erschrak sehr, »Das sind ja Knochen Verstorbener, widerlich!«.
      »Bleib ruhig, die Friedhöfe der Menschen sind voll ausgelastet und irgendwohin müssen ja die Verstorbenen gebracht werden.», erwiderte Led mit einer kalten Miene.
      Je tiefe sie gingen, umso dämmender wirkte das Licht, bis sie die absolute Dunkelheit der Katakomben erreichten. »Sag mir nicht, dass du möchtest, dass wir da durch sollen!«, rufte Fenrir panisch, sodass seine Stimme im Höhlensytem laut widerhallte. »Red nicht so laut, und ja, wir müssen hier durch, wenn wir lebend aus dieser Stadt hinaus möchten. Die Dunkelheit ist zwar unangenehm, aber diese hier wird uns nichts antun«, versichte Led Fenrir, um ihn ein wenig zu beruhigen, was jedoch nicht allzu viel half.
      Beide betraten die tiefen Schächte des Katakombenhöhlensystems und liefen der immerwährenden Dunkelheit entgegen.
      Oh je...

      Dieser Beitrag wurde bereits 13 mal editiert, zuletzt von „Wolfsheld“ ()

      Der Text gefällt mir. Eine schöne Art, die Dinge wiederzuspiegeln bzw. zu erklären :hoch: Auch wenn mir im ersten Absatz (des Kapitels) etwas zu oft das Wort "Gestalt" vorkommt.

      Dass dort Wolfsmenschen vor kommen, finde ich toll, da ich ein großer Fan von Wölfen und (gutartigen) Werwölfen bin. Außerdem frage ich mich aufgrund der Drachen Statue stark, ob dort später vielleicht auch ein paar Drachen auftauchen werden (Was ich ebenfalls gut heißen würde :P)
      Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die ganze Geschichte wird. Hast du schon mehr Teile fertig, oder hast du die gerade erst angefangen?
      sincerely your roman soldier

      JUS DREIN JUS DAUN
      Schön, dass es dir gefällt. :)
      Das mit dem Wort "Gestalt" ist beabsichtigt. Es soll den Leser darauf aufmerksam machen, dass es sich nicht um einen Menschen handelt, sondern um etwas mysteriöses. Sieh es daher als stilistisches Mittel an.
      Ich habe mit der Geschichte frisch begonnen, von daher könnte ich nicht genau sagen, wann ich wieviele Kapitel schreibe (Freie Zeit ich rufe dich :D)
      Tatsächlich werden Drachen vorkommen, jedoch muss ich noch überlegen welche Rolle sie bekommen werden, ich tendiere da aber eher zu Reittieren, da mir spontan kein großes Tier einfällt, das fliegen kann. xD

      Zu den Wolfsmenschen (Lykra) möchte ich mich noch nicht äußern, da ich ein paar interessante Dinge geplant habe und die Detallierung des roten Fadens noch nicht fertig ist. ;P
      Oh je...
      Groß äußern brauchst du dich ja auch gar nicht. Gespoilert zu werden, ist das Ätzendste, was es gibt auf dieser Welt ^^ Ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Teile, vor allem, da mich schon diese "Vorgeschichte" von den Zwei Göttern (?) interessiert. Ich mag auch solche Mythischen (oft ja Griechische Römische) Geschichten von Götterkriegen durch die dann auch Konflikte auf der Erde entstehen.

      Das Problem mit der Freien Zeit kenne ich irgendwoher. Mein Großprojekt "Gothic" (Was ich hier übrigens auch veröffentlicht habe *Schleichwerbung mach* :P) liegt aktuell auf Eis. Und auch meine andere Geschichte, die beginnen wollte, kriege ich nicht wirklich zu Papier.
      sincerely your roman soldier

      JUS DREIN JUS DAUN
      So, wir ihr sicher merken werdet, wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven unterschiedlicher Charaktere erzählt.

      Kapitel 2:
      Inmitten der schneebedeckten Felder von Sercoy, erstreckt sich eine der vielen tiefen Schluchten, die laut Legende von den Göttern selbst abstammte – Eine Schlucht, deren Ende nicht auszumessen ist, weil sie in die tiefe Dunkelheit der Welt führt; einem Ort, der so viel Boshaftigkeit besitzt, dass selbst der gütigste Mensch zum blutdurstenden Mörder wird, sobald dieser auch nur einen Fuß, in dieses Areal setzt. Tatsächlich wurden schon Expeditionen in die Tiefen in die Tat umgesetzt, doch nie kehrte jemand zurück. Am Rande dieser, der vielen Schluchten, kampierte eine Expeditionsgruppe, eine weitere, die es sich zum Ziel setzt dem kalten und grausigem Tode ins Auge zu blicken. Die Leiterin ist Trace, eine Frau mit langen dunkelbraunen Haaren und einer Augenfarbe, die stark an die Farbe des Eises erinnert, jedoch einen Türkisschimmer besitzt. Sie trägt lange Hosen, bei der sich ein Großteil der Hosen unter Stiefeln versteckt, die fast bis zu den Knien reichen. Das dünne weiße Oberteil, wird von einem lilanen Umhang bedeckt, sodass man meist nicht erkennt, wo sich ihre Arme befinden.
      »Die Expedition beginnt bei Morgengrauen! Ruht euch aus, denn wir betreten morgen eine sehr gefährliche Welt; eine Welt in den Tiefen des Planeten, die uns mehr über die düstere Vergangenheit der Welt erzählen kann.«, ihr Blick wirkte besorgt, zurecht, immerhin kehrte nie jemand zurück. Der König Altravessas schickte sie dorthin, um nach seltenen Artefakten Ausschau zu halten. Der Kampf gegen die Lykra wurde immer schwieriger und je öfter die Fronten aufeinanderprallten, umso mehr unnötiges Blut floss und verfärbte das Eis in ein tiefrotes Land. Trace selber verfolgt aber ein anderes Ziel, die Vergangenheit, dem Grund weshalb das Land dem Winter so verfallen ist.
      So brach die Nacht herein und in den Zelten konnte man das Pfeifen des Windes, aus der Schlucht hören, welches bis ins Mark ging. Außerhalb der Zelte flackerte noch die Glut des Lagerfeuers leicht, doch auch die Dunkelheit drohte diese zu verschlingen und das Lager in Pechschwärze einzutauchen. Trace wusste wie gefährlich diese Mission war, doch das schien sie nicht weiterzukümmern. Lange Zeit lag sie im Bett, in Gedanken versunken und war kurz davor einzuschlafen als plötzlich ein Schrei die gähnende Stille durchbrach. Erschrocken springt Trace aus dem Bett und nochmal; ein weiterer grellender Schrei eines Mannes. Irgendetwas stimmte nicht und Trace bekam es mit der Angst zu tun, dennoch entschied sie sich, trotz zitternder Beine, das Zelt zu verlassen und nach dem Rechten zuschauen. Ein weiterer Schrei ertönte, wieder eine andere Stimme und Trace stand kurz vor der Panik, doch es war nichts zu dem, was sie noch empfinden werden würde. Eine dunkle Silhouette huschte vor ihren Augen in das nächste Zelt. Das Kerzenlicht in dem betroffenen Zelt brannte noch und man erkannte wie diese abscheuliche Silhouette Krallen ausfuhr und sie, in den zu Tode verängstigten Mann, einstach, während auch von ihm ein angsteinflössender Schrei die Kehle verlies. Um dem nicht genug zu machen stürzte sich das Wesen auf den Mann, bis ihm mehrere Male und man erkannte wie das Blut gegen die Zeltwände spritze. Zu dem Zeitpunkt verstummte das Lager wieder und Trace wurde klar, dass sie das Lager umgehen verlassen musste, sofern sie am Leben hinge. Sie schnappte sich ihren Eisbrecher, eine motorisierte Maschine mit pfeilförmiger Vorderspitze und versuchte vor den Kreaturen der Nacht zu flüchten, die ein Blutbad im Lager anrichteten. Fernlich überzeugt, dass sie entkommen konnte, hörte sie ein schnelles, sich immer wiederholendes Knarren hinter sich, welcher sich als Wesen herausstellte, der ihre Witterung aufnahm, in der Hoffnung sich an ihrem Fleische zu ergötzen. Die Panik war nun endgültig im Gesicht von Trace geschrieben – Innerlich hatte sie bereits mit ihrem Leben abgeschlossen, da das Wesen sie langsam aber unvermeidlich einholte. Das Schicksal jedoch schien andere Pläne zu haben; Der Eisbrecher, der parallel zur Schlucht, fuhr, kollidierte mit einem großen Felsen, der in der Dunkelheit nicht zu sehen war und der Eisbrecher, als auch Trace flogen, dank der unbarmherzigen Physik, in Richtung einer Schluchtöffnung, die direkt vor ihnen lag und irgendwann erlosch das Licht des Eisbrechers in den Tiefen der Schlucht. Innehaltend, setzte sich das Wesen vor die Schlucht, erkannte, aber dass die Beute verloren war und so entschloss sie sich zurück zum Lager zu waaten, wo die schmackhaften Gebeine von Trace Freunden und Kollegen warteten.
      Die Sonne ging auf und ein Lichtstrahl erhellte den Felsenvorsprung. Trace öffnete ungläubig die Augen – War sie tot? Nein, sie hatte Glück gehabt und stürzte auf einen Felsvorsprung inmitten der Schlucht. Benommen und verwirrt blickte sie sich um und bemerkte einen großen Spalt in der Felswand, aus der ein eigenartige Geruch entwich. Nie zuvor roch sie so etwas Eigenartiges und sie konnte auch nicht sagen, ob es schlecht roch oder nicht. Überaus neugierig betrat sie die Höhle und fand einen leeren Podest vor, auf dem rätselhafte Runen eingraviert waren. Das markanteste war das Symbol eines Drache und dort wo die Schauze war, befand sich ein unscheinbarer Knopf. Nach all den Erlebnissen forderte Trace erneut das Schicksal heraus und betätigte diesen, doch zu ihrer unfreiwilligen Überraschung, öffnete sich der Boden des Podestes und in ihm befand sich eine Drachenstatue, welche eine bläulich leuchtende Kugel im Maul enthielt. »Faszinierend!«, stellte Trace voller Freude fest, »Ist es das, was ich glaube? Ich habe tatsächlich eines der seltenen Drachenartefakte gefunden, ein Artefakt welches die Macht innewohnt, das Schicksal der Welt umzuändern.«
      Voller Freude und Glück, dass sie unbeabsichtigt ein seltenes Artefakt fand, begab sie sich zurück zum Felsvorsprung und entdeckte, dass die Felswand erklimmbar war. Ein Sturz hätte jedoch den sofortigen Tod zu Folge. So begann Trace für ihren neu gewonnen Schatz, die Felswand hochzuklettern, in der Hoffnung, als Heldin nach Altravessa zurückkehren zu können.
      Oh je...
      Da haben sich aber ein paar Komma Fehler rein geschlichen :o

      Jetzt, wo dort mal Ein Gebiet (und ja auch schon eine Stadt ^^) genannt wurde, sowie die Schlucht, frage ich mal ganz dreist, ob du zufälligerweise vor hast, eine Karte anzufertigen :P
      sincerely your roman soldier

      JUS DREIN JUS DAUN
      Da haben sich aber ein paar Komma Fehler rein geschlichen :o

      Das Kapitel entstand auf einer Zugfahrt, daher hab ich nicht nochmal drüber geschaut. :D (Ich korrigiere so bald wie möglich)

      Jetzt, wo dort mal Ein Gebiet (und ja auch schon eine Stadt ^^) genannt wurde, sowie die Schlucht, frage ich mal ganz dreist, ob du zufälligerweise vor hast, eine Karte anzufertigen :P

      Gut erraten. :D
      Ich plane auch Skizzen der jeweiligen Figuren. :) (Um ungefähr ein Bild von allem zu haben^^)
      Zudem werde ich auch eine Art Figurenglossar erstellen, in der die Figuren genannt werden und deren Rolle. (Dient zur Orientierung)
      Oh je...
      Uh, das fänd' ich sehr gut :hoch: Sowas hilft auf jeden Fall und sehr stark bei der Orientierung. Das merke ich immer bei der Buchreihe "Das Lied von Eis und Feuer". Aber das ist auch etwas umfassender (Mit geschätzten 100 Wichtigen Personen und 10 Bänden).

      Wirst du die Skizzen dann auch hochladen, oder willst du die nur selbst als Orientierung nutzen?
      sincerely your roman soldier

      JUS DREIN JUS DAUN
      Hochladen und ab in das jeweilige Kapitel. :D
      Ich bin derzeit noch Zeichner in Ausbildung aber ich denke zwei Wochen sollten reichen um es einigermaßen gut zu lernen. :P (Hab die nötigen Materialien, besonders meine Hölzerne Vorschaupuppe, besorgt und werde sie dann auch nutzen^^)

      Ich richte mich dann stilmäßig an das Buch "Splitterwelten" (Vielleicht kennt das ja jemand)
      Oh je...
      Kapitel 3

      Es war stockdunkel, es miefte schrecklich und Fenrir hatte nur noch das Bedürfnis den Atem anzuhalten und nie wieder auch nur einen Hauch dieser verpesteten Luft einzuatmen. Led jedoch ließ sich nichts anmerken, doch auch ihn machte die Luft zu schaffen. Lykra waren in der Lage in der Dunkelheit besser sehen zu können, doch auch dies hatte seine Grenzen. Fenrir konnte die Dunkelheit nicht mehr ertragen, schnappte sich einen Hammer, den er bei sich trug, halbierte den Holzstab, zeriss sich ein Stück seiner Tracht, wickelte diesen um den halbierten Holzsstab und schüttete zuguter letzt seinen Proviant an Met über diese selbstgebastelte Fackel.
      »Led, reich mir doch bitte deinen Feuerzeug«, verlangte Fenrir, doch Led wühlte zunächst eine zeitlang innerhalb seiner braunen filzernen Hosen, unterhalb seiner Tracht, ohne Erfolg, stieß dann aber letztendlich auf seinen selbstgebauten Feuerzeug. Es handelte sich um ein Stück Feuerstein, welches auf ein Stück Metall gerieben wird. Tatsächlich funktionierte diese ungewöhnliche Konstruktion und Fenrir war in der Lage seine Fackel zu entzünden.
      »Diese Katakomben nehmen kein Ende, außerdem wird es immer wärmer und wärmer«, beklagte sich Fenrir wehvoll, während die Temperaturen wirklich anstiegen, »Zumindest ist es jetzt hell. Ich frage mich weshalb die Menschen diese Katakomben anlegten. Wollen sie etwas schützen?«
      Led schaute sich kurz um und seufzte...
      »Ich glaube nicht, dass dies durch die Hand der Menschen erbaut wurde. Altravessa, die Hauptstadt der Menschen, wurde auf den Ruinen von Eramor erbaut, einer antiken Stadt, die dunklen gehörte.
      Kein Mensch wäre dumm genug und würde sich in diese Tiefen wagen, doch anscheinend täusche ich mich auch.«
      Während er redete bemerkte er eine abgebrannte Fackel an der durchnässten Wand und zeigte mit seinem Finger darauf. Fenrir, der die Met Fackel umherschwing sah sich die Fackel an der Wand genauer an...
      »...Schwefel...«, murmelte er, als er mit seinem Finger in das Dunkel innerhalb der Fackel fasste,
      »Led, es kann sein, dass wir hier nicht alleine sind. Eine erloschene Fackel und Schwefel in der Fackel deuten auf meine böse Vorahnung hin.«
      Leds Mimik veränderte sich schlagartig, weil er die Gefahr ebenfalls erkannte.
      »Verdammt, die Wesen von Eramor sind hier! Wir müssen uns vor der Dunkelheit hüten. Das würde zumindest diesen unerträglichen Geruch in den Höhlengängen erklären. Wir müssen auf der Hut sein!«
      Die beiden Lykra folgen orientierungslos den Gängen, welche durchnässt und sehr schmutzig erscheinen. Überall haftet Schwefel an den Wänden und Fenrir hält sich vor Gestank sogar schon seinen Kragen vor die Nase, um den stechenden Geruch zu dämpfen. Auch Led scheint Schwierigkeiten mit den Gerüchen zu haben. Der Gang der beiden verlangsamt sich zunehmst und die Schritte fallen immer schwieriger. Um das Unheil zu verstärken, tritt Fenrir ausversehen auf einen Bodenschalter und löst eine Falle aus. Led reagiert noch schnell genug und wirft sich und Fenrir auf den Boden, als plötzlich mehrere Pfeile über ihnen umherschießen.
      »Vorsicht! Wir müssen achtsam sein und aufpassen, dass wir keine Fallen auslösen.«, ermahnt Led Fenrir, doch dieser ist noch leicht schockiert, weil er fast gestorben wäre.
      Ein Beben erfüllt die Gänge und der Staub rieselt durch die Höhlendecken. Ein anschließendes Grollen lässt das Blut der beiden Lykra gefrieren.
      »Die Dunklen! Wir müssen hier weg!», ruft Led Fenrir zu und sprintet orientierungslos in den nächstbesten Gang, hauptsache weg von dem Grollen. Fenrir überlegt nicht lange und hetzt ihm hinterher.
      »Worauf habe ich mich bloß eingelassen? Sie sagten mir, es wäre einfach, sie sagten mir, dass wir nur das Artefakt von den Menschen entwenden. Stattdessen renne ich hier um mein Leben und...«, Fenrir stolpert, steht jedoch schnell wieder auf, »...breche mir womöglich noch alle Knochen!«, ruft er in die Höhlen hinein.
      »Grünschnabel!«, wirft ihm Led aggressiv zu,»Du lockst dieses verdammte Viech zu uns!«

      Es herrscht Alarmzustand und der König von Altravessa gerät in Rage. Man bemerkte den Diebstahl des Artefakts und das scheint ihm nicht zu gefallen.
      »Ihr Idioten! Wie konnten sie das Artefakt so leicht an sich bringen?«
      Eine der angsterfüllten Wachen schreitet nach vorne und beginnt zu stottern, kriegt jedoch kein einziges Wort verständlich aus sich heraus.
      »Hast du mir etwas zu sagen, Soldat?«
      Die Wache nimmt seinen Mut zusammen und stammelt das Wort »Lykra«.
      Der König läuft blau an und schreckt zurück. Er beugt sich zu seinem Berater herüber und tuschelt mit ihm. Die Wachen bemerken seine plötzlich auftauchende Sorge.
      Er wendet sich wieder den Wachen zu:
      »Findet um jeden Preis diese Hunde uns stellt das Artefakt sicher, sonst landet ihr allesamt im Kerker. Ich dulde kein Versagen!«
      Wie aus dem Chor entgegnen die Wachen nur ein lautes und selbstbewusstes Jawohl, doch die anschließende Orientierungslosigkeit, um den Raum zu verlassen, lassen den König nur seine Hand in sein Gesicht schnellen: »Ich bin umgeben von Idioten...«
      Auf seinen Thron zurückbewegend, wird der König mitsamt Berater umgeworfen.
      »Ein Erdbeben?«
      Der König überlegte kurz...»Die Dunklen! Irgendwer ist in den Katakomben und ist den Dunklen begegnet. Das müssen die zwei Diebe sein. Du da, sag den anderen Wachen Bescheid, dass ihr in die Katakomben gehen werdet. Sie dürfen auf keinen Fall fliehen!«
      Hastig huscht die übrig gebliebene Wache, den Befehl folgend, hinaus und gibt die Nachricht an die andere Wachen weiter, woraufhin sie sich zur Händergasse begeben, um sich dort Zugang zu den Katakomben von Altravessa zu verschaffen.
      Der König setzt sich wieder auf seinen goldenen Thron, der mit edlichen Rubinen- und Saphirkristallen verziert ist. Auf der Rückenfläche des Throns starrt ein großes Drachenmotiv zu dem Besucher. Ein wahrlich machtvoller Sitz.
      »König William! Ein Besucher ist hier und möchte mit Ihnen sprechen. Sie sagt es sei von höchster Dringlichkeit.«, sagt der Portier mit langsamer und sehr gelassener Stimme.
      Der König hingegen schmunzelt nur: »Keine Besucher! Ich bin nicht in der Stimmung...«, doch der Portiert scheint sich damit nicht zu frieden zu geben.
      »Herr, diese Frau behauptet, dass sie etwas über das Drachenartefakt weiß und weshalb die Lykra es in ihre Klauen wollen«
      Mit diesen Worten weckt der Portier das Interesse des Königs. »Dann lasst sie herein und wehe dir, sie redet nur im Wahn, dann wirst du mir dafür büßen, meine kostbare Zeit gestohlen zu haben.«
      Der Portier zögert nun doch ein wenig, entschließt sich aber der Frau den Eintritt zu gewähren.
      Eine schlanke, schwarzhaarige Frau betritt den Saal; es ist Trace, die von dem Vorfall hörte, da sie die Wachen belauschte. »Mein Herr und König. Ist es wahr, dass die Lykra das Artefakt entwendeten?«, fragt Trace mit einem Klang in der Stimme, aus der Ehrfurcht herauszuhören war.
      Der König kontert mit der Gegenfrage: »Wer möchte das wissen?«
      Trace überlegt kurz und scheint irritiert darüber zu sein, dass der König nicht weiß, dass sie das Artefakt fand und zum Schloss brachte. »Ich bin die Artefaktfinderin und Archäologin Trace Windséng. Ich stamme von den Inselnkolonien, um genauer zu sein von den Hyera-Inseln. Ich bin hier um Euch zu warnen. Das Artefakt hat die Macht die Dunkelheit zu locken. Zudem soll das Artefakt auch eine Art Schlüssel sein, ein Schlüssel für das Schloss eine großen verdammten Gottes, dem Gott, der einst unser Land in Eis getaucht hat und ich weiß...«
      »Humbug! Das sind alles nur Legenden, die nicht der Wahrheit entsprechen!«, fällt ihr der König ins Wort.
      »Aber Herr, sie sehen doch, dass die Lykra großes Interesse an dem Artefakt finden. Es gibt neben diesem Artefakt noch zwei weitere besondere Skulpturen, die die Schlüssel zum Schloss darstellen.
      Einer hat die Form eines Adlers und der andere den eines Wolfes. Wenn sie alle Artefakte haben, so werden sie ihren Gott Hyane wieder an das Tageslicht rufen und das wäre eine Katastrophe für die menschlichen Königreiche!«, ermahnt Trace, doch der König scheint gelangweilt.
      »Närrin! Du stehst am Rande des Wahnsinns, verlass sofort meinen Thronsaal! Ich möchte nichts mehr von dem Größenwahn hören!«, brüllt der König mit halb rot angelaufenem Kopf.
      Trace ist von seiner Ignoranz schockiert: »William, du wirst das Reich ins Verderben stürzen, wenn du nicht auf mich hörst.«
      Der Berater springt von seinem hölzernen Sitz, der sich neben dem Thron befindet.
      »Respekt, wenn ich bitten darf!«
      Ein Grinsen macht sich über das Gesicht von Trace breit, doch sie versteht die Aufforderung, dreht sich um, und verlässt den Thronsaal.
      Der Portier verbeugt sich vor dem König und bittet um Entschuldigung sie hereingelassen zu haben, doch der König scheint unbarmherzig.
      »In den Kerker mit ihm!«, befahl er seiner Leibwache.
      Während der Portier unter Geschrei hinaus geschleift wird, schenkt sich der König Wein in seinen goldenen Kelch ein und trinkt daraus.

      Die Wachen betreten die Katakomben, welche bereits geöffnet waren. Tatsächlich entspringt der Verdacht, dass jemand dort eindrang, der Wahrheit und sie schreiten in die Katakomben.
      Bevor sie jedoch die erste Abzweigung erreichen, werden sie von Trace überrascht. Eine Wache dreht sich um und hält sein Gewehr auf sie.
      »Du, wer bist du?!«
      »Mein Name ist Trace, der König schickt mich, da ich mich um diese Expedition kümmern muss«, lügt sie und idealerweise schenken die Wachen ihr ihren Glauben.
      »In diesen Hallen wartet der Tod auf diejenigen, die nicht vor der Dunkelheit fliehen. Ich las viel über diese Katakomben und die einstigen Ruinen von Eramor. Selbst heute noch schleicht die Dunkelheit durch die Gänge dieses verwunschenen Ortes und suchen nach dem Licht, um es zu fressen.«
      Eine Wache schluckt laut, da ihm dieser Gedanke verspeist zu werden, nicht allzu sehr gefällt.
      Die anderen scheinen sich nicht um die Mythen zu kümmern und gehen weiter in die Höhle hinein.
      Ein Grollen ertönt und die Wachen bleiben zögernd stehen. Eine der Wachen sieht eine dunkle Gestalt hinter der nächsten Ecke und aus reiner Neugier schleicht dieser zu der Gestalt. Plötzlich kommt es zu einer abrupt schnellen Bewegung der Gestalt. Sie packt den Soldaten und zerreißt ihn förmlich mithilfe seiner großen Pranken. Ein schmerzerfüllter Schrei durchströmt die Hallen und Gänge und lässt das Blut in den Adern der anderen gefrieren.
      »Ein Monster! Raus hier!«, brüllt einer der Soldaten und auch Trace hat nicht mit sowas gerechnet.
      Ein weiterer Soldat wird beim Rennen an den Beinen gepackt, stolpert und wird schreiend in die Dunkelheit gezogen...


      Kapitel 3 wurde komplett überarbeitet.
      Oh je...

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      Kapitel 4


      Der faulige Geruch setzte den Lykra zu, doch als Fenrir Schreie von Männern wahrnimmt, packte ihn der Schauer. Die Katakomben Altravessa entpuppten sich als große Falle, eine Falle aus der es kein Entrinnen gab; in der Hoffnung und Licht regelrecht von der Dunkelheit verschluckt wurde und das schien auch Led schwer zu beschäftigen. Er atmete schwerer und schien stets wachsam, wahrscheinlich wohl im Glauben, dass hinter jeder Ecke ein Wesen von Eramor auf sie lauern könnte. Vom Jäger des Artefakts, wurden sie zu Gejagten der endlosen Dunkelheit und selbst jetzt noch scheint einer dieser Wesen ihre Fährte aufgenommen zu haben.
      »Wir dürfen auf keinen Fall diese Gänge zurücklaufen. Du warst ja so schlau und musstest ihn ja mit deinem Gebrüll auf uns aufmerksam machen«, fauchte ihn Led mit finsterer Miene an.
      »Es tut mir Leid...«, erwiderte Fenrir, doch Led schien ihm nicht zuzuhören.
      »Ich sehe ein Licht! Wir sollten diesen Treppen vor uns hochfolgen..«
      Die Treppen waren feucht und halb zerbröckelt. Man sah ihnen an, dass sie nur sehr selten benutzt wurden und der Zahn der Zeit bereits an ihnen nagte und ihnen mächtig zusetzte.
      Das Licht wurde immer heller und auch der faulige Geruch schien von dannen zu ziehen. Man erkannte die Freude der beiden, endlich diese Dunkelheit verlassen zu haben und all die Wesen zurückzulassen, die ihren Tod fordern.
      »Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber Ghyord sei dank sind wir endlich in der großen Einöde des Nordens!«, rief Fenrir voller Freude in die Umgebung, die mit eingefrorenen Seen regelrecht übersät war. Er beugte sich zum Boden und schmiss die Fackel in den Treppen Eingang zu den Katakomben.
      »Freu dich mal nicht so früh. Ich gebe zu ebenfalls erleichtert zu sein, aus den Fängen des Todes entkommen zu sein, aber wir müssen noch zum Hauptquartier und es ist gefährlich im Winter durch diese Einöden zu laufen.«, kommentierte Led Fenrirs Eupherie Ausbruch.
      Fenrir und Led schauten sich kurz an, nickten einander zu und zogen ihre Kapuzen erneut über den Kopf.
      »Orkus wird über das Artefakt höchst erfreut sein, doch wir müssen vorsichtig sein. Sowohl die Menschen als auch unsere Artgenossen haben es auf das Artefakt abgesehen.«
      Fenrir schaute ihn zögernd an...
      »Wenn alles gut geht, können wir das Artefakt wegsperren und verhindern, dass die Lykratruppen sie in ihre Klauen bekommen. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn sie das Artefakt in ihre Klauen bekommen würden.«, sagte Fenrir voller Sorge.
      Led schaut kurz in Richtung des Horizonts und bemerkt einen Mann, ebenfalls in einer dunklen Tracht gekleidet. Er schreitet langsam auf die beiden zu und umarmt aus heiterem Himmel Led.
      »Fjörd!? Wie hast du uns gefunden?«, fragte Led die mysteriöse Person. Diese zog seine Kapuze vom Kopf.
      Es handelte sich um einen Menschen mit dunkelbraunem kurzen Haar. Sein Gesicht war durchzogen mit einer längeren waagerechten Narbe, die sich auf seiner rechten Gesichtshälfte vom Wangenknochen zur Nase zog. Hervorstechend waren seine kristallklaren Augen.
      »Hör mir zu, man sagte mir, ihr wäret in Altravessa eingedrungen und hättet euch in die Katakomben begeben. Orkus warnte euch dort nicht hinabzusteigen und trotzdem tatet ihr das. Ich bin froh, dass ihr heil da herausgekommen seid!«, freute sich Fjörd und begrüßte auch Fenrir mit ziemlich großen Gesten.
      Fenrir schaute ihn kurz misstrauisch an.
      »Woher wusstest ihr von unserem Aufenthalt in den Katakomben?«
      Über Fjörds Gesicht entsteht ein Grinsen welches große Falten nahe der Lippen entstehen lässt, was auf ein höheres Alter hinweist.
      »Orkus beobachtete euch über seine Magie und setze die Anhänger unserer Gruppierung über den Verlauf in Kenntnis. Ihr wisst gar nicht wie knapp ihr einem Eramurianer entgegengelaufen seid.«
      Fenrirs Gesicht wurde schlagartig blass und er schwieg.
      »Wie auch immer, auf dem Weg hierher wurde ich von Lykra des östlichen Kontinents angegriffen und sie scheinen von dem Artefakt Wind bekommen zu haben. Ihr müsst vorsichtig sein, sonst könntet ihr Opfer einer ihrer hinterhältigen Attacken werden.«, gab Fjörd bekannt. Seine Mimik bewies, dass er es sehr ernst meinte und er voller Sorge steckte, den beiden könne etwas passieren.
      »Ich muss nun weiterziehen. Mein Auftrag war es nicht euch zu finden, sondern in die Stadt Altravessa zu gehen und eine Person namens Trace zu arrestieren. Wir sehen uns in ein paar Tagen im Versteck.«
      Fjörd hob kurz den Arm, um sich wortlos von den beiden zu verabschieden und schritt langsam in Richtung Süden zu den grellen Lichtern von Altravessa, die am Horizont den Nebel durchdrangen.
      Es dämmerte langsam, doch die Sonne brauchte in dem Land einige Zeit, um sich durch den Nebel zu kämpfen. Led schlug vor ein Lager aufzuschlagen, um wenigstens ein klein wenig zu schlafen. Sie suchten die nächstbeste Höhle auf und schliefen auf dem harten Boden des Gerölls ein.

      Die Hälfte der Wachen verschwand in der Dunkelheit. Schreie durchhallten die feuchten Korridore der Katakomben und verstummten so schnell wie sie kamen. Trace hatte bereits Bekanntschaft mit diesen Kreaturen gemacht. Sie erkannte, dass es sich um die selben Wesen handelte, die auch damals ihre gesamte Belegschaft zur Ausgrabung umbrachte.
      »Hört mir gut zu, wir müssen den Auftrag abbrechen! Hier wartet nur der Tod auf uns. Lauft und versucht nicht den Verletzten zu helfen, sonst werdet ihr ebenfalls sterben! Die Schatten werden euch holen, wenn wir hier bleiben!«, rief sie mit angsterfüllter Stimme den Wachen zu. Diese zögerten nicht lange und rannten um ihr Leben, zurück zum Eingang nach Altravessa.
      Weitere Männer werden an den Beinen gepackt und in die Dunkelheit gezogen und es machte sich Panik breit. Trace wird ebenfalls an den Beinen gepackt, zückt aber schnell ein Taschenmesser und sticht in die Pranke ein, die sie fest im Griff hatte. Ein entsetzliches Brüllen ertönt und sie wusste, dass sie eins der Wesen verletzt hatte.
      Ein endloser Gang, so erschien es zumindest den Flüchtlingen, machte ihnen zu schaffen und doch erreichten ein paar Wenige und Trace den Eingang der Katakomben. In dem Moment scheint ein Sonnenstrahl in den Eingang hinein und die Wesen werden kurz sichtbar. Sie brüllen vor Schmerzen.
      »Sie scheinen anfällig gegen Tageslicht zu sein, stellt euch in das Sonnenlicht, da seid ihr sicher!«
      Laut brüllend verschwanden die Kreaturen in der Dunkelheit der Katakomben und die Erleichterung war unter den Beteiligten erkennbar. Die Sonne drang durch den Nebel und ersetzte das Gefühl des Grauens mit warmer Hoffnung.
      »Nie wieder in diese Hölle...«, murmelte einer der überlebenden Wachen.
      Sie gingen Trace voraus, um dem König Bericht zu erstatten, als plötzlich Trace einen halb verstummten Schrei von sich gibt. Als die Wachen sich umdrehen, war es bereits zu spät. Trace war verschwunden.
      Stark benommen öffnete Trace ihre Augen und sieht nur einen Mann mit Tracht und Kapuzesein Gesicht verhüllt. Sie setzte sich zur Wehr, kann sich aber von seinem strammen Griff nicht befreien.
      »Lass mich los!«, knurrt sie, doch der Mann scheint nicht darauf zu reagieren. »Wenn du mich nicht loslässt, hetze ich die königliche Garde auf dich!«
      Der Mann bleibt kurz stehen und man hört ein leises, aber doch hörbares Lachen:
      »Meine Liebe, die Garde hat sich mit ihrer Aktion vorhin fast selbst ausradiert.«
      Der Kopf von Trace läuft rot an und sie schüttelt und wendet sich, in der Hoffnung sich befreien zu können.
      »Widerstand ist zwecklos! Du bist arrestiert!«, sagte er mit aggressiver Stimme.
      Trace erkannte ihre Chancenlosigkeit und fragte ihn, wer er sei und vorallem, woher er komme und warum.
      Der Mann zog sich mit seiner rechten Hand die Kapuze vom Kopf und Trace fiel sofort die Narbe auf.
      »Du...Du bist Fjörd, ein entflohener Assassine Altravessas!«, stammelte sie, doch Fjörd lachte nur erneut. »Ah, da kennt mich wohl jemand. Hör zu, ich bin nicht der, den ihr zu glauben scheint. Ich arbeite für eine Untergrundgruppierung und unsere Aufgabe ist es, die Welt zu schützen.«
      »Und warum, braucht ihr mich?«
      »Uns wurde berichtet, dass du dich sehr gut mit dem Artefakt auskennst.«
      »...Ihr habt das Artefakt gestohlen!«
      »Erraten. Cleveres Mädchen!«, beglückwünscht Fjörd sie auf ziemlich sarkastischer Weise.
      »Aber, die Diebe waren Lykra! Wie...«
      »Halt den Mund! Unsere Gruppierung achtet nicht auf die Herkunft der Mitglieder. Intoleranz ist der Grund, weshalb diese Welt dem Ende so nah ist. Der sinnlose Krieg zwischen Mensch und Lykra wird den Kontinenten noch völlig zerstören.«
      Kurz bevor Trace kontern möchte, nimmt Fjörd ein Stück Stoff, den er sich aus einer Seitentasche seiner ledernen Hose, unterhalb der Tracht, zieht und stopft es Trace in den Mund.
      »Nun tu mir den Gefallen und halt gefälligst den Mund. Ich hab dir bereits zuviel gesagt.«, sagte Fjörd auf eine ziemlich herablassende Weise. Seine Mimik erschien zu Anfang noch halbwegs freundlich, doch nun verzog sie sich in einen aggressiven Blick.
      Oh je...
      Kapitel 5:


      Der Rauch der Höhle hüllte den Hohlraum der Höhle ein, wurde aber am Eingang nach draußen gezogen. Fenrir und Led schliefen einige Stunden, um sich auf die Heimkehr vorzubereiten, beschlossen aber weiterzuziehen.
      »Led, wir sollten weiter, bevor uns die Lykrasoldaten entdecken.«
      Led stand in der Ecke und schärfte seine Klinge an einem spitzen Stein.
      »Falls sie kommen sollten, so werden wir vorbereitet sein.«, erwiderte Led.
      Fenrir schien aber dennoch verstört zu sein. Er schien zu spüren, dass etwas nicht stimmte und lief aus der Höhle. Kurz darauf hört man nur noch einen kurzen Schrei und beängstigende Stille.
      »Fenrir!«, rief Led, »Verdammt, Fenrir!«
      Er rannte mit dem gezückten Messer aus der Höhle und wird daraufhin niedergestreckt. Er bemerkt nur noch benommen, wie man ihn am Kragen packt und über den Schnee zieht. Neben ihm zog man Fenrir am Kragen. Led kann sein Bewusstsein nicht lange aufrechterhalten und fällt in Ohnmacht.
      Ein Gefühl von Eiseskälte überkommt Led, so stark, dass er zusammenzucken muss. Ein Lykaner begoss ihn mit kaltem Wasser und plötzlich sprach eine weibliche Stimme zu ihm:
      »Ah, der Verräter ist erwacht. Led, lang ist es her!«
      Die Ironie in der Stimme war deutlich hörbar und Led musste nicht lang überlegen, um zu wissen, wen er vor sich hatte.
      »General Freya...«
      Freya war eine Legionärin der Ostlykraeinheiten, dem Heimatort von Led. Sie hatte einen schmalen Kopf mit etwas längerer Schnauze. Sie trug eine eiserne Rüstung mit goldverzierten Wolfssymbolen an Schulterplatte und Brustharnisch. Ihre Schulter wirkten ebenfalls schmal und doch stand sie auf eine Weise, die sehr selbstsicher auf Led wirkte.
      »Led, oder sollte ich besser sagen, Offizier Led? Du hast dich gegen uns gewendet, du hast mich einfach verlassen und du wolltest uns das Artefakt vorenthalten. Nenn mir einen einzigen Grund, weshalb ich dich nicht hier und jetzt töten sollte!«, knurrte sie ihn bösartig an.
      Ihre gelben Augen durchdrangen regelrecht Leds Kopf. Led jedoch beginnt zu grinsen.
      »Du hast dich kein Stück verändert, Freya. Ich habe euch verlassen um der Welt meinen Dienst zu erweisen. Als Offizier sah ich Dinge, die du dir nichtmal im Traum vorstellen kannst und ich tat Dinge, auf die ich nicht stolz bin. Das ist meine Art mich zu revangieren.«, erklärte Led mit ziemlich beruhigender und sanfter Stimme. Freya allerdings schien unberührt.
      »Du bist ein verdammter Verräter! Du arbeitest unteranderem mit Menschen zusammen. Das können wir dir nicht verzeihen!«
      Zähnefletschend schlug sie Led mit einer ihrer Klauen am Gesicht. Led spürte nur noch wie etwas Warmes sein Gesicht herunterfloss.
      »Genau deswegen liebte ich dich so sehr. So impulsiv und vorschnell.«
      Freya wurde wütend und verpasste ihm noch einen Schlag. Led hatte eine Platzwunde an seiner Stirn. Als Freya ein drittes Mal zuschlagen möchte, stürmt ein unterer Lykrasoldat in das Zelt und warnt General Freya.
      »Was!? Wir werden angegriffen?«
      Ihr gemeiner Blick fiel erneut auf Led.
      »Wir machen weiter, wenn ich wieder da bin!«, fauchte sie ihn an, doch das schien Led nicht zu kümmern.
      Freya verließ mit dem Soldaten das Zelt und es kam Krach und Rauch auf.
      Led wusste, dass die Menschen etwas damit zu tun hatten, nutzte die Gelegenheit und schnitt sich mit seinem Messer die Fesseln durch. Auch Fenrir befreite er und weckte ihn auf.
      »Was? Was ist passiert Led?«, fragte Fenrir, der von seinen Fesseln befreit wurde.
      »Wir scheinen in einem Außenposten der Lykaner zu sein. Wir müssen schnell hier weg, bevor Freya wiederkommt.«
      »Freya? Meinst du diese machtbesessen Frau, mit der du mal liiert warst?«
      »Ich fürchte ja. Sie hat sich kein Stück verändert...«
      Vorsichtig verließen die beiden Gefangenen das Zelt und sahen sich auf einem Schlachtfeld wieder. Tote Lykrasoldaten am Boden, brennende Zelte und ein durchsprengter Boden, der bei genauerem Hinsehen bizarre Formen aufwies. Plötzlich hörte Led nur noch einen lauten und ruckartigen Knall und ein darauffolgendes Zischen. Er packte Fenrir und warf sich mit ihm zurück, als direkt vor einen ein Mörser in ein Zelt einschlug.
      »Wir müssen hier raus, aber wir sind wahrscheinlich von den Menschen umzingelt!«, rief Fenrir mit angsterfüllter Stimme.
      »Ich frage mich echt, wie sie dich in unserer Gruppierung aufnehmen konnten.«, beklagte sich Led, dessen Augen sich weiteten, als er in der Ferne Freya sah, wie sie sich allein den Menschen stellte.
      »Ich bin kein Soldat, ich bin ein Ingenieur. Sie teilten mich für diese Mission ein, weil kein anderer frei war, zudem, wer bedient die Maschinen im Versteck, wenn ich nicht da bin?«, doch Led schien ihm nicht zuzuhören.
      »Wir müssen Freya helfen!«, orderte er an, doch Fenrir blieb wie angewurzelt stehen.
      »Du willst ihr helfen? Vergisst du nicht, was sie dir vorhin antat und was sie mit uns vorhatte?«
      »Natürlich weiß ich das, aber ich weiß auch, dass in ihr ein guter Kern schlummert.«
      Kurz nachdem er das sagte, rannte Led in Richtung Freya und angreifender Menschen. Er zückte sein Messer, rannte auf die nächstgelegenen Balken eines umgestürzten großen Zeltes und spang zur umzingelten Freya. Fenrir schien von der Idee nicht begeistert zu sein, zückte aber auch sein Messer und nahm den selben Weg hinterher. Rücken an Rücken standen die drei nun, umzingelt von den menschlichen Soldaten.
      »Wieso hilfst du mir Led?«
      »Der alten Zeiten willen und vorallem weil ich glaube, dass du dich ebenfalls ändern kannst.«
      Freya lachte kurz höhnisch auf.
      »Was du nicht sagst! Erwarte aber ja kein Danke von mir, verstanden?«
      »Tu was du nicht lassen kannst.«
      Alle drei gingen in Angriffsstellung, doch plötzlich fiel Led die Symbole an den Harnischen der Soldaten auf.
      »...Ein Rabe..., das sind Soldaten aus Desertia, der südlichen Wüstenstadt! Was machen sie hier?!«
      Freya fielen die Symbole nun auch auf.
      »Sie sind wahrscheinlich hinter euch her. Seit dem Attentat auf die königlichen Berater von Desertia durch eure Gruppierung, schwor sich der König eurem Treiben ein Ende zu setzen.«
      Leds Blick wirkte bedrückt und er schaute schweigend zu Boden. Die Soldaten, die sie umzingelten, schritten immer näher auf die drei Lykaner, doch sie zögerten anzugreifen.
      »Ok, dann fangen wir mal an!«, befiel Freya und die drei Lykra sprangen jeweils, mit ihren Messern und Freya mit einem Hammer bewaffnet, auf die Soldaten vor ihnen zu.

      Fjörd schien bedrückt, denn er sah in der Richtung in der er die beiden Lykra traf, dichten schwarzen Rauch aufsteigen. Er durfte aber seine Mission nicht vergessen, Trace zum Versteck zu bringen. »Kooperiere und ich werde dir nichts tun und du bist schneller frei als du glaubst.«
      Hinterlistig wie Trace war, bejahte sie und schwor sie würde nicht flüchten. Fjörd glaubte ihr und löste seinen Griff und nahm ihr die Handfesseln ab. Diesen Augenblick nutzte sie um zu versuchen zu fliehen, doch Fjörd schien von ihrer Aktion unbegeistert. Er zückte ein merkwürdig geformtes Gewehr aus seiner Tracht, zielte auf Trace und feuerte einen Seil ab, der an beiden Enden mit einer dicken und schweren Kugel versehen war. Er traf Trace an den Beinen, wodurch sich die Schlinge um ihre Beine wickelten und sie so zum Fallen brachte.
      »Mädchen, glaub mir doch, du kannst nicht fliehen also kooperiere endlich, dann werde ich dich wie gesagt sehr bald wieder frei lassen.«
      Trace blickte ihn ziemlich böse an und man könnte meinen, sie würde Fjörd jeden Moment angreifen, doch sie schien zu begreifen, dass sie rein physisch nicht gegen ihn ankommen konnte.
      Sie blickte kurz um sich und gesteht sich ein, aushilfslos zu sein, was für sie sehr erniedrigend war.
      »Na schön, ich helfe dir, aber der Deal steht. Ich helfe euch und ihr lasst mich dann frei, aber glaubt mir, wenn ich raus bin, werde ich euch die Soldaten auf den Hals hetzen.«, sagte Trace in einer plötzlich rauhen und angreifenden Stimme.
      »Ihr kriegt uns nicht, das verspreche ich euch, aber nun gut, ich stimme zu.«
      Beide liefen dann nach Nordwesten, in die dichten Nebel der Einöde des Nordens.
      »Sag mir, wer genau seid ihr?«
      »Wir sind der Orden des Himmels und kämpfen für den Frieden der Welt.«
      »Der Orden des Himmels, wieso gerade dieser Name?«
      »Diesen Namen suchten nicht wir uns aus, sondern die Völker der Welt. Unser Erscheinen ließ sie glauben, wir wären Engel.«
      »Und was genau habt ihr vor?«
      »Derzeit suchen wir die Artefakte der Vergangenheit und versiegeln sie, um zu verhindern, dass Unheil über die Welt hereinbricht.«
      »Moment, ihr wollt gar nicht Hyera herbeirufen?«, fragte sie dann erstaunt.
      »Bei Ghyord, nein! Ich weiß zwar nicht, was die Leute von uns denken, aber wir wollen die Welt retten und sie nicht zerstören.«
      »Und ich dachte, ihr wäret eine Art Terrorgruppierung...Ich entschuldige mich bei euch und werde euch natürlich helfen.«
      Fjörd grinste kurz erfreut und schien die Intentionen der jungen Frau zu erkennen.
      »Mädchen, du scheinst ein gutes Herz zu haben.«
      »Nachdem ich das Artefakt an das Königreich abgab, recherchierte ich intensiv und fand heraus, dass in dem Artefakt große Kräfte schlummern. Ich wollte es daher stehlen, um das Schlimmste zu verhindern, doch anscheinend habt ihr bereits diese Aufgabe.«
      Fjörd schwieg, doch sein Geschichtsausdruck drückte Verwunderung aus.
      Oh je...
      Kapitel 6:


      Ein Messer durchstieß die Kehle eines Soldaten, ein weiteres sucht sich seinen Weg zum Herzen des Feindes und ein riesiger schwerzuschwingender Hammer malmt jeglichen Widerstand zu Boden. Die Soldaten erkannten, dass sie es mit den Lykanern nicht aufnehmen konnte und doch schienen sie sich siegessicher zu sein.
      Freya wandte sich elegant und schnell um und führte dabei die Klinge sehr präzise gegen die Feinde. Plötzlich unterbrach sie ihren Angriff und auch alle anderen hielten inne, als ein riesiger Mensch mit schwerer Eisenrüstung und Morgenstern in den Kampf eingreift. Fenrir hatte großes Glück und konnte seinem Überraschungsangriff noch rechtzeitig ausweichen. Dort wo der Morgenstern einschlug, hinterließ der Koloss ein riesiges Schlagloch, welches die Macht seiner Waffe unterstrich.
      Freyas Augen wurden schlitzartig und sie fletschte ihm die Zähne.
      »Glaubst du im Ernst, du kannst uns beeindrucken?«
      Ein unheimliches basstiefe Lachen war zu hören und er schlug weiterhin mit dem Morgenstern um sich. Dabei traf er auch seine eigene Männer, die Angst vor seiner rohen Gewalt hatten und zum Rückzug antraten, im Glauben, er könnte es alleine gegen sie schaffen.
      Die drei Lykaner schauten sich an und nickten. Fenrir zog aus seiner Tracht mehrere Holzbalken und eine Sehne, koppelte die Teile aneinander und nutzte das Gebaute als Armbrust. Er hob einen halben Helm der Soldaten auf, band sie an ein Seil und schoss damit auf den Koloss um ihn so zu fesseln. Währenddessen rannten Led und Fenrir symmetrisch um den Feind. Freya schlug mit ihrem Hammer mit geballter Kraft gegen seinen Rücken und brachte seinen Rückenschutz zum Bersten. Dies nutzte Led aus, um mit seinem Messer den schwächsten Punkt in dem gebersteten Rüstungsteil zu suchen, um sein Messer hineinzurammen.
      Ein schmerzvoller Schrei durchhallte den Außenposten und der Koloss brach blutend zusammen.
      »Led, du scheinst das Kämpfen nicht verlernt zu haben!«, beglückwünschte Freya Led, doch als Antwort erhielt sie nur ein mageres Lächeln.
      »Geht! Ich lasse euch als Dank für eure Hilfe frei.«
      »Und was ist wenn du deswegen Ärger bekommst?«, fragte Fenrir ziemlich aufdringlich.
      »Dann sage ich, dass ihr in dem Tumult entkommen seid. Also los, weg mit euch, bevor ich es mir anders überlege!«
      Led und Fenrir ließen es sich nicht zweimal sagen und rannten weg, als plötzlich Led kurz stehen blieb und Freya anschaute. Freya und Led warfen sich ein Lächeln zu und Led lief weiter, in Richtung Nordwesten.
      »Läuft da etwa noch etwas zwischen euch?«, fragte Fenrir Led scherzhaft, da er anscheinend die Zeichen erkannte.
      »Das war rein geschäftlich! Und nun lauf weiter!«, knurrte Led ihn rot anlaufend an. Sein Gesicht verzog sich dabei zu einem finsteren Etwas, doch als er erneut an Freya dachte, durchdrang wieder ein freudiges Lächeln diese scheinbare Fassade.

      Trace und Fjörd erklommen die steinigen Wände des Ghyordgebirges. Allein fiel es Fjörd nicht schwer diese zu überwinden, doch Trace schien damit arge Probleme zu haben.
      »Eine Archäologin und kein Sportsgeist?«
      Mit bissiger Stimme erwiderte sie: »Ich musste bisher für keinen Fund über Berge klettern. Wir hatten unsere Schneemobile und umfuhren sie immer.«
      »Tja, dann gewöhn dich lieber dran.«, sagte er auflachend, da es ihn amüsierte in allen Punkten Trace überlegen zu sein. Das jedoch schien Trace nicht zu passen.
      »Sind alle bei euch im Orden so aufgeblasen?«
      »Finde es doch selbst heraus, wir haben die interessantesten Geschöpfe nnerhalb der Mitgliederschaft.«
      Trace griff zu einem Stein und wollte sich nach oben ziehen, als dieser plötzlich abbrach und sie in die Tiefe stürzte. Noch rechtzeitig griff die Hand von Fjörd nach die ihrer und konnte ihr so noch das Leben retten.
      »Und unvorsichtig bist du auch noch...«
      Trace griff erneut nach einem nahen Felsen und kletterte weiter nach oben ohne auch nur ein Wort zu sagen.
      »Ok, dann schweigen wir eben...«

      Eine Ader kam am Halse des Königs zum Vorschein und sein Kopf lief so rot wie eine Tomate an. Die ängstlichen Wachen mussten Bericht erstatten, aber zögerten alles in einem Rutsch auszusprechen, weil sie die Befürchtung hatten, der König könnte es an ihnen auslassen.
      »Was soll das heißen, ihr habt sie nicht fangen können!?«
      »Sire, sie sind durch die Katakomben entwischt!«
      »Dass ich nicht lache. Keiner überlebt einen Wandergang durch die Ruinen von Eramor!«
      Die Stimmung des Königs war alles andere als gut und es gab unter den Bediensteten die Angst, er würde jemand dafür verantwortlich machen und die Person dafür erhängen.
      »Die Lykaner haben ein wertvolles Artefakt, welches Altravessa gehört, entwendet! Dafür werden sie büßen. Gabriel, wo bist du?!«
      Gabriel, sein treuer Berater kam aus einem Nebenzimmer angerannt, verbeugte sich tief vor dem König und sagte mit angsterfüllter Stimme
      »Mein...Mein Herr. Sie haben gerufen?«
      »Bereite unsere Armee vor, wir werden Sargad angreifen und uns dieses Artefakt zurückholen!«
      »Aber herr, sollen wir eine Armee wegen einer Statue aufstellen und Leben dafür riskieren?«
      »Widersetzt du dich meinen Willen?«
      Gabriel schreckte zurück und seine Pupillen weiteten sich. Völlig verschwitzt bat er den König um Entschuldigung: »Es tut mir Leid, Herr, aber...aber es ist meine Aufgabe dieses Königreich zu verwalten und ich halte es für keine gute Idee, dass sie...«
      Der König unterbracht ihn:
      »In den Kerker mit ihm! Du da!«, er zeigte auf einen Soldaten der die Kunde bringen sollte, »Du bist jetzt General, also versammel jetzt unsere Truppen für den großen Angriff!«
      Der Soldat salutierte kurz und rief: »Jawohl!«
      Danach verschwand er geschwind aus dem Königssaal.
      Gabriel strampelte mit Armen und Beinen als eine Wache ihn packte und aus dem Königssaal zerrte, in Richtung des Kerkers.
      »König William, Sie werden es bereuen das zu tun! Sie scheinen nicht ganz bei Sinnen zu sein! Tun Sie es nicht!«, versuchte er den König zu warnen, um eine Katastrophe zu verhindern, doch der König reagierte nicht auf ihn – schien ihn bewusst zu ignorieren.
      Nachdem alle Beteiligten den Saal verließen, drehte sich der König zu einem großen Mosaikfenster, welches die Hälfte des Saales in Anspruch nahm und schien nachzudenken. Irgendetwas beschäftigte ihn.
      Es herrschte außerhalb des Schlossesn, trotz der warmen Sonne, ein bitter kaltes Wetter. Der Wind biss sich ins Fleisch ein und jeder Gang bei dieser Eiseskälter, erschwerte es dem Körper, diese Temperaturen zu ertragen. Der Hofplatz war von einer Schneedecke überdeckt, die jedoch ziemlich zertrampelt aussah. Philip, der Soldat, den der König beauftragte die Armee zu mobilisieren, rannte hinaus und gab einigen draußen herumstehenden Wachen den Befehl die restlichen Wachen zum Königshof zu rufen. Die beiden schauten ihn jedoch nur kurz an und verfielen ihrem schallenden Gelächter.
      »Du hast uns nichts zu befehlen, Fußsoldat. Also los, verschwinde!«
      Dabei streckte eine der Wachen seine Hand zu ihm aus und wedelte damit, um zu symbolisieren, dass Philip unerwünscht war.
      Philip jedoch ließ nicht klein bei und stammelte, dass er nun der General des Königs und den Auftrag hat die Armee zu mobilisieren.
      »Du? General?«
      Das Lachen der beiden Wachen wurde lauter und ging bei einem der Wachen in ein gurgelähnliches Geräusch über.
      Die Wache, die Gabriel in den Kerker sperrte, betrat ebenfalls den Königshof und sah was vor sich ging.
      »Ihr beiden, ist euch eigentlich klar, dass ihr über den neuen General lacht?«
      Plötzlich verstummte das Gelächter und einer der beiden schluckte nur.
      »E..Es war also kein Scherz?!«
      »Natürlich nicht! Wir stehen kurz vor einem Krieg und der König ernannte ihn zum General, also los jetzt, holt die anderen!«
      Philip schaute seinen Helfer beeindruckt an.
      »Danke...«
      »Ich tu es nicht um dir zu helfen, sondern für das Wohl des Landes. Der König muss wahnsinnig sein, jemanden wie dich zum General zu befördern.«
      Philip verstummte.
      Das große Horn von Altravessa ertönte, welches nur dann geblasen wird, wenn Krieg ansteht, Es war für alle Militäreinheiten der Stadt das Zeichen, sich zum Schloss zu begeben.

      Gabriel saß auf einem zerfetzten Leinentuch, welches über dem kalten und feuchten Boden der Kerkezelle ausgebreitet war. Ein schwaches Licht durchflutete die Kerkergänge und einige Folterschreie erhallten. Er war zwar besorgt, dass die Entscheidung des Königs Konsequenzen nach sich ziehen würde, doch ihm blieb nicht anderes übrig, als im Stillen zu sitzen und darauf zu warten, dass man ihn aus dem Kerker hinauslässt.
      Oh je...
      Kapitel 7


      Fjörd und Trace erreichten ein großes Plateau. Nichts wuchs dort, außer ein paar einzelne Moose und Flechten, die sich auf dem felsigen Untergrund zu verbreiten versuchten. Sie waren mitten im Ghyord Gebirge und hatten vom Plateau aus hervorragenden Ausblick auf den Berg Bolearis.
      »Es heißt, dass dort der Gott der Lykra gehaust haben soll. Hyera heißt ihr Gott, ein Abkömmling von einem der Erschaffer der Welt. Schon etwas von der Legende von Led und Groth gehört? Beide sollen den Planeten geformt und mit Leben eingehaucht haben, doch es entbrannte ein Krieg zwischen den beiden, der selbst noch heute in Form der Schlacht zwischen Mensch und Lykra zu beobachten ist. Hyera beendete den Streit seines Vaters Led, sperrte Led weg und verbannte sich selbst in viele kleine Artefakte.«, erzählte Fjörd.
      Trace begriff sofort, was er ihr sagen wollte:
      »Du meinst...?«
      »Ja, dieses Artefakt ist eines dieser Artefakte. Die Lykra wollen Hyera auferstehen lassen, um so Zugang zu Leds Exil zu erlangen. Wenn dies geschieht, wird die Welt wie wir sie kennen untergehen. Unsere Aufgabe ist es eben diese Artefakte zu finden und zu versiegeln, koste es was es wolle.«
      Ein kräftiger eiskalt beißender Wind kam auf und ein Schneesturm schien sich zusammenzubrauen.
      Die Gipfel am Horizont verblassten und verschwanden dann gänzlich in den Nebeln des aufkommenden Sturmes. Fjörd schaut sich kurz um und zeigte mit seinem Finger auf den Fuß vom Berg Borealis.
      »In einer Höhle dort, lagere ich mein Schneemobil. Den unhandlichen Weg haben wir hinter uns. Es kommt jedoch ein Schneesturm auf also hilf mir die Zelte aufzubauen.«
      Die verwunderte Trace schien anscheinend nicht die Technologie des Ordens zu kennen, immerhin kramte Fjörd einen kleinen Würfel aus seiner Tracht und drückte es Trace in die Hand; sie jedoch wusste nicht so wirklich was sie tun musste.
      »Entschuldige, ich vergaß, dass du das nicht kennen kannst. Ich zeig dir eben wie das funktioniert. Das sind sogenannte Transportwürfel. Man kann in ihnen alles lagern, unabhängig wie groß das Objekt ist. Ein Lykraner namens Fenrir entwarf und entwickelte sie. Leider sind sie noch nicht im Stande elektrische Geräte zu transportieren, aber Elektronik brauchen wir auf unseren Missionen nicht.«
      Trace untersuchte den Würfel und bemerkte merkwürdige Symbole auf drei Seiten. Ein Muster auf der mittleren Seite ließ alle anderen Formen in eine einzige Form übergehen. Trace verstand, dass es sich bei dieser Seite um die Oberseite handeln musste.
      »Fahr mit den Fingern über die zwei Seitenformen und folge dem Muster mit dem Finger bis zur Oberseite, der Seite, in die die beiden Formen übergehen. Anschließend legst du den Würfel auf den Boden und drückst in den gezeichneten Kreis auf der Oberseite. Den Rest erledigt der Würfel.«, wies Fjörd an, doch Trace schien nicht glauben zu wollen, wozu der Würfel im Stande sein sollte. Sie befolgte den Anweisungen, wirkte dabei leicht unbeholfen die Formen mit ihrem Finger nachzuziehen, schaffte es dann jedoch den Würfel zu aktivieren. Umso erstaunter war sie, als der Würfel auf dem Boden sich zu bewegen begann und sich ausklappte.
      Sie konnte ihren Augen nicht trauen. Der metallische Würfel faltete sich auseinander, veränderte sein Material und wurde zu einem großen Zelt. Selbst die Dübel ankerten sich von selbst in den Boden.
      »Wie ist das möglich?!«, rief Trace völligst überrascht und beeindruckt.
      »Das meine Liebe ist die Technologie der Lykra und gleichzeitig die Technologie des Ordens. Sie waren so freundlich und stellten sie uns zur Verfügung. Deine Unerfahrenheit mit solchen Geräten zeigt, dass du bisher noch nicht in der lykranischen Hauptstadt warst.«
      Tatsächlich betrat sie niemals die Stadt der Lykraner, ob es nun aus reiner Furcht war oder doch reine Desinteresse. Trace fielen sofort die Schneemobile ein und nun leuchtete ihr endlich ein wie sie funktionierten. Die Dunkelheit brach allmählich über das Gebirge herein. Weit und breit kein Anzeichen von Zivilisation; es herrschte völlige Dunkelheit.
      »Es freut mich, dass du etwas über die nördliche Technologie dazu gelernt hast, aber wir sollten uns jetzt ausruhen, damit wir morgen den restlichen Weg schaffen können.«, schlug er ihr vor. Sein Blick war nach wie vor auf den Berg der Legenden gerichtet, doch dann betrat er das Zelt. Es begann zu schneien und der Wind blies stärker. Der Schneesturm hatte sie bald erreicht und so betrat auch Trace das Zelt, in der Hoffnung eine ruhige Nacht zu haben.

      Eine in einer schwarzen Kutte eingehüllte Gestalt schritt über knarrendem Holzboden. Die Fenster waren zerschlagen und an einigen Stellen aus dem Rahmen gesprungen und auch die Wand schien ziemlich morsch zu sein. Ein Wunder dass die Stützbalken des Gebäudes die obere Etage noch trugen. Auf dem Boden krabbelten allerlei von Insekten, hauptsächlich Kakerlaken, die mit ihren Fühlern einen Weg durch den verfallenen Müll auf dem Boden suchten.
      Die verhüllte Person ging langsam auf die Raummitte zu, wo ein schmaler langer Tisch stand. Auf einem der Stühle saß eine weitere Person, die die Hände gefaltet hatte und an ihnen ihren Kopf abstützte. Die ankommende Person, nahm ihre Kapuze ab und ein Gesicht einer weiblichen Lykra kam zum Vorschein.
      »Es läuft alles wie geplant. Sie ahnen nichts und wir schreiten unserem Ziel immer näher!», sagte sie ihrem mysteriösem Gegenüber.«
      Dieser regte sich und hob den Kopf, doch die Kapuze verdeckte weiterhin das Gesicht. Eine tiefe Männerstimme erklang.
      »Nicht mehr lange und eine neue Ära bricht über diese Welt herein, eine Ära in der ich regieren werde und die Macht der Götter besitze.«
      Ein hehlendes Lachen entfuhr aus ihm und gelbe leuchtende Augen starrten die weibliche Lykra an.
      »Es wird Zeit, dass du dich der Marionetten entledigst. Sie haben genug getan.«
      Sie nickte und verbeugte sich hastig. Ihr Blick wirkte dabei verunsichert und das schien die mysteriöse Person zu bemerken.
      »Mein Kind, ich sehe dass du zweifelst.«, unterstellte ihr die tiefe Stimme.
      »Ist es richtig, was wir tun? Was ist wenn wir uns irren und die Welt verdammen?«, fragte sie ihn mit zittender Stimme aus der jeder Funke Angst aus ihrem Herzen herauszuhören war.
      »Vergiss nicht wer wir sind. Wir sind die direkten Nachfahren der Vorzeit, es ist unsere Bestimmung unsere ehemalige Herrschaft wiederherzustellen.«
      »Ja...Vater...Ich hätte nicht zweifeln sollen.«, beteuerte sie mit vorwurfsvollem Blick und wandte sich kurzerhand von ihm ab, hinaus aus dem Holzhaus.
      Der verhüllte Mann senkte wieder seinen Kopf und stützte diesen auf seinen gefalteten Händen. Er sah wieder so aus, noch bevor die andere fremde Person den Raum betrat; unscheinbar und wie eine Statue.

      Fenrir und Led liefen so schnell sie konnten. Das Artefakt war noch bei ihnen, doch scheinbar waren viele Feinde an diesem Artefakt interessiert. Es war bereits dunkel und die beiden Lykraner suchten nach einer Unterkunft. Ein leckerer Geruch stieg den beiden im Waldweg in die Nase.
      »Bei Ghyord, ich rieche Rinderbraten!«, rief Fenrir voller Freude und auch sein Magenknurren bestätigte seinen regen Appetit. Auch Leds Bauch knurrte heftigst.
      »Na schön...Lass uns dem Geruch folgen und dort rasten.«, willigte Led ein, doch die Idee in einer fremden Siedlung zu übernachten gefiel ihm nicht wirklich.
      Der Wald wirkte in der Dunkelheit unheimlich, ja fast schon gespenstisch. Das ging sogar so weit, dass Fenrir eine durchsichtige Gestalt in seinen Augenwinkeln sah.
      »Led, ich habe gerade etwas in den Augenwinkeln huschen sehen«, stammelte er voller Angst. Seine Pupillen weiteten sich extremst und statt seiner üblichen grünen Iris, sah man nur einen großen Flecken Dunkelheit in seinen Augen.
      Led umklammerte sein Messer und konzentrierte sich darauf alles im Umfeld im Blick zu haben.
      »Fenrir, halt deine Waffe bereit, etwas stimmt hier nicht«
      Led bleckte seine Zähne und seine Augen wurden im Gegensatz zu Fenrirs Augen zu Schlitzen.
      Plötzlich erschien ein merkwürdiger Bodennebel, der den Wald in ein schwaches mattes Weiß erleuchtete.
      »Mir gefällt es hier überhaupt nicht...«
      »Hab dich nicht so«
      »...aber...«, fiel ihm Fenrir ins Wort.
      »Kein Aber! Bleib kampfbereit und wachsam.«, versuchte er ihn zu ermahnen, gleichzeitig aber zu beruhigen.
      Der Bodennebel wurde dichter und Fenrir sah die Gestalt wieder in seinen Augenwinkeln. Plötzlich schoss etwas aus einem Gebüsch links von ihnen und Fenrir warf ruckartig sein Messer in die Richtung. Tatsächlich traf Fenrir das Objekt und verhinderte, dass dieser Led durchbohrte.
      »Nicht schlecht Grünschnabel!«, grinste Led, während Fenrir sich noch nicht vom Schock erholen konnte.
      »Nicht schlecht?! Ich habe dir gerade das Leben gerettet!«, fauchte ihn Fenrir an und wieder sah die Gestalt in den Augenwinkeln.
      »Jetzt ist nicht richtige Zeit für Danksagungen, wir müssen hier raus!«
      Er starrte kurz in die Dunkelheit des Waldes. »Zeig dich!«, rief er voller Zorn in die Leere.
      Fenrir begutachtete das abgeblockte Geschoss. Es war ein tiefweißer Pfeil, der an der Spitze in einer komisch lilafarbenen Flüssigkeit eingetunkt wurde.
      »Vorsicht Led, ich glaube die Geschosse sind vergiftet!«, rief Fenrir zu ihm herüber.
      Auch jetzt weiteten sich Leds Augen, sodass aus den Schlitzen riesige schwarze Kreise wurden.
      »Was!? Grrr, verdammt!«, brummte er wütend, »Wir sind aufgeschmissen. Fenrir lass uns um unser Leben laufen, ich glaube wir sind im Phantomwald!«
      Fenrir ließ es sich nicht zweimal sagen, umklammerte weiterhin sein Messer und spurtete den Weg entlang. Auch Led tat ihm es nach und spurtete hinterher. Weitere Pfeile schossen durch die Gebüsche und trafen Led um ein Haar. Auch Fenrir tat sich schwer diesen auszuweichen.
      »Falls wir lebend hier herauskommen, fordere ich eine Gehalterhöhung!«, brüllte Fenrir.
      »Nicht zu verdenken...«, antwortete ihm Led ebenfalls in sehr lautem Ton.
      Vor ihnen mündete der Wald in eine große baumlose Feldergegend. Fenrir konnte sein Glück nicht fassen, doch plötzlich versperrten zwei Wesen den Waldweg zu den Feldern. Led sah Fenrir noch nie so entschlossen, denn dieser packte sein Messer, beschleunigte seinen Spurt und...und er sprang durch diese Wesen, als er versuchte diese anzugreifen. Fenrir bekam einen extrem kalten Schauer, stolperte beim Landen und krümmte sich schreiend am Boden. Led konnte seinen Augen nicht trauen, immerhin war die Legende war, dass hier die ruhelosen Geister ihr Unwesen trieben. Es gab keine andere Möglichkeit; Led musste es Fenrir gleichtun, sonst würde er den Wald nicht lebend verlassen können. Auch er spurtete schneller und sprang durch die Wesen. Er spürte noch nie zuvor solche seelische Kälte, brach ebenfalls schreiend zusammen. Anders als Fenrir versucht er aber alles um sein Bewusstsein nicht zu verlieren, griff Fenrir am Arm und zog sich und ihn Stück für Stück hinter den nächstgelegenen Hügel. Ein Pfeil schoss aus dem Wald in Richtung der beiden Lykraner, doch Led konnte es noch unter großen Mühen mit seinem Messer blocken, wurde aber beim Block leicht linken Arm gestriffen. Nachdem die beiden hinter dem größeren Hügel Schutz fanden, verlor auch Led sein Bewusstsein.

      Ein warmer Lichtstrahl überzog Leds Gesicht und er konnte nur unter Mühen seine Augen geschlossen halten, da ihn das Licht, trotz zugepresster Augenlidern, blendete. Led ließ die Ereignisse Revue passieren und erinnerte sich an den Angriff im Wald. Schlagartig schlug er die Augen auf, schweißgebadet sitzend in einem fremden Bett. Sein linker Arm war mit einem Leinenverband verarztet worden und bis auf seine Unterwäsche war seine gesamte Kleidung verschwunden. Die verschiedensten Gerüchte schossen ihm zeitgleich in die Nase und er hätte sich schwören können, dass all seine Taten für den Orden nur ein Traum gewesen waren. Ein Leben in der er noch Soldat war und Freya noch seine Partnerin war. Er senkte noch kurz benommen seinen Kopf und realisierte erst im Anschluss, dass das Zimmer nach lykranischem Stil eingerichtet war.
      In der Ecke stand ein niedrig gelegener Schreibtisch auf der eine Lampe stand, die mit Runenmagie angetrieben wurde. Es war schön endlich mal wieder aus den primitiven Regionen der Welt zu seiner Zivilisation zurückzukehren. Led versuchte aufzustehen, doch ein stechender Schmerz schoss ihm erst durch den linken Arm und dann durch seine Brust.
      »Du wurdest von einem Seelenjäger getroffen. Ein frontaler Treffer bedeutet den Tod, sowohl in der physischen als auch in der spirituellen Form.«, hörte Led eine Stimme sagen.
      Ein Lykra betrat das Zimmer. Er hatte ein tiefbraunes Fell und gelbe herausstechende Augen.
      Besonders auffallend war sein starker Geruch nach Sterilität, ähnlich wie in einem Lazarett in Runa, der Stadt der Lykraner. Er trug eine Art Robe mit verlängerten Schulterplatten aus Leder, die ebenfalls braun gefärbt waren.
      »Ihr hattet großes Glück diesen Wesen zu entkommen. Hätte ich euch nicht rechtzeitig gefunden, so wärst du elendlich krepiert.«
      Seine Ausdrucksweise ließ stark zu wünschen übrig, aber er war immerhin der Retter der beiden Lykraner. Auch Fenrir schneite in das Zimmer herein und begrüßte Led mit einem freudigen Winken.
      »Mein Name ist Groth Solar, ich bin ein runasischer Soldat, Kompanie...«, doch Led fiel ihm schlagartig ins Wort,»...12! Die Kompanie der Magie.«
      Groth schaute Led verwundert an.
      »Huch? Woher weißt du das?«
      Led erklärte ihm, dass er ebenfalls Soldat war. Kurz vor seinem Rücktritt war er sogar Offizier.
      »Soso, der Deserteur und dadurch meistgesuchter Lykraner in Runa.«
      Er kramte dabei ein Pergamentpapier aus seiner Umhangstasche und rollte es aus. Er fixierte für eine kleine Weile seinen Blick aufs Papier, anschließend wanderten seine schlitzartigen Augen zu Led, der immernoch im Bett saß.
      »Naja, die Ähnlichkeit ist nur bruchhaft vorhanden.«, bemängelte Groth das Stück Papier.
      Es handelte sich dabei um einen Steckbrief und Fenrir erkannte den Ernst der Lage. Eine Auslieferung wäre wohl das Letzte, was ihnen widerfahren sollte und Fenrir wollte auf keinen Fall im Kerker von Runa enden, einem Ort voller Schmerz und Pein, in denen selbst die verruchtesten Mörder zu kleinen jammernden Kindern werden. Er griff instinktiv nach dem Messer, doch Groth schien es nicht zu stören.
      »Keine Sorge, ich werde euch schon nicht ausliefern. Hätte ich es gewollt, hätte ich es schon längste getan.« Dabei erklang eine ziemlich markante Lache, die wie das typische Bösewicht Lachen einer schlechten Geschichte klang.
      Fenrir steckte sein Messer wieder weg. »Na dann ist ja gut.«
      »...da fällt mir ein, auf dem Fahndungsplakat steht ein anderer Name, als Fenrir ihn mir genannt hat. Towa Flinkfuß.«, erwähnte Groth misstrauisch im Glauben, Fenrir hätte ihn angelogen.
      »Dieser Name ist bedeutungslos...es war mal mein Name, doch jetzt heiße ich Led. «
      »Jeder, der dem Orden des Himmels beitritt, bekommt einen Codenamen.«, murmelte Fenrir mit einer noch hörbaren Stimme.
      Plötzlich verfinsterte sich Leds Blick und wanderte schnurstracks von Groth zu Fenrir.
      »Fenrir, das sind streng vertrauliche Informationen!«, keifte er ihn an und Fenrir fühlte wie Leds Blick ihn regelrecht durchbohrte.
      Groth schien sich aufgrund des Konfliktes beider zu amüsieren.
      »Wie Pech und Schwefel...Ich muss euch ein Geständnis machen. Auch ich war mal in eurem Orden.«
      Beide Lykraner beendeten ihren Krieg, den sie mit ihren Blicken ausfechten und drehten ihre Köpfe zeitgleich zu Groth, wobei wie aus einem Chor ein »Was?« ertönte.
      »Gestatten, ehemaliges Mitglieder des Ordens des Himmels. Mein Codename war Loki. Ich zweifelte erst daran, dass ihr dem Orden angehören würdet, verzeiht also bitte meine Skepsis, als ich las, dass sein wahrer Name nicht Led war.«
      »Wieso bist du ausgetreten?«, fragte Fenrir ziemlich neugierig und schien dabei nach etwas in seiner Tracht zu suchen.
      »Ungehorsamkeit und nicht nachvollziehbare Befehle. Der Orden predigte ständig von der Rettung der Welt, doch letztendlich bekam ich meine Zweifel. Ich vertraue euch jetzt ein kleines Geheimnis an. Der Orden scheint in dunklere Geschäfte aktiv zu sein, als gedacht. Wir befinden uns hier an den Außenbezirken von Runa und das nicht ohne Grund. Seit Tagen meide ich die Innenbezirke, da irgendwer mich verfolgt und umbringen möchte, doch blöderweise weiß ich nicht wer es ist und vorallem warum. Seit kurzer Zeit treibt sich auch «
      Groth kratzte sich am Kopf und schien sich beim Aussprechen dieser Sätze ziemlich unbehaglich zu fühlen. Es herrschte eine kurze Zeit lang eine unangenehme Stille, bis Fenrir sich zu Wort meldet und ungläubig seinen Arm ausstreckt und zur Faust ballte.
      »Ich...glaube dir nicht. Der Orden steht für das Gute und sie werden niemanden in Gefahr bringen, ich...«, Fenrir konnte seine aufsteigene Wut nicht im Zaum halten und begann zu stottern, »...lasse nicht zu, dass du den Namen des Ordens durch solch eine Unterstellung in den Schmutz ziehst!«
      Fenrir bleckte seine Zähne und bekam erneut diesen einen Gesichtsausdruck den Led nur allzu selten bei ihm sah.
      »Haha, es ist ironisch, dass das aus meinem Mund kommt. Damals war ich ein hochangesehenes Mitglied des Ordens und habe die Organisation stets verteidigt und nun? Nun traue ich ihnen den Weltuntergang zu. Grünschnabel, du solltest dich fragen, warum die Organisation euer Artefakt möchte.«
      Groth lächelte Fenrir freundlich an. Fenrir hingegen schien vor Wut zu explodieren.
      »Ich kann dir genau sagen, warum du aus der Organisation ausgeschlossen wurdest! Du warst nicht loyal genug und...«
      »Falsch!«, fiel ihm Groth ins Wort.
      »Ich trat aus, weil sie mich vor die Wahl stellten. Lebewesen retten oder meine Mission ausführen? Ich entschied mich für das Lebenretten.«
      Nun fiel Led den beiden ins Wort. Mit lauter durchdringender Stimme brachte er beide zum Schweigen.
      »Ich glaube dir, doch lass mir dir eine Frage stellen. Woher weißt du von dem Artefakt?«
      Schlagartig wurde Fenrir bewusst, dass Groth gar nichts davon wissen konnte, da das Artefakt sich bei Fenrir verstaut war. Er schien aber dennoch über Leds Aussage geschockt zu sein.
      »Led, wieso glaubst du ihm? Das ist entgegen unserer Mission und unserer Loyalität die Ziele des Ordens in Frage zu stellen!«
      Einen Moment lang starrte Led in die hölzerne Decke, die scheinbar aus Eichenholz gefertigt war, während die beiden Lykraner ihn anstarrten, in der Hoffnung eine Antwort zu erhalten.
      »Auch ich zweifle an der Gesinnung der Höheren. Erinnerst du dich an Orkus Worte? Findet und stellt das Drachenartefakt sicher, damit wir es versiegeln können. Nenn mich einen Narr, aber mein Gefühl ahnt Böses.«, sagte Led mit ruhiger Stimme, weiterhin die Decke anschauend.
      Fenrir wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte. Sein eigener Mentor, sprach die Worte aus, die er nie von ihm erwartet hätte. Er konnte es nicht ertragen ihm ins Gesicht zu schauen, als dieser ihn anblickte, wandte sich mit einer schnellen Bewegung in Richtung Tür, sodass Led und Groth nur noch das Flattern seiner Tracht sahen, die hinter der nächsten Ecke verschwand.
      »Ich bewundere seinen starken Glauben.«
      »Glaub ja nicht, dass ich ebenfalls der Meinung bin, dass die Organisation Böses im Schilde führt. Es ist ein Bauchgefühl, doch auch der kann sich täuschen!«, fauchte Led Groth an, der zurückschrack, weil er nicht mit dieser Antwort rechnete.
      »Ich erzähle euch was mir wiederfuhr und was ich glaube. Ich war im Rang der Älteren und habe jahrelang dem Orden gedient. Als Magier liegt es in meiner Natur die Dinge aus einem Blickwinkel zu betrachten, die für andere verborgen bleiben. Sieh es nicht als einen Akt der Überzeugung an, sondern als eine Art Warnung. Etwas Bedeutsames wird dieser Welt wiederfahren!«
      Die Worte aussprechend, wandte auch Groth sich zur Tür und schritt gemächlich hinaus. Zurück blieb ein nachdenklicher Led, der immernoch die Schmerzen in seinem linken Arm spürte. Er runzelte sich vorwurfsvoll die Stirn und wusste nicht, was oder wem er nun glauben sollte.
      Er versuchte erneut aufzustehen, musste sich aber notgedrungen abstützen, da die stechenden Schmerzen ihn stark behinderten. Er hob mühevoll Bein für Bein vor sich, um so zu seiner Tracht zu gelangen, die feinsäuberlich auf dem Stuhl lag. Er nahm sie und zog sie sich über.

      Plötzlich stürmte Fenrir völlig außer Atem erneut das Zimmer. »Led, Freya und ihre Truppen stehen vor dem Gebäude.«
      Sich am Stuhl abstützend, runzelte Led sich erneut die Stirn.
      »Diese Frau hat echt ein gutes Gespür zur falschen Zeit aufzukreuzen.«
      »Groth versucht mit ihr zu sprechen, wir sollten aber dennoch flüchten, bevor sie entdeckt, dass wir hier sind.«, warnte ihn Fenrir. Led entdeckte in der Ecke des Raumes einen langen Speer, schritt kraftlos langsam auf diesen zu und nahm ihn in die Hand.
      Sich daran abstützend, gelang es Led langsam die Treppen hinunterzusteigen. Die Wunde zerrte sichtlich an seinen Kräften. Beim Hinabsteigen der Treppen ertönte plötzlich von draußen ein Schrei. Fenrir flitzte sofort geschwind zu einem der Vorderfenster und blickte vorsichtig hinaus.
      »Verdammt! Sie haben Groth erstochen!«
      Led erkannte den Ernst der Lage und riskierte ebenfalls einen Blick hinaus. »Dann hat er also nicht gelogen, als er sagte jemand würde ihn verfolgen. Anscheinend war es Freya. Bei Hyera, diese Frau gibt einfach keine Ruhe! Schnell! Zum Hinterausgang!«, wies er Fenrir an.
      »Led oder sollte ich sagen; Towa Flinkfuß! Hiermit bist du arrestiert und wirst dem König von Altravessa ausgeliefert. Ich habe mich umgehört und man sagte mir, du wärest im Besitz des Artefakts, dass das Ende bedeutet. Zwing uns nicht Gewalt anzuwenden.«, brüllte Freya in Richtung der Hütte.
      Fenrir und Led ignorierten ihre Ansage gekonnt, doch plötzlich schoss ein Feuerpfeil durchs Fenster und die Fensterscheibe fiel klirrend zu Boden. Rauch stieg auf und in Windeseile begann das hölzerne Gerüst der Treppe zu brennen. »Ich wiederhole es nicht nochmal, kommt heraus oder wir sind gezwungen euch umzubringen«, drohte Freya.
      Fenrir sah wie die Bogenschützen ihrer Truppe allesamt in Kampfbereitschaft gingen und die Pfeile an die zurückgezogenen Bogensehnen hielten.
      Led brach zusammen, da ihn die Wunde schwer zu schaffen machte. Als er hinauf sah, sah er wie die Panik regelrecht in Fenrirs Gesicht geschrieben war. »...Es gibt keinen Hinterausgang...Led wir müssen uns ergeben, wenn wir nicht sterben wollen!« rief Fenrir entsetzt.
      »Sei kein Narr, wir sterben so oder so, daher werden wir bis zum bitteren Ende Widerstand leisten.«, fauchte Led, sich am Treppengeländer hochziehend.
      »Wenn das so ist, werde ich dir folgen. Ich habe zwar Angst vor dem Tod, aber noch mehr Angst habe ich davor, meinen Mentor zu enttäuschen. Ich bin zwar kein Krieger, aber ich bin auch kein Feigling!«, gab Fenrir entschlossen zurück.
      Ein Grinsen zierte das Gesicht von Led und beide zogen ihre Messer.
      Freyas Geduld ging zuende und schrie lauthals zum Angriff aus. Led und Fenrir schienen sich bereits mit dem Gedanken angefreundet zu haben, zu sterben, als etwas Unvorhergesehenes geschah.
      Eine Person in schwarzer Kutter und verhülltem Gesicht sprang augenscheinlich vom Dach der Hütte, die mittlerweile vollständig brennte, und richtete seine Hand auf die Bogenschützen. Er murmelte etwas und ein helles Licht umhüllte sie allesamt und alle brachen zusammen und krümmten sich voller Schmerzen am Boden, nur Freya blieb wie versteinert stehen. Sie schien nicht zu begreifen, was da eigentlich geschah und wollte es auch gar nicht wissen.
      »Fürs Erste bist du in Sicherheit Towa, doch ich finde euch und das nächste Mal werde ich euch eigenhändig das Herz aus der Brust reißen. Und du...ich hätte wissen müssen, dass du aufkreuzen würdest!«, brummte Freya und floh anschließend. Die Soldaten ihrer Truppe gaben keine Geräusche von sich und lagen wie tot am Boden.
      Geschockt blickten die beiden Lykraner durch die Flammen auf die Soldaten.
      »Er...Er hat gerade...Led, hat er gerade alle Soldaten mit seinem Blick sterben lassen?«, stotterte Fenrir ungläubig. Auch Led schien bis aufs Mark entsetzt zu sein.
      »Magie...und nicht irgendwelche...Fenrir, das war ein Großmeister der Magie«
      Die Hütte fing an wegen den Flammen einzustürzen und den beiden Lykranern wurde es immer schwieriger aufgrund der Rauchbildung zu atmen. Ihre Sicht verschwamm allmählich – ihr Blick war aber weiterhin auf die unbekannte Person gerichtet. Diese drehte sich um und aus dem verhüllten Gesicht strahlten ein Paar strahlend blauer Augen. Seine Kutte wehte im Wind der plötzlich aufkam und durch die herabstürzenden Balken sahen die beiden, wie die Person sich wieder wegdrehte und wegging. Als ein Dachstützbalken vor den beiden Lykraner einstürzte, verschwand die Sicht auf die geheimnisumwobende Person.
      Led konnte nicht mehr richtig sehen...und auch fing er an wie wild zu husten. »Wir...müssen...hier raus!«, brachte Led unter aller Anstrengung aus sich heraus, bekam aber danach nur noch ein Röcheln heraus. Fenrir schien ebenfalls vom Rauch angeschlagen zu sein, packte Led an der Schulter und humpelte mit ihm in Richtung des Hütteneingangs. Kurz darauf brach die Hütte völlig ein und hinterließ nur eine Ruine einer schönen Lykrabehausung.
      Eine Frage beschäftigte die beiden...Wer oder was war diese Erscheinung?
      Oh je...
      So, ich hab mich jetzt mal endlich daran gemacht und alles gelesen. Naja, nicht alles, bin gerade im 7. Kapitel aber habe keine Konzentration mehr *gäähn*
      Weiterhin auf alle Fälle spannend. Teilweise jedoch etwas zu schnell, wenn du mich fragst. Nicht in dem Sinne, dass man vom Verstand her nicht hinterher kommt, sondern dass die Handlung, die Entscheidungen zu schnell verlaufen; als Beispiel die Tatsache, dass Trace Fjörd so schnell Glauben schenkte. Aber egal. Dann hab ich noch Grammatik zu bemängeln (Sowas tue ich gerne *hehe*): Du springst öfters mal zwischen Perfekt und Präsens hin und her. Das ist jetzt nicht direkt verwirrend, man weiß eigtl. schon, was jetzt gerade passiert und was einfach eine Feststellung aus der Vergangenheit passiert, aber es fällt eben auf. Irgendwo hatte ich auch einen Satz, der etwas unvollständig schien, auf alle Fälle habe ich dort nicht ganz verstanden, was du ausdrücken wolltest, der muss in Kapitel 5, 6 oder 7 gewesen sein - Vielleicht finde ich den ja nochmal.Hin und wieder schleichen sich auch ein paar Rechtschreibfehler ein, aber das ist ja normal und da will ich auch gar nicht genauer drauf eingehen. Ich will nur mal ein bisschen nerven *hehe*.
      Aber vom Inhalt her gefällt es mir auf alle Fälle immer noch.
      sincerely your roman soldier

      JUS DREIN JUS DAUN
      Notiert und beherzigt. Danke! :P
      Sobald die Geschichte komplett ist, werde ich eh nochmal alles überarbeiten. :D

      Hier nun Kapitel 8:

      Der leblose Körper von Groth lag auf dem Boden, umgeben von weiteren Leichen, die eines ziemlich grausamen Todes gestorben sind. Das blutverschmierte Fell von Groth wirkte nicht mehr so braun, wie bei der ersten Begegnung. Es war wegen dem geronnenen Blut stark verklebt und seine weit aufgerissenen Augen starrten in den Himmel. Eine große Blutlache umgab seinen Leichnam. »Er starb unseretwegen...«, murmelte Fenrir. Led bückte sich, und schloss ihm die Augen. Der bedrückte Blick und das Herabsenken seines in Ruß eingehüllten Kopfes bestätigten die Annahme von Fenrir. »Ich möchte mich für vorhin entschuldigen...Dafür, dass ich so in Rage war. Anscheinend könnte aber Groth vielleicht mit seiner Theorie Recht haben.«, rechtfertigte sich Fenrir vorwurfsvoll.
      »Mach dir keinen Kopf drum. Wir sollten in die Stadt und uns erstmal neue Kleidung kaufen. Meinetwegen starben unschuldige Menschen. Ich trat dem Orden bei, um eben diese zu schützen, doch was passiert?«, Led ballte seine linke Hand zur Faust und ließ sich den dadurch entstehenden Schmerz im Arm nicht anmerken, »Stattdessen, sterben sie nur weiter! Ich bin es müde...Ich bin es müde mich den Parteien anzuschließen. Ich trete hiermit aus dem Orden aus und werde meinen eigenen Weg gehen!«
      Fenrir bewunderte schon immer Leds Denken. »Ich folge dir bis zum Ende, denn auch ich habe nun Partei gezogen. Und dieser lächerliche Deckname...Vergiss ihn und nenn mich fortan Lagosám!«
      Led humpelte, sich am Speer abstützend, mit Lagosám in Richtung Innenbezirk von Runa.
      Die Stadt wirkte komplett anders, als andere Städte, besonders zur anbrechenden Dämmerung. Die Straßenlaternen im Innenbezirk liefen über die lykranische Runenmagie und leuchtet im Abendsonnenlicht ziemlich matt. Die ersten Motten flogen um sie herum und allerlei Getier wie Echsen fleuchten hastig über den gepflasterten Boden der Straße. Es war das Armenviertel von Runa und der Anblick war alles andere als angenehm. Vereinzelt saßen in den Schatten der heruntergekommenen Hütten Bettler, die voller Sorge um ihre Existenz um Beistand und Almosen baten. Lagosám fühlte sich unwohl und würde am liebsten allen helfen, doch er wusste beim besten Willen nicht wie. Unter den Bettlern gab es vereinzelt auch Menschen, die in Runa Zuflucht suchten. Der Markt war nicht mehr weit und auch die Straße verbreiterte sich, um in eine mit Ziegelsteinen gepflasterten Platz überzugehen. Mittlerweile war es dunkel und die Laternen schenkten der Umgebung ihr gelbes, glühendes Licht. Obwohl die Stadt technologisch auf dem höchsten Stand war, wirkten die Häuser ziemlich verfallen. Verwunderlich fand Led, dass sich der Marktplatz mitten im Außenbezirk befand. Getrennt wurde der Platz durch eine breite steinerne Brücke, die über einen großen Fluss ragte, direkt auf die andere Seite auf der auch Schloss Runa stand.
      »Suchen wir uns eine Unterkunft, bevor wir schauen wie wir weiterverfahren! Solange wir in unseren Trachten verhüllt herumlaufen, merkt niemand wer wir sind.«, schlug Led vor und Lagosám nickte nur.
      Auf dem Marktplatz stand ein großes Gebäude mit der dicken Aufschrift »Zum Pferdetopf«, anscheinend ein Wirtshaus. Lagosám schaute Led kurz an.
      »Wie wäre es mit einem Bier? Ich brauche dringend eine Pause vom ganzen Tumult und wir könnten dort auch übernachten.«
      Led zögerte nicht lang und schritt wortlos, aber doch lächelnd in das Wirthaus. Bevor er jedoch die große sperrige Holztür öffnete, flüsterte Led ihm etwas zu.
      »Behalt deine Kapuze auf...«
      Sie betraten das Wirtshaus und achteten sofort auf die zwielichten Gestalten, die an den kleinen runden Holztischen saßen und unteranderem pokerten. Eine altertümlich Petroliumlampe beleuchtete den großen Saal und hauchte ihn in ein dunkles Orange ein.
      An einem freien Tisch angekommen, setzten sich die beiden erschöpft hin und es dauerte auch nicht allzu lange, bis eine schlanke Lykranerin kam, um ihre Bestellung aufzunehmen.
      »Einen runasischen Topf!«, befahl ihr Led.
      »Für mich bitte auch.«, willigte Lagosám ein.
      Die Lykranerin, Bettsy laut Namensschild, zückte ein Notizblock, kritzelte die Bestellung ziemlich unleserlich hinein und verschwand mit einer Bemerkung, das sich wie ein »Geht klar, Süßer« anhörte. Lagosám zog sich die Kapuze vom Kopf. »Ich nehme sie mal ab, immerhin hat bisher noch niemand der feindlichen Reihen mein Gesicht gesehen.«
      Led wollte ihm einreden sie doch aufzusetzen, kam aber nicht dazu weil Bettsy mit den Bierkrügen zum Tisch kam.
      »Zweimal runasischer Topf«
      Sie bückte sich zu Lagosámherunter, roch kurz an ihm und wisperte ihm etwas ins Ohr, was ihn erröten ließ. Der Ausschnitt der vollbusigen Kellnerin lag direkt in seinem Blickfeld und er konnte sich nicht verkneifen, dorthin zu blicken.
      Bettsy kicherte und kehrte zur Theke zurück. »Soso, die Kellnerin scheint auf dich zu stehen«. Dabei stieß er Lagosám mit dem Ellbogen an die Seite. Dieser schaute nur peinlich auf seinen Krug, auf dem sein erröteter Kopf gespiegelt wurde und trank anschließend einen großen Schluck davon, nur um ihn laut jauchzend wieder auf den Tisch zu knallen.
      Auch Led gönnte sich kräftige Schlücke und es dauerte nicht lange bis beide Krüge leer waren. Sie ruften Bettsy und bestellten immer mehr und es dauerte nicht lange bis die ersten Rauschsymptome auftraten.
      »Hör mir jut zu. Ick werde sie fragen, du wirst schon sehen!«, gröhlte Lagosám zu Led, dessen Blick sich an ein paar junge Lykranerinnen im Saal heftete.
      »Na dann viel Glück mein Freund. Wir sollten diese Nacht genießen...«, gröhlte er unkonzetriert zurück.
      Lagosám rief Bettsy und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Sie kicherte nur laut auf und nickte grinsend. Anschließend packte sie ihn bei der Hand und zerrte ihn das Obergeschoss, wo sich die Gästezimmer befanden.
      »Guter Junge!«, sagte Led zufrieden, als plötzlich eine weitere Lykranerin an dem Tisch vorbeilief und Led bemerkte. Er saß mittlerweile ohne Kopfbedeckung und merkte es im Rausch nichteinmal und es dauerte nicht lange bis auch er in eines der Gästezimmer gezerrt wurde.
      Für beide war es auf jeden Fall eine ereignisvolle und höchst amüsante Nacht, die in höchster Leidenschaft der Liebe resultierte.

      Lagosám wachte auf und sah nur eine fremde Decke über sich, in der eine gelöschte Petroliumlampe an einer Stahlkette herunterhing. Bettsy musste wohl nach der wilden Vereinigung die Lichter ausgeschaltet haben und zurück zur Arbeit gegangen sein. »Whoa, was für eine tolle Frau«, dachte sich Lagosám, der scheinbar seinen Rausch noch nicht ausgeschlafen hatte. Es war noch mitten in der Nacht, doch Lagosám merkte, dass der Tumult im überfüllten Untergeschoss sich langsam aber sicher reduzierte. Er machte sich keine großen Gedanken und verfiel wieder sofort in einen tiefen festen Schlaf.
      Es dauerte nicht lange bis Lagosám erneut aus dem Schlaf gerissen wurde. Ein lautes Poltern an der Holztür, welches wie Schläge mit einem Hammer klangen, durchdrangen sein Gästezimmer. Lagosám lernte stets angriffsbereit zu sein, stand vorsichtig vom Bett auf und schnappte sich sein Messer, welches auf der kleinen Nachtkommode in seiner Tracht lag.
      Langsam schleichend und zugleich in Angriffstellung, bewegte sich Lagosám in Unterwäsche zur Tür, öffnete sie und wollte mit ihm ausholen.
      »Whoa, halt mal die Luft an!«, brüllte Led, der scheinbar zu Tode erschreckt wurde.
      Lagosám erkannte noch rechtzeitig, dass es sich um Led handelte.
      »Verzeih, ich dachte du wärest einer von Freyas Truppen. Sie ist ja ebenfalls in der Stadt.«, rechtfertigte sich Lagosám.
      »Deswegen bin ich hier, draußen dämmert es langsam und wir sollten uns dringend umziehen. Die haben Fahndungsplakete von uns beiden angefertigt, scheinbar war also Freya im Schloss und setzte eine Belohnung auch auf dich aus. Ghyord sei dank ist sie nicht die begnadetste Zeichnerin, daher sind die Gesichter auf den Plakaten nicht sehr zutreffend. Nur die Kleidung hat sie gut getroffen, wobei es nicht allzu schwierig ist diese Lumpen zu zeichnen.«
      Lagosám ging erneut zur Nachtkommode und zog sich seine Tracht an, die völlig verrußt und mit Blutflecken beschmiert war.
      »In dem jetzigen Zustand sehen wir darin auch ohne Fahndungsplakate wie Mörder aus.«
      Plötzlich hörten die beiden das Holzknarren, wenn man Treppen hochsteigt. Es war Bettsy, die in ihren Händen sorgfältig zusammengelegte Kleidung trug.
      »Entschuldigt, aber ich habe das Gespräch mitgehört. Zieht bitte diese hier an, dann fallt ihr nicht so sehr auf.«, murmelte sie ziemlich schüchtern.
      Lagosám wirkte überrascht und auch Led schien dieses Geschenk der Götter zu erfreuen.
      »Du ersparst uns damit sehr viele Probleme, Bettsy. Wieso hilfst du uns?«
      Sie senkte kurz den Kopf. »Weißt du, es erschrak mich als ich gestern dein Messer in der Tracht fand und sie auf die Kommode lag. Diese war ja blutverschmiert und auch dein Messer hatte Blutspuren und ich wollte nach unseren Spielchen dich bei den Wachen melden. Ich war am Ringen, ob ich es tun sollte, aber ich glaube nicht, dass ihr der bösen Seite angehört, auch wenn vieles darauf hinweist. Seht es als meine Entschuldigung an, aber bevor ich se euch gebe, möchte ich die Wahrheit hören. Was ist euch widerfahren, dass man euch jagt?«
      Led nickte kurz einwilligend und erzählte ihr von den vergangenen Ereignissen, wie sie durch die Katakomben von Altravessa gehetzt wurden, wie sie von Freyas Truppen gefangen genommen wurden, wie sie lebendig durch den Phantomwald kamen und wie letztlich jemand wegen ihnen verstarb.
      »Es tut mir Leid um euren Freund, wie hieß er denn?«, fragte sie neugierig.
      Lagosám antwortete ziemlich tonlos darauf, doch Bettsy schien es trotzdem verstanden zu haben.
      »Groth Solar...«
      Bettsy, ließ die Kleidung geschockt fallen. »N...Nein! Das kann nicht sein!«
      Die beiden Lykraner bemerkten, dass eine Verbindung zwischen Bettsy und Groth existierte.
      »Er darf nicht tot sein, er ist mein älterer Bruder...«
      Die Trauer innerhalb der Beteiligten war bemerkbar. »Das...tut uns Leid...«
      Bettsys Tränen kullerten ihr schmales Gesicht herunter und ihre Ohren winkelten sich an. »Wenn Groth euch schützen wollte, dann hatte er seine Gründe dafür. Ich bin mir also sicher, dass ihr die Guten seid, nehmt bitte die Kleidung und geht, solange es draußen noch dunkel ist.«
      »Du hast unser Beileid...«, erwiderte Lagosám vorwurfsvoll.
      Er hatte den Eindruck kurzzeitig ein Lächeln auf Bettsys Gesicht zu sehen, doch ihre Tränen ließen diesen Anblick keineswegs angenehm erscheinen lassen. Sie sah Led und Lagosám noch an.
      »Ich wünsche euch viel Glück bei eurem Vorhaben«
      Kurz darauf lief sie wortkarg wieder die Holztreppen hinunter.
      »Sie tut mir Leid. Freya ist zu weit gegangen und es wird Zeit, dass sie dafür büßen wird.«, knurrte Led ziemlich grimmig.
      »Beruhige dich. Wir müssen erst schauen, wohin wir gehen sollen. Orkus hat sicher bemerkt, dass wir uns entgegen des Ordens entschieden haben und er wird nicht darüber erfreut sein Verräter in seinen Reihen zu haben.«
      »Du hast Recht. Wir werden es aber schwieriger haben. Um es zusammenzufassen: Wir sind derzeit die wohl meistgesuchtesten Person im ganzen Land. Altravessa will uns tot sehen, Runa will uns tot sehen und unser Orden wird sich an uns rächen wollen. Ideen?«, fragte Led in einem ziemlich sarkastischen Ton.
      »Ich weiß nicht. Wir sollten uns erstmal umziehen. Dank Bettsy vermeiden wir unnötige Blicke.«, erwiderte Lagosám.
      Lagosám schnappte sich ruckartig die oben draufliegende Kleidung, es raschelte kurz und es dauerte nicht lang bis sich Lagosám Led präsentierte. »Na, wie sehe ich aus? Ich sehe aus wie einer der königlichen Steuerberater.«
      Seine Hose war dunkelrot gefärbt und anscheinend aus Leinenstoff gefertigt. Für seinen Oberkörper hatte er sich ein weißes Räuberhemd mit langen Ärmel ausgesucht, welches an seiner linken Brustseite eine Tasche beinhaltete. Als Lykra brauchte man keine Schuhe, immerhin gab es keinen Sinn welche zu tragen, geschweige denn Modelle, die die Pfoten eines Lykras in sich aufnehmen konnten, ohne beim Gehen zu reißen.
      Led grinste kurz und zog sich ebenfalls um. Plötzlich stand ein merkwürdiges Bild vor Lagosám. Led, der sonst immer so aggressiv und mysteriös wirkte, trug nun eine beigefarbene Leinenstoffhose, ein weißes zugeknöpftes Hemd und darüber eine braune Leinenstoff Jacke. Von seiner rechten Schulter zu seiner linken Hüfte, zog sich ein großer breiter Gürtel, der dafür sorgte, dass die Jacke im Wind nicht wehte und er konnte bei Bedarf eine Schwertscheide an den Rücken anbringen.
      »Ungewohnt dich so zu sehen. Du siehst wie ein klassischer Abenteuerer aus Desertia aus.«, sagte Lagosám, schwer gegen ein Lachen ankämpfend.
      »Klappe! Mir gefällt die Kleidung nicht, aber so erkennt uns niemand. Wir sollten uns zum Fluss begeben und uns waschen, um den Ruß und das Blut vom Fell zu bekommen. Die schöne Kleidung soll ja sauber bleiben.«, schlug er in einem etwas harrschem Tonfall vor, weil er sich anscheinend nicht in der Kleidung wohl fühlte.
      »Oh, schau mal! Sie hat uns auch Gürteltaschen hinterlassen.«
      Sie banden sich diese um und das Artefakt verschwand innerhalb der Tasche. Sie stiegen vorsichtig die Holztreppen hinab um keinen Radau zu machen. Led legte sorgfältig das Geld für das Bier und die Zimmer auf den Thresen. »Und hiermit sind nun pleite!«, grinste Led leicht herabschauend.
      Sie schlossen vorsichtig die große Holztür und bemerkten an der Steinbrücke einen schmalen Abschnitt in der eine rostige Eisenleiter nach unten ragte. Widerwillig kletterten sie diese ab wodurch es zu starken Quietschgeräuschen kam. »Sie wird noch einstürzen!«, grummelte Lagosám, doch Led, der voraus herunterkletterte, drehte seinen Kopf nach oben und packte seinen Zeigefinger vor seine Schnauze. Unten angekommen befand sich eine Art kleine Kaje und mehrere Boote, die eher wie Nusschalen aussahen. Lagosám und Led legten ihre Kleidung ab und versuchten den Dreck des Fells im Wasser abzuwaschen. Die Sonne ging allmählich auf als beide fertig waren und sich zurück in ihre Kleidung begaben. Sie nutzten auch gleich die Möglichkeit um das getrockenete Blut von den Messern abzuwaschen, was ihnen jedoch ziemlich schwierig fiel, da das Blut hartnäckig am Eisen klebte.

      Trace lag in ihrem Schlafsack und dachte über die Geschehnisse nach. Der Wind heulte und das Zelt wackelte in dem starken Wind. Das Ghyordgebirge war für seine starken Schneestürme bekannt und auch in dieser Nacht verteidigte er seinen Ruf. Fjörd saß in der Ecke im Schneidersitz und schien ebenfalls über etwas nachzudenken. Eine starke Müdigkeit überkam dann Trace und ihre Augen wurden schwerer und fielen irgendwann zu. Nicht einmal das Geheule vom Sturm rüttelte sie vom Schlaf wach.
      Die ersten Lichtstrahlen durchstrahlten die ersten Winkel des Ghyordgebirges. Der Sturm war abgezogen und Fjörd weckte Trace.
      »Es wird Zeit weiterzureisen! Die Schneemobile müssten eigentlich mit genug runasischer Kraft aufgeladen sein.«
      Trace stand auf, betrat das Plateau und blieb erstaunt stehen. Nie zuvor sah sie solch ein wunderschönes Naturphänomen. Die Morgensonne durchstrahlte in einem flachen Winkel die Hänge und Klippen des Gebirges und tauchte das gesamte Weiß des Schnees in Orange und Rot ein.
      »Die Natur wie sie nicht jeder kennt. Die Leute reden von diesen Gebirgen immer nur negativ, doch über sowas verlieren sie kein Wort. Wo Schatten ist, da ist auch Licht.«, sagte er mit beruhigender Stimme. Es schien so als wäre Fjörd philosophisch veranlagt.
      Während Trace weiterhin das Farbspektakel beobachtete, strich Fjörd über ein Runenmuster an der Rückseite des Zeltes und es baute sich wie von selbst ab. Es blieb nur der Würfel zurück, der er zu Anfang gewesen war.
      »Wir sollten jetzt los.«, wies Fjörd sie an.
      Schweigend kletterten sie den Plateau hinab, hinunter zum Fuße des legendären Berges, wo die Schneemobile bereits auf sie warteten. Sie schwangen sich auf und düsten mit den schweren Gerätschaften durch die schneebedeckten Talgebiete, die zum Teil Gletscher beinhaltete.
      »Es ist faszinierend, dass diese Welt tief im Schnee begraben liegt. Nur Runa und seine Umgebung sind vom Schnee befreit, wahrscheinlich die hohe Manakonzentration, die für die Technologie Runas genutzt wird.«, lehrte Fjörd sie leicht grinsend. Es schien ihn zu amüsieren jemanden getroffen zu haben, die so wenig über die Welt wusste.
      »Ich hätte da noch eine Frage. Die Tatsache, dass die Welt unter Schnee und Eis bedeckt liegt und dass diese Artefakte tatsächlich das Ende herbeirufen können...Sind diese Legenden über die Götter wirklich die Wahrheit?«, fragte Trace, immernoch skeptisch gegenüber dieser Thematik.
      Fjörd hielt sein Schneemobil an, stieg ab und lehnte sich dagegen.
      »Ich werde dir die Geschichte erzählen...die wahre Geschichte...«
      Auch Trace hielt inne.

      »Vor langer Zeit, lange vor den Menschen und den Lykra, herrschten die zwei Götterherren über diese Welt - Ghyord und Led. Sie erschufen das Leben auf der Welt, Ghyord erschuf unteranderem die Menschen, Led die Lykraner. Es stellte sich die Frage, welche dieser Wesen die Rolle der Intelligenz vertreten sollte und es kam zum Krieg zwischen den Beiden. Bisher solltest du diese Version kennen, doch es gibt Dinge, die in den Zeiten der Erzählungen verloren gingen.
      Während des Krieges dieser beider Götter, kam es zu Naturkatastrophen, die die Schluchten erschufen. Aus dem göttlichen Blut, dass auf die Erde fiel, entstanden die Dunklen – Wesen, die nur Furcht einflößen können und alles und jeden der Seite des Lichts vernichten. Sie existieren noch, jedoch sind nicht alle Stämme ihrer Art aktiv, sondern schlummern tief unter der Erde. Deine Expedition wurde von eben diesen Wesen vereitelt.
      Auf jeden Fall, die beiden Götter bekämpften sich, doch es gab auch untergeordnete Götter, die nicht mit diesem Kampf einverstanden waren. Loki, Fjörd, Hyera, Eva, Fenrir, Odin, Orkus und Balthasar.
      Sie mischten sich im Kampf ein, wurden aber von den beiden Obergöttern des Spielplatzes verwiesen, wenn ich es mal so sagen darf. Alle Untergötter sind die Kinder von Ghyord und Led und Hyera z.B. Schloss Partei und begab sich auf die Seite ihres Vaters. Ghyord erkannte, dass die Kraft ihrer Gegner zu groß war und die ein Weltuntergang drohen würde, würde der Kampf weitergehen, also ergab sie sich. Die Untergötter seitens Ghyord nutzten die Gelegenheit und sprachen einen verbotenen Fluch aus, um Led und Hyera zu bannen.
      Leds Geist befindet sich innerhalb von Hyera und sie wurde in ein Artefakt verbannt, welches in vier Artefakte gesplittet wurde. Der blaue Drache, der grüne Bär, der rote Rabe und der gelbe Wolf.
      Wenn die Artefakte zusammenkommen und der Befreiungsspruch ausgesprochen wird, so wird Hyera ihre Füße wieder auf diese Welt setzen und die Welt gefährden, indem sie Led freilässt.
      Einen Nachteil mussten die Götter aber in Kauf nehmen, als sie die beiden wegsperrten. Die Welt verwandelte sich in das was sein Wesen war und weil er eiskalt und gefühlslos war, versank die Welt in Schnee und Eis. Das ist die wahre Version der Legende. Eine Sache ist aber falsch aufgenommen worden, denn nicht die Lykraner streben die Herrschaft an, wie von den Menschen angenommen, nein, es ist eine Organisation, die im Dunklen arbeitet und nur aus Lykranern besteht.
      Dunkle Magier und Verbrecher der Zeiten. Es heißt, dass einige ihrer Mitglieder ein Mittel für die Unsterblichkeit fanden und seit Jahrhunderten an den Fäden der Organisation ziehen.
      Anders als wir, die auf dunkle Trachten setzen, setzen sie auf schwarze Kutten und beobachten die Welt. Nur ganz selten mischen sie sich in die Politik der Welt ein.«

      Trace hörte gespannt zu und schien allmählich zu begreifen, wie diese Organisationen hinter ihrem Rücken am Schicksal der Welt herumpfuschten.
      Fjörd stieg wieder auf sein Schneemobil und startete es. Bevor er jedoch losfuhr bestätigte er, dass Trace nun das wüsste, was er darüber wusste. Mit einem großen Ruck setzte sich seine Gerätschaft in Bewegung und schleuderte unmengen an Schnee nach hinten. Trace fuhr ebenfalls los, Fjörd folgend und stets darüber nachdenkend, ob es nicht doch noch Dinge gibt, von denen keiner der Beiden etwas wusste.
      Es dauerte nicht lange, bis sie die Berge des Ghyordsgebirges hinter sich ließen und eine riesige Eisfläche sich vor ihnen auftat.
      »Wir sind bald da«, rief Fjörd angestrengend entgegen des Windes, doch glücklicherweise konnte Trace bruchhaft verstehen, was er sagte und nickte nur den Kopf.
      Sie stoppten, Fjörd stieg von seinem Schneemobil ab, näherte sich der Eisfläche und breitete seine Arme aus.
      »Fjörd lässt grüßen!«, rief er mit voluminöser Stimme und es kam ein starker Windhauch von der Eisfläche, die Fjörd frontal traf. Seine Tracht wehte stark im Wind, doch sein kurzes blondes Haar blieb reglos.
      Trace konnte nicht glauben, was sie sah. Mitten im Eis tauchte wie aus dem Nichts ein Eingang auf, als eine Schneewolke vor ihnen durch das Sichtfeld rauschte.
      Fjörd schaute zu Trace und machte nur eine hastige Handbewegung um ein Mitkommen zu signalisieren. Er packte den eisernen Türgriff des Stahltors und zog mit aller Kraft dran. Es dauerte einen Augenblick bis sich das Tor, erst um Zentimeter und dann so weit öffnete, dass sie hineingelangen konnten. Außer einem Treppenabstieg sah man nicht allzu viel innerhalb des Eingangs. Pflastersteinwände, mehrere Fackeln, die mit Met brannten und die Treppe selbst, die ziemlich steil hinunter ragte. Die Stufen waren sehr schmal angeordnet und führten in einen dunklen Korridor, der in absoluter Dunkelheit getaucht war. Fjörd schnappte sich eine der Metfackeln und wies Trace an ihm zu folgen und in seiner Nähe zu bleiben. Sie zögerte etwas, da sie ein extrem ungutes Gefühl bei der Sache hatte.
      Am Ende der Treppe wartete ein weiteres großes Tor, welche mit vielen geschwungenen Eisenverzierungen unterlegt war. Das Tor stand speerweit offen und hinter dem Tor erkannte Trace einen sehr schwach beleuchteten Saal. Die Fackeln brannten mit einer grünlichen Farbe, was Trace vorher noch nie sah.
      »Das ist der Saal der Acht. Hier schließen sich die Mitglieder des Ordens kurz und tauschen ihre Informationen aus, die sie im Land aufgreifen. Wir ermitteln normalerweise verdeckt, aber die jetzigen Umstände zwingen uns politisch in das Weltgeschehen einzugreifen.«
      Er deutete, dabei auf einen sehr langen schmalen Tisch, der mitten im Saal stand. Erst jetzt bemerkte Trace die kunstvoll handgearbeiteten Säulen und die Bögen, die sie allesamt kurz unter der Decke verbanden. Das grüne Licht tauchte den Raum in eine unheimliche Atmosphäre ein.
      Trace Neugier überschlug sie und sie näherte sich einer der Fackeln. Sie merkte plötzlich, dass in der Fackelurne keinerlei Brennmaterial war und schien umso erstaunter, dass trotzdem ein Feuer brannt.
      »Manastaub! Findet man angehäuft in der Gegend um Runa. Einmal entzündet brennt es nieder, doch die Flamme brennt weiter, bis sie mutwillig von jemandem erloschen wird. Sei also bitte vorsichtig und mach sie nicht aus.«, mahnte er sie mit kritischem Blick, im Glauben sie könne ein wenig tölpelhaft sein.
      Trace wirkte ein wenig beleidigt, da sie die Botschaft in seiner Stimme sofort verstand.
      »Ganz ruhig, ich schmeiße hier schon nichts um.«, fauchte sie mit heiserner Stimme zurück.
      Sie schritten weiter durch den Saal und erreichten ein drittes große Tor. Diesmal schien aber das Tor nicht aus normalem Eisen zu bestehen, sondern aus massivem Gold. Große Muster von zwei sich aneinanderblickenden Löwen zierten dessen Oberfläche und wirkten auf den Betrager majestätisch und ließen diesen auch in Ehrfurcht erstarren. Der Macher musste ein Künstler sein. Ebenfalls speerweit offen erkannt Trace innerhalb des nächsten Raumes einen weiteren riesigen Saal, der wie der vorherige in Grünlicht eingetaucht wurde. Anders als im Vorsaal waren die Säulen nicht rund, sondern eckig. Große orangegefärbte Banner zierten die Säulen und hingen auch von den Deckenbögen hinunter.
      Ein Blick geradeaus ließ Trace das Mark erstarren. Sie sah vor sich einen großen Thron, der fast so aussah wie der aus Altravessa. Anders als in Altravessa, war das Thronsymbol jedoch kein Drache, sondern ein Bär. Sie wusste nicht so recht, was sie davon halten sollte.
      »Orkus, sie ist hier.«, sagte plötzlich Fjörd mit respektvoller Stimme.
      Plötzlich bewegte sich etwas im Dunkeln und sie sah, dass es eine eingehüllte Person war, dessen Tracht ihn im Dunkeln regelrecht unsichtbar machte.
      »Dann sollten wir nun die Besprechung bereithalten.«
      Ein paar verschiedenfarbiger Augen nahmen mit Traces Augen Blickkontakt. Sein linkes Auge ein grelles Lila, sein rechts Auge ein grelles Gelb. Seine Hände waren große knöchernde Pfoten, mit langen spitzen Krallen. Er hob seine linke Hand und hob damit Trace Kinn, um ihren Blick auf sein Gesicht zu fixieren.
      »Mein liebes Mädchen, meine Informanten sagten mir, dass du viel über die Artefakte weißt.«, sagte er mit sehr beruhigender Stimme.
      »Ich weiß nur das was ich aus den Büchern weiß.«, antworte sie ihm in einem leicht sarkastischen Ton. Orkus jedoch nahm es ihr nicht übel, im Gegenteil – Ihm schien ihre Herablassung zu gefallen.
      »Mir gefällt deine Art. Wir sollten uns zum Saal der Acht begeben. Unsere Ordensbrüde sollten bald da sein.«
      Orkus nahm seine Hand wieder von ihrem Kinn und schritt an ihr vorbei gen Vorsaal. Fjörd schaute Trace kurz skeptisch an.
      »Das ist Orkus, Ordensführer und Erleuchteter.«
      In dem Moment betrat er den Vorsaal und nahm seine Kapuze ab. Es handelte sich bei Orkus um einen Lykra mit grellweißem Fell. Sein Gesicht wirkte schmal, doch entgegen der Kopfform war sein Maul ziemlich lang und breit.
      »Die Besprechung fängt gleich an, wir sollten uns daher zu unseren Plätzen begeben«
      Sie folgten schlendernd Orkus, der sich bereits auf den für ihn vorgesehen Platz, am Ende des langen Tisches, hinsetzte.
      Fjörds Platz war direkt neben Orkus Platz und es dauerte nicht lange bis auch er sich hinsetze. Sein Blick fiel zurück auf Trace.
      »Led und Fenrir sind noch nicht zurück, daher kannst du dich getrost auf einen ihrer Plätze hinsetzen. Wisse, wir haben nicht oft Außenstehende in diesem Saal.«
      Er streckte seinen Arm aus und deutete damit auf zwei leere Plätze links von ihm.
      Während Trace sich direkt neben Fjörd hinsetze erschienen zwei eingehüllte Gestalten durch das große eisenverzierte Tor.
      Der erste nahm seine Kapuze ab. Es handelte sich um einen jungen Mann, menschlicher Rasse, mit langem struppigem Haar. Es war hellbraun gefärbt und er schien von athletischer Statur zu sein.
      Fjörd neigte sich zu Trace herüber und flüsterte ihr zu, wer die Personen waren.
      »Das ist Balthasar. Er ist der Schlägertyp der Gesellschaft. Er lehnt sämtliche Waffennutzung und Magie ab. Er vertraut einzig und alleine auf seine Kampffertigkeiten mit Faust und Fuß. Er kann ziemlich harsch wirken und er mag es Leute zu beleidigen. Wenn du mich fragst, ist er alles andere als für die Gesellschaft tauglich, eben ein Einzelgänger.«
      Die nächste Gestalt war eine Frau, eine Lykranerin mit grauem Fell. Auffällig waren die weißen Linien, die wie ein Tattoo ihr Gesicht zierten.
      »Eva, sie ist die Gütige im Orden. Sie setzt sich sowohl für die Lykra, als auch für die Menschen ein. Sie möchte mithelfen, eine Welt zu formen, in der es keine Diskriminierung zwischen den Rassen gibt. Dazu zählt jedoch erstmal das Bewahren der Weltordnung. Auch wenn ihr Gesicht ziemlich gewöhnungsbedürftig aussieht, kann man ihr blind vertrauen.«
      Eva setzte sich ebenfalls neben Orkus, gegenüber von Fjörd und an das andere Tischende setzte sich Balthasar hin.
      Orkus erhob sich, während eine unheimliche Stille den Saal durchflutete.
      »Odin, Led und Fenrir sind verhindert, daher beginnen wir.«
      Trace bemerkte jedoch, dass noch vier Plätze frei waren. Sie fragte Fjörd, wo denn die vierte nicht anwesende Person sei und warum Orkus nur drei genannt hat.
      »Es gab mal einen Vierten, Loki, doch er desertierte und stellte die Handlungen des Ordens in Frage. Es ist zwar schade um ihn, da er einer der wenigen Magier im Orden war, doch wir haben nicht die Zeit und Lust, uns um Deserteure zu kümmern und...«, doch plötzlich unterbrach Fjörd und auch Trace merkte schnell, weshalb. Die Blicke der übrigen Ordensmitglieder war auf die beiden gerichtet, da deren Nebengespräch anscheinend den Ablauf störte.
      »Verzeihung, aber sie fragte noch ein paar grundlegende Dinge«, rechtfertigte sich Fjörd.
      Die Blicke schweiften kommentarlos von ihnen ab und Eva erhob sich.
      »Das Mädchen ist nun da und wir müssen sie schützen. Sie ist die Auserwählte.«
      Balthasar schien ihren Vorschlag zu missbilligen und fiel ihr kalt ins Wort.
      »Wir sollten sie töten, dann wird es erst gar nicht zum Problem kommen.«
      Mit diesen Worten schreckte Trace ruckartig zusammen und bekam ein kreidebleiches Gesicht. Da fragt man nach ihrer Kooperation und dann schlägt man vor sie töten zu lassen.
      Orkus grinste leicht beschämt.
      »Balthasar, wir werden niemanden umbringen. Man kann die Probleme lösen ohne ständig Leben beenden zu müssen.«
      Die Gestik und Mimik von Balthasar gaben zu verstehen, dass er nicht sonderlich von der Ablehnung seines Vorschlages angetan war, doch er akzeptierte es.
      Fjörd erhob sich nun und sprach mit lauter Stimme.
      »Balthasar, sie ist die Auserwählte, ein Nachkomme der heldenhaften Blutlinie. Sie muss geschützt werden.«
      Trace wusste nicht so recht, was sie davon halten sollte. Auserwählte...Heldin...Sie?
      »Bevor hier irgendetwas entschieden wird, möchte ich wissen was hier vorgeht und vorallem möchte ich wissen, was ihr genau mit Blutlinie meint!«
      Ihr aggressiver Ton verursachte einen sehr bösen Blick bei Balthasar. Auch Orkus schien nun über ihre Respektlosigkeit entgeistert zu sein. Er faltete seine Hände und stützte seinen Kopf auf diesen ab. Nach einiger Zeit Stille, die sich für Trace ziemlich unangenehm anfühlte, hob Orkus wieder den Kopf, starrte sie eine Zeit lang an und begann sehr langsam und klar zu erklären, was es damit auf sich hatte.
      »Wir stellten Recherchen über dich an und fanden etwas ziemlich Interessantes über dich heraus. Ghyord und Led...Nunja, sie hatten damals Soldaten, eine Art Elite. Deine Vorfahren, waren genau diese. Die Götter können in ihrer wahren Form nicht am Weltgeschick teilnehmen, da sie nicht über die nötige physische Form verfügen. Diese Elite, egal ob Lykra oder Mensch, waren die geeigneten Hüllen, handgefertigt von den Göttern selbst, damit diese sie nutzen konnten, um selbst in der Welt tätig zu werden. Im Klartext, sämtliche Gottheiten können dich als Hülle benutzen. Angenommen Led könnte befreit werden, dann würde er dich suchen und erst nachdem er dich eingenommen hat, würde das Ende der jetzigen Ära bevorstehen. Vielleicht erklärt es ja auch Balthasars Vorschlag dich zu töten, denn wenn die Hülle stirbt, sind die Gottheiten von der physischen Welt ausgesperrt und müssten vorher erneut in die Erschaffungstruhe greifen, was uns viele Jahre Vorbereitung ermöglichen würde. Wir sind jedoch der Meinung, dass es andere Wege und Mittel gibt dem Ende vorzubeugen.«
      Sie schien geschockt zu sein, nein entsetzt. Sie sollte der Schlüssel im Kampf der Götter sein, wenn einer hereinbrechen sollte und doch schien sie sich dieser Aufgabe nicht bewusst zu sein.
      »Gibt es keine anderen Hüllen?«, fragte sie mit zittender Stimme, da sie ihr Schicksal nicht zu akzeptieren vermochte.
      »Das wäre der nächste Punkt. Es gab viele Nachfahren, doch sie alle starben auf mysteriöse Weise. Einige wurden mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden, andere wurden tot an die Strände gespült. Es scheint eine weitere Organisation zu geben, eine die wie wir versuchen die Welt zu retten, jedoch den radikalen Weg gehen.«
      Plötzlich fiel ihm Balthasar ins Wort. Sein kalter Blick verursachte bei Trace eine Gänsehaut.
      »Möglicherweise wäre ja diese Organisation eine bessere Wahl für mich. Ihr versucht immer alles gewaltlos lösen zu wollen. Das Töten geht schnell und schafft eine hunderprozentige Chance dem Problem aus dem Weg zu gehen!«
      Genau als diese Worte ausgesprochen wurden erhob sich Balthasar vom Platz und ging stumm hinauf zu den Eisebenen.
      »Entschuldigt bitte Balthasar. Er ist sehr direkt und mag es nicht andere Meinungen zu akzeptieren. Er ist aber eine große Bereicherung, besonders wenn wir uns in das Weltgeschehen einmischen. Hiermit ist dann die Entscheidung fast einstimmig – Trace wird vorerst unter Quarantäne gestellt. Du wirst uns helfen das Rätsel um die Artefakte zu lösen. Wir wissen zwar von ihrer Macht, doch wir wissen nicht, wie man sie versiegelt.«
      Orkus erhob sich und ging zurück in seinen Thronsaal. Er wandte sich kurz.
      »Bringt Trace in ihr Quartier!«, er klatschte einmal in die Hände und das goldene Tor schloss sich.
      Eva und Fjörd erhoben sich ebenfalls. Eva ging Balthasar in die oberen Ebenen nach und Fjörd geleitete Trace durch eine schmale Tür an der Seite des Saals zu den Ordensquartieren.
      »Du wirst Lokis Zimmer in Anspruch nehmen müssen. Fenrirs Zimmer ist mit Erfindungen gespickt, die bei einer Berührung explodieren könnten und Leds Zimmer...nunja...er mag es nicht, wenn Fremde in seinen Sachen herumwühlen, geschweige denn sie überhaupt sehen.«
      Ein kurzes Nicken war ihre Antwort auf Fjörds Anweisung und sie verschwand in ihr zugewiesenes Zimmer.
      Oh je...
      Kapitel 9:

      Die Sonne stand am Zenit und sie schien mit aller Kraft auf die Stadt Runa. Es war schon sehr lange her, dass Lagosám und Led für solch eine lange Zeit Kontakt zum Innenleben einer Stadt hatten. Sie waren an die Abgeschiedenheit der Ordensquartiere gewöhnt oder waren ständig auf Reisen, um Missionen zu erfüllen. Sie zogen durch die mit Personenüberfüllte Stadt, sahen sich auf dem Marktplatz um und gönnten sich das ein oder andere Fleischstück, welches sie unter größten Bemühungen von den Ständen stibitzten.
      Es lag ein sehr starker Geruch nach Metall in der Luft, obwohl in der näheren Umgebung keine Metallbauten standen.
      »Lang ist es her den Geruch des Manas so extrem wahrzunehmen. Ich glaube mein Herz macht gleich Freudenssprünge.«, erzählte Lagosám voller Begeisterung Led. Auch dieser schien extrem gut gelaunt zu sein und ein Lächeln unterstrich die Theorie.
      Es dauert jedoch nicht lange um eben den Frieden der Stadt zu stören. Kampfgeschrei hallte durch die Straßen, laute Schüsse ertönten und noch bevor die beiden begreifen, was da vor sich geht, fliegt auch schon das erste Haus mit einem großen Knall in die Luft. Wenige Momente später ertönten die Alarmglocken Runas und die Magiekompanien rannten in Herden über den Marktplatz. Panik machte sich in der Bevölkerung breit und es fiel Led und Lagosám immer schwerer gegen die entgegenkommenden Massen anzukommen. Geschrei und Gewehrschüsse verwandelten den einst so friedvollen Tag in den Tag, der in Runa in die Geschichte eingehen würde.
      »Altravessa greift an! Auf eure Positionen!«, schrie ein Anführer einer der vielen Magiekompanien. Diese stellten sich in Reih und Glied nebeneinander auf und hielten ihre Stäbe in Richtung der einfallenden Soldaten. Nicht lange und der erste Feuersturm wurde beschworen, während die Gegenseite vermehrt mit Katapultangriffen die Feuerwand durchstießen. Wenige Minuten reichten aus, um den Marktplatz in ein Szenario des Grauens zu verwandeln. Leichen, zerstörte Gebäude, Verletzte und soviel Feuer, dass selbst der Himmel sich verdunkelte.
      Led und Lagosám versuchten in Richtung des Schlosses Runas zu flüchten, als plötzlich die eingehüllte Gestalt vor ihnen stand.
      Led erkannte sie sofort wieder...es war die selbe Person, die Freyas Armee mit einem Wimpernschlag eliminierte. Sie sah die beiden kurz an und sprach anschließend zu ihnen.
      »Lang ist es her...«
      Die Gestalt besaß recht dünne Hände, die ziemlich gut gepflegt aussahen. Diese griffen die Kapuze und zum Vorschein kam ein Frauenkopf mit sehr langem, nicht zusammengebundenem blondem Haar, welches nahe des Feuers sogar das tiefe Rot der Flammen reflektierte.
      Zwei kristallblaue Augen starrten die beiden Lykraner an, doch anders als bei den meisten Menschen wirkten diese leer und emotionslos. Lagosám konnte sich schwören, dass er einen Hauch von Feindseligkeit in ihnen erkennen konnte.
      »Es ist bemerkenswert wie so ein Artefakt ganze Städte verwüsten kann. Das Artefakt, das ihr mit euch führt ist das letzte Puzzelstück. Orkus gab sich große Mühe die Welt vor dem Untergang zu bewahren, doch letztendlich wird es seine rechte Hand sein, die die Apokalypse einleitet.«
      Furcht übermannte Led, dessen Augen sich weiteten und seine Ohren an den Kopf anlegte.
      »Du Verdammte...Du bist diejenige, die versucht Hyera auferstehen zu lassen!«, knurrte er nach kurzem Zögern.
      »Loki ahnte von den Plänen, doch in einer Sache täuschte er sich...Er glaubte Orkus würde dahinter stecken. Wir haben alle restlichen Artefakte beisammen und es scheint so als würde sich eine der Auserwählten im Versteck eures Ordens befinden.«
      Led wusste von den Gefahren und zog ruckartig sein Messer, um es ihr bedrohlich vor die Nase zu halten. Seine Augen spiegelten blinde Wut wieder, die wohl vom Verrat Odins herrühren.
      »Du wirst das Drachenartefakt nicht bekommen!«
      Odin erwiderte seinen Widerstand mit einem Lächeln, das alles andere als freundlich gemeint war.
      »Brauche ich auch nicht...Ihr werdet das Artefakt schon von selbst zum Ritual führen, glaubt mir.«
      Mit diesen Worten setzte sie ihre Kapuze wieder auf und verschwand erneut in den Flammen, noch bevor Led sie davon abhalten konnte zu fliehen. Dieser verstaute sein Messer wieder in seiner neuen Jacke, die aufgrund der Flammen ziemlich verrußt war.
      Obwohl die Gefahr, Odin als Feindin zu haben, vorerst gebannt war, wussten sie, dass die Stadt für sie nicht mehr sicher war. Während sie Odin trafen, drangen die Feinde in die inneren Stadtwälle ein und waren dabei sie zu zerstören, immer weiter zum Schloss vordringend.
      »Wir können hier leider nichts mehr tun...Wir müssen umgehend in das Versteck des Ordens und alle warnen.«
      Ohne zu zögern sprinteten die beiden im Kampfgetümmel vorbei. Sie erkannten runasische Soldaten, die ihre Gegner mit Eisspeeren durchbohrten, sahen wie ein altravessischer Soldat mit einem Hammer den Schädel eines verletzten Magiers zertrümmerte und sahen unteranderem auch wie einige feindliche Soldaten lykranische Bewohner folterten, um ihnen anschließend die Kehle durchzuschneiden.
      Einige altravessische Soldaten bemerkten die beiden und griffen sie an. Geschickt wichen sie ihnen aus und gaben ihnen einen Schlag in die Magenkuhle, um dann in den Massen zu flüchten. Überall fielen Schüsse und sie könnten jeden Moment von einem getroffen werden. Auf den Schlossmauern Runas erschien die Königin Runas...Königin Vilias. Sie starrte in das Stadtviertel, das völlig in Schutt und Asche lag und wandte sich wieder in Richtung Schloss um.
      »Led, warum tut sie nichts?«, fragte er besorgt und zugleich verwirrt.
      »Sei geduldig, die Königin wird es wieder zurechtbiegen. Sie gehört zu den Weisen der Welt, zu denen auch Orkus gehört.«
      Sie sprangen auf die brennenden Holzstützpfeiler der Häuser und rannten über die brennenden Dächer immer weiter in Richtung Stadtausgang. Mehrere Sprünge und Rutscheinlagen bedurfte es, um die zertrümmerten Mauern zu erreichen, auf die sie elegant hochkletterten. Die Bogenschützen auf den noch vorhanden Mauerabschnitten erschracken und zielten auf die beiden.
      »Wir sind keine Feinde! WIR SIND KEINE FEINDE!!!«, brüllte Lagosám aus Leibeskraft.
      Die Bogenschützen glaubten ihnen, da sie ebenfalls Lykraner waren, jedoch schauten sie weiterhin ziemlich skeptisch auf die Beiden.
      Ohne zu zögern nahmen die zwei Lykraner Anlauf und sprangen von den kaputten Zinnen auf einen vollbeladenen Heuwagen, der vor den Stadtmauern mitten auf der Wiese stand. Anders als Led landete Lagosám ziemlich unsaft im Heu, da er mit seinem Arm gegen das Rad kam. Glücklicherweise brach er sich nichts.
      Ein gleißendes Licht erfüllte im nächsten Moment den Himmel über Runa. Ein Pulsieren erstrahlte aus dem Schloss und breitete sich wie eine Druckwelle über der Stadt aus. Anscheinend schien diese Druckwelle intelligent zu sein, denn nur die Angreifer wurden von ihr mitgerissen, während die Stadtverteidiger in ihrer Abwehrposition blieben.
      »Lagosám, du bist gerade Zeuge wie ein Ältester seine Magie anwendet.«, sagte Led mit Wohlwollen.
      Lagosám schaute begeistert in den Himmel, in dem sich ein Farbenspektakel ereignete. Kunstvoll und ästhetisch formten sich Kreise und Bögen am Himmel, die in allen Regenbogenfarben erstrahlten.
      »Ich hätte nie gedacht, dass solch brutale Magie so schön sein kann!«, bewunderte Lagosám das Lichtspektakel. Led zupfte sich mit seinen Fingern mühselig ein paar Heuballen vom Gesicht und von der Kleidung und strahlte beim Sprechen eine gewisse Wärme aus.
      »Magie kann Leben zerstören, doch es kann gleichzeitig auch Leben erschaffen. Runa und seine umliegenden Umgebungen sind mit soviel Mana getränkt, dass sie trotz des Eisschockes eisfrei blieben.
      Die einzige Ortschaft in der es soviel Vegetation gibt...und so viel animalisches Leben.«
      Lagosám kletterte vom Heuwagen und blickte auf die Stadt, dessen Feuer durch die Druckwelle allesamt gelöscht wurden. Sein Blick schweifte dabei in Richtung Nordwesten ab.
      »Das Versteck liegt in dieser Richtung. Wenn wir uns beeilen, dann können wir das Ende abwenden.«, wies Lagosám an.
      »Ich sag es nur ungern, aber ich denke, dass wir uns im Orden geirrt haben, dennoch werde ich den Namen Fenrir nicht wiederverwenden, da ich vorerst genug von diesen Göttersagen haben. Es ist unsere Schuld, dass bald möglicherweise die Apokalypse hereinbricht...und das weil wir Odin seit jeher Zeit vertrauten und Orkus ihr den Auftrag gab, die anderen Artefakte ausfindig zu machen. Wir sind nicht dabei die Welt zu retten...wir sind eher dabei ihr ein Ende zu setzen und das auch nur ohne zu ahnen, wem wir vertrauen sollen.«
      Led nickte bejahend und auch wissend, dass nicht Unwahres in seinen Worten steckte.
      »Wir müssen es akzeptieren und die Fehler ausbügeln, die der Orden überhaupt erst anrichtete. Derzeit sind aber Fjörd und die anderen in großer Gefahr!«

      Im Versteck des Ordens brach Unruhe aus. Orkus brüllte wie ein Wahnsinniger in seinem Saal herum, sodass selbst Fjörd der Atem stehen blieb. Etwas brachte Orkus gewaltig in Rage und es dauert auch nicht lange, bis er mit seiner Faust so fest gegen das Eisentor donnerte, dass er einen tiefen Abdruck darin hinterließ, ohne sich auch nur einen Kratzer zuzuziehen.
      »Odin! Diese verdammte Verräterin. Ich hätte wissen müssen, dass sie eine Doppelagentin ist! Sie wird es bitterbereuen unser Vertrauen missbraucht zu haben. Ich muss schnellstmöglichst Kontakt mit Led und Fenrir herstellen.«
      Er stapfte mit großen Schritten hastig durch den Konferenzsaal und brüllte wie am Spieß nach Eva, die auch nach sekundenbruchteilen vor Angst zu ihm hinrannte und sich vor ihm hinkniete.
      Trace, die den ganzen Tumult von ihren Gemächern aus hörte, ging in den Konferenzsaal um festzustellen, dass Orkus nicht mehr ganz bei Sinnen war.
      »Eva! Hol umgehend den Kommunikator Fenrirs...Wir müssen Verbindung zu ihnen herstellen und sie warnen, dass der feindliche Lykraorden ihnen hinterherspioniert!«
      Sie zögerte nicht lang und rannte mit wehender Tracht in Richtung der Gemächer an Trace vorbei. Kurz vor den Türen zu Fenrirs Gemächern, stolperte sie, doch sie schien die Schmerzen zu ignorieren. Übrig, blieb nur eine leichte Blutspur, die auf eine Verletzung an Evas Bein hinweiste.
      Orkus wandte sich geschwind zu Trace. Seine Augen spiegelten eine Aggression und eine Wut wider, die Trace noch nie zuvor gesehen hatte und sie wusste, dass sie jedes falsche Wort bereuen würde. Orkus sprach dann die Worte aus, die Fjörd völlig aus der Fassung brachte.
      »Tötet sie!«
      Auch Trace schrak zusammen...Warum wollte er plötzlich ihren Tod? Dieser plötzliche Meinungsumschwung konnte nur bedeuten, dass etwas passierte, was nicht von ihm geplant war.
      In Fjörds Geschich zogen sich die Brauen nach unten und er zeigte Orkus seine Zähne.
      Das blanke Entsetzen über den Befehl Orkus, war auch Eva anzumerken, die mit aller Mühe versuchte die Schmerzen ihres verletzten Beines nicht merklich zu machen.
      »Nein! Das lasse ich nicht zu!«, widersetzte er sich, doch das schien Orkus nicht wirklich zu kümmern.
      »Entweder du tust, was ich dir befehle, oder ich bediene mich selbst dieser Aufgabe, werde aber vorher die aus dem Weg räumen, die nicht loyal sind. Mit diesen Worten versetzte er Fjörd einen präzisen Schlag in seine Magenkuhle, wodurch dieser am Boden kauerte und einige Mageninhalte seinen Mund verließen, um sich auf dem steinernen Boden zu verteilen.
      »Orkus...Wieso?«, keuchte er unter starken Schmerzen.
      »Odin hat uns verraten! Begreif es! Sie haben alle Artefakte, bis auf das des Drachens, welches sich in der Obhut von Led und Fenrir befindet. Bis auch dieser in die Hände des Feindes gelangt, ist nur eine Frage der Zeit, daher müssen wir die uns noch bleibenden Möglichkeiten in Betracht ziehen und das ist, wie von Balthasar bereits gewünscht, der Tod des Auserwählten!«, versuchte der Ordensführer ihm zu verklickern – vergeblich. Fjörd nahm seine Kraft zusammen und stand auf.
      »Das...ist nicht der richtige Weg«
      Er hustete und hielt sich seine linke Hand über seinen Bauch. Auch konnte er nicht mehr allzu gerade stehen. Orkus übersah, dass Eva das von ihm gewünschte Gerät bei sich trug und schritt langsam auf sie zu.
      »Ich kümmere mich später darum, ersteinmal muss ich mit den beiden sprechen, die das Artefakt im Besitz haben.«
      Orkus packte sich die kristallartige Gerätschaft und platzierte sie auf dem Boden, wo er diese aktivierte, sie sich öffnete und eine Antennte mit lautem quietschendem Geräusch ausfuhr. Es sah alles andere als nach moderne Technologie aus, doch Fenrir hatte einen gewissen Reiz für nostalgisches Design.

      Es dauerte nur ein paar Wegstunden, bis der erste Schnee wieder am Boden sichtbar wurde. Das war das Anzeichen, dass das Hoheitsgebiet Runas hinter ihnen gelassen wurde und auch der Wind wurde wieder beißend kalt. Es war später Nachmittag und die Sonne zog langsam ihren restlichen Weg, hinunter in den Horizont.
      Lagosám und Led wanderten unter schmerzenden Pfoten über die unbefestigte Straße, der sich um den Phantomwald wand, vorüber an den geisterhaften Gestalten, die sie trafen, als sie in Richtung Runa flohen.
      »Wir müssen unbedingt rasten«, keuchte Lagosám, während er seine Zunge zum Hecheln herausstreckte, um so überschüssige Körperwärme loszuwerden.
      »Mich fasziniert es, wie dir bei dieser Kälte noch so warm sein kann.«, sagte er mit herablassendem Ton.
      »Na schön, da vorne ist eine Siedlung. Dort wird es sicher ein Gasthaus geben.«
      Sie trotteten entlang des Weges in Richtung der auftauchenden Lichter der Straßenfackeln der nächsten Siedlung. Es handelte sich um eine lykranische Siedlung, zumindest sahen die beiden keine Menschen. Es dauerte auch nicht lange, bis sie ein Gasthaus fanden, welches "Zum leuchtenden Äther" hieß. Der Besitzer gehörte zu garstigen Sorte – unfreundlich, arrogant und ziemlich beleibt. Er wirkte eher wie ein aufgeblasener Luftballon, als wie ein Lykraner.
      »Wir hätten gerne eine Bleibe für heute Nacht.«
      »Mein Junge, das ist ein Gasthaus...Natürlich wollt ihr eine Bleibe, wenn ihr hier seid.«
      Lagosám wirkte über das Verhalten des Besitzers ziemlich verstört und Led bemerkte in der Ferne der schmalen Stube, dass es dort einen Bereich für Trinker gab.
      »So ein Bier wäre genau das Richtige für uns.«, gab Led sehnsüchtig zu erkennen, während der genervte Lagosám die Schlüssel mit einer hastigen Bewegung aus der Hand des Besitzers schnappte.
      »Ungehobeltes Pack!«, murmelte der Besitzer kaum hörbar, doch Lagosáms Ohren überhörten es nicht, dennoch ignorierte er es, um etwaigen Ärger zu vermeiden.
      In dem Trinkbereich angekommen, setzten sie sich an einen der runden, hölzernen Tische und warteten auf die Bedienung.
      »Zwei Bierkrüge, bitte!«
      Es dauerte nicht lange bis diese Krüge ihren Weg zum Tisch der Beiden fanden.
      »Hey, schon gehört? Runa wurde von Altravessa angegriffen.«
      Ein älterer Lykraner dunkelrotem Felles trat zu den Beiden an den Tisch und setzte sich ohne zu fragen dazu.
      »Leider ja.«, antwortete Led mit ruhiger Stimme.
      »Es wird behauptet, dass zwei runasische Bewohner ein heiliges Artefakt des Menschenreiches an sich rissen. Wohl der Auslöser des Angriffs.«
      Lagosám der genüsslich aus dem Krug trank, verschluckte sich fast.
      »Alles nur Gerüchte!«, antwortete er, während er noch hustete, um das kalte Gesöff aus seiner Luftröhre zu bekommen.
      Der Fremdling musterte Lagosám argwöhnisch an und schluckte aus seinem mitgebrachten
      Krug ein rötliches Wasser. Wenn Led es nicht besser wüsste, dann war es kein normaler Wein, sondern ein Gesöff namens Grokarwein, hergestellt aus Trauben, verschiedenen Wurzeln und wenigen Tropfen Blutes eines ausgewachsenen Yaks.
      »...Naja...Auf jeden Fall stehen wir vor schlechten Zeiten, sehr schlechten sogar. Die Gruppierung der Bezwinger ist aktiver wie nie zuvor und...«, doch Led unterbrach ihn in dem er seinen Krug mit ganzer Wucht auf die Tischplatte knallte.
      »Die Bezwinger!? Es gibt sie noch?«, fragte Led ungläubig, immerhin würde das mehr Probleme geben, als bisher angenommen.
      »Was sind denn die Bezwinger?«, fragte Lagosám leicht beschämt, da er als einziger nichts von dieser Gruppierung wusste. Der Fremdling senkte sein Kopf und begann zu erzählen, während er den Krug mit dem Wein rotieren ließ, sodass sich innerhalb ein kleiner Strudel bildete.
      »Die Lykraner waren unter den Menschen noch nie allzu gerne gesehen. Wir waren Spott und Diskriminierung ausgesetzt und eine kleine Gruppe der Lykraner bildete eine kleine Gruppierung mit dem Ziel, die südliche Welt, in denen die Menschen leben auszuradieren. Sie besteht ausschließlich aus Lykranern und einigen wenigen, die zu den Halbelben gehören.«
      »Halbelben? Ich dachte immer, dass das nur Märchenwesen wären.«
      Led schaute ihn nachdenklich an.
      »Sie leben nur ungern innerhalb menschlicher oder lykranischer Reihen. Zur Zeit der Götter lebten auf der Welt die Elben, doch sie zogen nach dem Eisschock in ihre eigene Welt zurück, da die meisten Manaquellen auf der Welt unerreichbar wurden. Zurück blieben einige Nachkommen, die sie mit einigen Menschen zeugten...Die Halbelben. Manche sehen mehr nach Mensch aus, manche mehr nach Elb, doch beide haben etwas gemeinsam: Eine sehr lange Lebensspanne. Ein Einzelner kann tausend Jahre alt werden.«
      Der Fremdling hatte bereits eine etwas rötliche Schnauze, was vom vielen Grokarwein kam.
      »Nunja...diese Gruppierung setzt alles daran, um das Leben der Lykraner zu verbessern – Eigentlich ein guter Vorsatz, doch sie scheuen nicht vor Gewalt zurück, auch nicht vor den eigenen Leuten.«
      Ein Fremdling am anderen Tisch rief nach dem Fremdling. Scheinbar war der Name des Rotschopf Lykras "Zariah", da dieser auf den Zuruf reagierte und Led und Lagosám um Verzeihung bat.
      »Recht sonderbar dieser Lykra«, merkte Lagosám an, als er den letzten Schluck seines Bieres in sich hineinkippte.
      »Da gebe ich dir Recht.«, bejahte Led mit einem breiten herablassenden Grinsen im Gesicht. Plötzlich witterte er einen vertraulichen Geruch, welcher zum Tisch in der Ecke des Raumes führte. Dort saß ein Mann, dessen Gesicht mit einer Kapuze verdeckt war.
      »Dieser Kapuzenmann...Sag mal, kennen wir ihn nicht von irgendwo her?«
      Led wandte seinen Kopf zu Lagosám, der verzweifelt nach Überresten im Krug suchte.
      »Wen meinst du Led? Da ist niemand.«, beklagte sich Lagosám, dessen Blick wieder in die Tiefen des Kruges wanderte.
      Und tatsächlich, niemand saß an dem Platz. Der Kapuzenmann war wie vom Erdboden verschluckt.
      »Muss ich mir wohl eingebildet haben«, murmelte Led kaum hörbar.
      »Bedienung mehr Bier!«
      Ein weiteres Holztablette mit zwei weiteren Bierkrügen kam bei den beiden Lykraner an.
      Sie tranken, zogen es aber vor nicht viel miteinander zu sprechen. Für Led blieb die Erscheinung aber immernoch schleierhaft, sodass dieser, nach dem Leeren des Kruges, es vorzog in das Quartier für diese Nacht einzukehren...
      Es vergingen einige Stunden und der Vollmond stand nun am Zenit und sorgte dafür, dass die allumfassende Dunkelheit der Nacht nicht die Übermacht über die Ländereien gewann.
      Lagosám schlief tief und fest und schnarchte ziemlich laut. Es war unbegreiflich, wie jemand seiner Statur zu solchen Lauten fähig sein konnte. Led bekam durch diese regelrechten Erschütterung in der Luft kein Auge zu. Sein Blick fiel in das hölzerne Zimmer, welches direkt unter dem Dach lag. Es wurde hier anscheinend seit langer Zeit nicht mehr geputzt und auch sahen die dunklen Flecken auf der weißen Wand wie Schimmel aus. Leds Nase bekam dieser Zimmergeruch nicht gut.
      Led wird jedoch unterbrochen als er ein blauweißes Schimmern inmitten des Raumes wahrnimmt. Er rieb sich kurz die Augen, um sicherzustellen, dass er nicht halluzinieren würde, immerhin war er noch betrunken. Eine durchsichtige Gestalt wurde sichtbar, dessen Konturen nicht wirklich definierbar waren.
      »Led! Fenrir! Ich bin es, Orkus. Ich habe sehr schlechte Neuigkeiten. Es hat sich herausgestellt, dass Odin für die Bezwinger arbeitet. Sie streben die Wiederauferstehung Hieras an und brauchen nur noch euer Artefakt. Kommt und bringt es mir schnell, damit wir ihre Pläne durchkreuzen können.«
      Die geisterhafte Stimme verklang wieder und nur noch das Schnarchen Lagosáms durchdrang die Stille. Orkus schien von Odins Plänen Wind bekommen zu haben, doch es stellt sich die Frage, ob man Orkus vertrauen kann. Statt sich lange darüber den Kopf zu zerbrechen, überkam Led die Müdigkeit und schlief ziemlich schnell ein.
      Die Nacht war ruhig, ruhiger als sonst. Led konnte nicht allzu lange schlafen und wachte daher am frühen Morgen auf. Draußen überzog noch die Dunkelheit das Himmelszelt und die Siedlung wirkte wie ausgestorben. Led sprang plötzlich erschrocken auf, als er eine Gestalt auf dem Stuhl sitzen sah. Es handelte sich dabei um den Kapuzenmann, den er in der kleinen Taverne im Erdgeschoss sah.
      Der Geruch den er ausströmte wirkte sehr vertraut, doch Led konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, woher er diesen Geruch kannte.
      »Lang ist es her...Freut mich, dass es euch gut geht.«
      Zwei goldgelbe Augen starrten ihn an und dieser Geruch...Wie in einem Lazarett, dachte sich Led und genau da machte es in seinem Kopf Klick. Parallel dazu lief sein Kopf kreidebleich an, da er nicht glauben konnte, wen er da vor sich sitzen sah.
      »Loki?! Wie...Wie kann das sein?«, fragte Led überaus verblüfft.
      »Wie gesagt...Ich bin nicht mehr Teil des Ordens, also nenn mich bitte Groth. Ich gehöre zu den Magierältesten, glaubst du ich lasse mich einfach erstechen?«
      Led hob seine Hände und betrachtete seine Handflächen. Ungläubig wandte er sich dann wieder Groth zu und sagte mit sehr leiser Stimme.
      »Ich habe deinen leblosen Körper gesehen und ich hatte dein Blut an meinen Krallen.«
      Groth verschränkte seine Beine und erst jetzt bemerkte Led, dass Groth keine Schuhe trug. Er nahm seine Kapuze ab und Groth tiefbraunes Fell kam zum Vorschein. Anders als vorher hatte sein Fell aber an der Stirn eine weiße Linie, die bis zum Hinterkopf führte.
      »Euer Treffen hätte Probleme mit sich geführt. Ihr habt mich nie getroffen, sondern eine Schattenkopie. Erfordert ziemlich viel Mana, um einen Double zu kreieren. Selbst das Blut wirkte authentisch, doch es war nichts andere als pure Magie. Nachdem ihr euch vom Acker machtet, löste sich der tote Körper mitsamt Blutlache in Luft auf. Was glaubt ihr, weswegen ich die Rolle des Loki inne hatte?«
      Led fasste sich ans Kinn und überlegte nicht lange, da es einleuchtend klang, was Groth ihm zu verklickern versuchte. Er stubste Lagosám an, der im Nebenbett schlief und aufgeschreckt auf den Boden fiel und die gesamte Bettdecke mit sich riss.
      »Erschreck mich nicht so!«, fauchte ihn Lagosám an, doch er unterbrach sich, als er Groth vor sich sah.
      »Groth, du lebst!?«, fragte er verdutzt.
      Groth hingegen klatschte nur seine Hand gegen das Gesicht und seufzte laut.
      »Nochmal erkläre ich es nicht wie ich überleben konnte. So, wo war ich?«
      Groth stand vom knarrenden Stuhl auf und schritt langsam in Richtung Fenster, wo das Vollmondlicht in das Zimmer fiel. Er stütze sich mit seinen Krallen am Fensterrahmen ab und öffnete es. Nach ein paar kurzen Sekunden wehte ein kalter Wind in das Zimmer, der die Bettdecken zum Wehen brachte.
      »Ich habe mich in das Lager des Feindes hineingeschlichen. Dass ihr das Artefakt bei euch haben würdet, hatte ich nicht erwartet, daher musste ich Maßnahmen ergreifen. Ich überfiel einen Bezwinger und raubte ihm seine Kleidung, um so unbemerkt in das Lager der Bezwinger im östlichen Stadtteil Runas eindringen zu können. Sie planen einen Angriff auf das Versteck des Ordens und haben es sich zum Ziel gesetzt jedes Mitglied kaltblütig zu ermorden. Dann kreuzte diese blonde Halbelbin auf und verlangte die Führungsposition für den Infiltrierungstrupp. Sie murmelte etwas von Vergeltung gegen die Menschheit und ging auch ziemlich grob mit den untergeordneten Bezwingerrekruten um. Sie war garantiert eine Halbelbin, immerhin kenne ich den Geruch von Halbelben.«
      Lagosám dachte kurz nach...eine blonde Halbelbin, die leicht sadistisch veranlagt war...Odin? Nein, sie war ja ein Mensch, doch Fenrir überlegte weiter angestrengt. Sie wies keine Merkmale eines Halbelben auf, aber das Gespräch mit dem Rotfuchs Zariah erinnerte ihn daran, dass er davor nichtmal an ihre Existenz glaubte.
      Sie konnten so aussehen, wie normale Menschen oder eben wie Elfen, doch eines haben sie gemeinsam. Sie lebten Jahrtausende...
      Fenrir ging ein Licht auf und unterbrach Groth, der während seiner Überlegzeit weiterhin vor sich hinphilosophierte.
      »Das war Odin...Dann ist es offiziell. Wenigstens wissen wir jetzt, dass sie als Doppelagentin für die Bezwinger arbeitet.«, sagte Fenrir mit kaum vernehmbarer Stimme.
      Led klopfte ihm auf die Schulter und lächelte ihn an.
      »Mach dir keinen Kopf drum. Sie kann Hyera nicht ins Leben rufen, immerhin braucht sie einen Auserwählten, sowie das letzte Artefakt und das tragen wir bei uns.«
      Fenrir schien für einen kurzen Moment erleichtert zu sein, jedoch meldete sich Groth wieder zu Wort.
      »Wir kennen die Pläne der Feinde, doch der Orden kennt sie nicht und ganz ehrlich? Ich vermute, dass Orkus ebenfalls eigene Ziele verfolgt. Ich verlies den Orden, weil dieser sein ursprüngliches Ziel vergaß und nun wird es Zeit, dass der Orden neu gegründet wird und dieser Gefahr entgegentrotzt.«
      Led verschränkte die Arme, schritt zu Groth und sah den Himmel hinauf.
      »Ich fühle, dass man dir vertrauen kann und mein Gefühlt trügt sich eigentlich nie, da ich Jahre im Schlachtfeld verbrachte. Ich bin dabei!«, warf Led voller Euphorie aus sich heraus.
      Lagosám zögerte etwas, doch er stand vom Bett auf und auch er schritt auf Groth zu.
      »Led ist mein einziger Freund auf der weiten Welt. Wo er hingeht, werde auch ich hingehen.«
      Groth schaute ihn leicht mit bohrendem Blick an.
      »Wir würden den Codecs des Ordens weiterführen, das bedeutet, dass du deinen Decknamen wieder annehmen müsstest.«, erwähnte Groth in einem ziemlich kalten Ton.
      Lagosám grinste ihn hingegen nur spöttisch an.
      »Dann sei es so. Fenrir ist zurück und wird für das Gute kämpfen. Doch es gibt noch eine Sache. Wie soll der Orden heißen?«, fragte Fenrir neugierig.
      Die zwei übrigen Lykraner hielten eine kurze Zeit inne, bis Led einen glänzenden Vorschlag einreichte. »Orden der Erleuchteten. Wir kennen die wahre Geschichte, die wahren Probleme, daher halte ich diesen Namen für passend.«
      Loki und Fenrir nickten zufrieden.
      Ersterer wandte sich mit einem breiten Grinsen in Richtung Tür und zog zwei Päckchen, mit sorgfältig zusammengefalteter Kleidung.
      »Die Bezwinger wissen von euch und werden euch jagen. Zieht diese roten Kutten einfach über eure Kleidung. Ist aus Baumwolle gemacht, sollte daher auch angenehm zu tragen sein.«
      Er griff nach dem Türknauf und hielt nochmal kurz inne. Er wandte den Kopf zu den beiden Lykranern, die ihn noch anschauten.
      »Und hütet euch vor Kuiskata Schwarzpfote. Sie heuerten ihn als Assassinen für euch an und wenn er euch findet, könnte es böse enden. Er ist kalt und brutal und sorgte in den Ländern im Norden für viel Aufruhr, jenseits des unüberwindbaren Bergkamms. Es ist noch unklar wie er hierher kommen konnte, aber ich vermute, dass da mächtige Magie im Spiel war. Wir sehen uns dann im Versteck des Ordens des Himmels.«
      Mit diesen Worten öffnete er die quitschende Tür und es machte nur noch einen Poch, als er diese wieder schloss. Fenrir hatte noch offene Fragen und rannte ihm hinterher. Er öffnete die Tür mit einer großen Hast, nur um festzustellen, dass der Flur leer war. Wie vom Erdboden verschluckt...
      »Loki liebt es seine Abgänge und Erscheinungen mysteriös wirken zu lassen.«
      Er zerriss das Bändchen des Pakets mit seiner Kralle und faltete die Kutte aus. Die Kutte war dunkelrot gefärbt und hatte ein Flammenmuster, dass der Umsäumung der Kutte folgte. Die Flächen der Kutte selbst waren sehr einfarbig. Wie sagte Freya stets: Je auffälliger jemand ist, umso unauffälliger ist er und möglicherweise stimmte das sogar.
      »Zieh dir deine Kutte an und setz die Kapuze auf. Wir brechen auf. Wir müssen zum Versteck und die anderen Mitglieder warnen.«
      Leise und in den mysteriösen roten Kutten gekleidet, schlichen sich die beiden bei Morgendunkelheit aus dem Gasthaus, hinterliessen ein wenig Geld für den Besitzer und verließen die Siedlung, weiterhin in Richtung Nordwesten, um so zum Versteck zu gelangen. Der Pfad würde sie aber durch die Wälder von Krôa führen, einem Wald, der von Banditen bewohnt wird.
      Oh je...

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      Und nun das letzte Kapitel der ersten Geschichtshälfte (Buch Artificium). Kapitel 1, der zweiten Hälfte folgt dann. :)
      Kapitel 10:


      Die Sonne ging auf und erfüllte die gesamten Ländereien in einem goldgelbem Licht. Die Eisschicht wurde mit jedem zurückgelegtem Kilometer immer dicker, sodass die Gehwege langsam aber sicher auf Gletscher übergingen, die mit sechseckigen Steinplatten bepflastert wurden. In diesem Kontinent bestand so ziemlich alles aus Eis – Schuld daran der Eisschock, der sich laut Legende vor 2000 Jahren ereignet haben soll, kurz nachdem Mensch und Lykra das Antlitz der Welt erblickten. Led und Fenrir streiften weiter durch die großen Ebenen von Meldriat, die die Wälder von Krôa mit den runasischen Ebenen verband. In diesen Ebenen befanden sich zudem weitere Male des ehemaligen Gotteskampfes. Große Schluchten, die in die Finsternis führten, prägten diese Ebenen. Zugänge zu Eramur, dem Reich der Dunkelheit und der Pein. Irgendwo tief unten wartete das Gefängnis vom Gott Led darauf von Hyera geöffnet zu werden.
      »Mir ist mulmig zumute, wenn ich all diese Finsternis erblicke. Die Schluchten strahlen eine Aura aus, die sehr unangenehm ist.«, beklagte sich Fenrir mit sehr ängstlich klingendem Ton.
      Led stoppte und schlich sich an eine der Klippen, um hinunterzublicken. Er sah die Umrisse der Schluchten und mittig gelegen die boshafte Dunkelheit. Sein Blick fixierte sich und Led konnte Stimmen hören, die nach ihm riefen und ihn aufforderten hinunterzusteigen. Gleichzeitig bließ ein eiskalter Wind aus den Tiefen in die Höhe und Led bekam panische Angst, wie Fenrir sie bei ihm nur sehr selten sah. Er fiel rücklings zu Boden und versuchte rückwärts von den Klippen wegzukrabbeln, während seine Augen seine Furcht wiederspiegelten.
      »Dieser Ort...Er ist verflucht und ruft nach mir. Die Finsternis will mich...Lass uns weiter!«
      Fenrir wurde neugierig und schritt an die selbe Stelle, an der auch Led stand und hinunterblickte.
      Er sah nur gähnende Leere in Form von Dunkelheit, konnte jedoch keine mysteriösen Stimmen ausmachen. Ohne jedoch ein Wort zu sagen, schritt er wieder zurück und half Led auf.
      »Bis zu den Wäldern von Krôa dürfte es nicht mehr weit sein. Da fällt mir ein...Wir sollten uns richtige Waffen zulegen. Diese Messer sind nicht gerade effektiv...«, schlug Fenrir vor und auch Led stellte fest, dass an seinen Worten viel Wahrheit lag. Blödeweise verbietet ein Gesetz den Verkauf von Waffen auf dem Land. Nur die Städte hatten das besondere Privileg eben diese verkaufen zu dürfen.
      Der Untergrund wurde immer rutschiger, da die Bepflasterung langsam spärlicher wurde. Am Horizont, zwischen zwei hohen Gebirgsketten, erstreckte sich ein großer eigenartiger Wald. Die Bäume lagen ziemlich dicht beeinandern, hatten sehr breite Stämme und die Wurzeln schienen ihr Leben aus dem Eis zu beziehen. Interessantweise waren die Wurzeln nicht vollständig im Eis vergraben, sondern nur die Spitzen ragten in die Eiseskälte hinein. Der Rest der Bäume stand auf den Wurzeln, die wie Astverästerlungen über dem Boden ragten.
      »Ziemlich verworrenes Wurzelwerk, Fenrir. Pass auf, dass du nicht auf ihnen stolpferst.«, gab Led Fenrir zu denken, da dieser bekanntlich ein klein wenig unbeholfen wirkte.
      Es dauerte auch nicht lange bis Fenrir über eine Wurzel stolpert und mit einem dumpfen Knall auf dem Boden aufschlägt. Led klatschte seine Handfläche gegen das Gesicht und wedelte leicht mit seinem Schwanz.
      »Mein lieber Freund und Kollege ist ein Tollpatsch. Es bringt mehr gegen eine Wand zu reden, als mit ihm zu reden. Naja was solls...«, murmelte er vor sich hin.
      Der Wald wurde immer düsterer und die Bäume immer größer. Irgendwann herrschte fast vollständige Dunkelheit, obwohl es helligster Tag war.
      »Led, ich höre Geräusche hinter uns. Irgendwer verfolgt uns!«, flüsterte Fenrir, während er sich in die eine und dann in die andere Seite wandte – verängstigt und voller Sorge, jemand sei hinter ihnen. Led horchte kurz auf und streckte seine Ohren in die Höhe. Tatsächlich vernahm er Geräusche, wie das Knacken von Ästern, die auf Schritte hindeuteten.
      Led und Fenrir waren auf ihre anderen Sinne angewiesen. Leider ergab sich das als ziemlich ungünstig, da die Geräusche sich vermehrten und aus allen Richtunge zu kommen schienen. Selbst für die verschärften Sinne eines Lykra, sorgten die Geräusche für verwirrende Orientierungslosigkeit. Es blieb ihnen nichts übrig, als einen nächstgelegenen Ast zu nehmen und ihn zu entzünden. Das Licht war hell genug um einen kleinen Radius zu erleuchten, doch was sie sahen, erfreute sie nicht sehr. Fenrir streckte seine Hände aus, hob sie hoch und zeigte den Wesen, dass er sich ergeben würde. Auch Led zögerte nicht lange, setzte die Lichtquelle auf den Boden und tat selbiges. Sie waren von einem Trupp Halbelben umgeben, die allesamt mit gespanntem Bögen auf die beiden Lykraner zielten.
      Kurz bevor die beiden überhaupt realisierten, wen sie da vor sich haben, wurden sie hinterrücks von zwei halbelbischen Soldaten erschlagen.

      »Aus dem Weg Fjörd, sonst muss ich dich auslöschen. Ich muss die Sache beenden, bevor sie beginnt.«, knurrte Orkus mit ziemlich finsterer Miene. »Nur über meine Leiche...Du willst sie gar nicht töten...Du willst sie entführen. Loki hatte damals Recht, wir haben Verräter in unseren Reihen, aber dass es der Ordensleiter und seine Rechte Hand sind...das«, doch er wurde durch einen kräftigen Tritt von Orkus unterbrochen. »Du wagst es meine Absichten infrage zu stellen?«
      Fjörd spuckte Blut und war auf allen Vieren auf dem Boden, mühsam versuchend Orkus in die Augen zu blicken. »Eva, schaff ihn ins Verlies. Um ihn kümmere ich mich später«, befahl er mit ziemlich kratziger Stimme, doch Eva zögerte. Sollte Orkus wirklich nicht der sein, den er vorzugeben scheint.
      »Worauf wartest du?«, knurrte er wieder ziemlich aggressiv, »Du etwa auch?!«
      Eva begann zu stottern, schaffte es aber nicht, ein Wort herauszubekommen. Orkus hob seinen Arm und richtete ihn auf Eva, woraufhin Eva kreidebleich wurde. »Keiner...Keiner wagt es sich mir in den Weg zu stellen. Ich werde die Auserwählte zum Ritual führen.«
      Fjörd kämpfte mit den Schmerzen und es schien ihm, als hätte ihm Orkus mehrere Rippen gebrochen. »Eva...Er...ist nicht...bei Sinnen!«, keuchte er, versuchend laut zu klingen, was ihm jedoch nicht gelang.
      »Dieser Orden ist dem Untergang geweiht. Gegründet, um den zweiten Eisschock herbeizuführen. Ihr Narren! Glaubt ihr im Ernst wir würden für das Gleichgewicht kämpfen?«, sagte er drohend und aus seiner Handfläche erglühte ein helles Licht. Eva wurde donnernd gegen die Steinwand geschleudert, »Loki hatte von Anfang an Recht, ja ich bin auf der Seite der Bösen!« und aus seiner Hand erschien wieder ein helles Licht. Eva wurde die Wand hochgezogen und konnte sich nicht bewegen. »Aber ihr Verdammten, wollt es nicht begreifen!« und ein unsichtbarer Ätherpuls traf Eva am gesamten Torso. Sie schrie sehr schrill vor Schmerzen auf, doch Orkus machte dem kein Ende,
      »Gott Led,« und ein weiter Ätherpuls traf sie, »wird...« und ein weiterer unerträglicher Schmerz durchfuhr Evas Körper und ihr ins markgehende Schreien wurde immer lauter, »wiederaufleben!«, bis sie beim nächsten darauffolgenden Ätherpuls in Ohnmacht fiel und ihr Schreien ein Ende fand.
      Orkus schien keine Gnade zu kennen und lachte höhnisch auf. »Ihr werdet alle sterben!«
      »Wohl eher du wirst sterben!«, brüllte Fjörd aus Leibeskraft und ein dumpfes Knacken war zu hören. Orkus blickte schockiert herunter und sah, dass eine Schwertspitze aus seinem Brustkorb herausragte und die Wunde stark blutete. Fjörd nahm alle Kraft zusammen und zog das Schwert aus Orkus heraus und hinterließ eine klaffende Wunde, die sehr stark blutete.
      Orkus hielt sich seine Hände vor die Wunde und sein weißes Fell, war mittlerweile nun blutbesudelt und klebrig. Sein leerer Blick wandte sich an Fjörd, der mit einem leichten Grinsen, wieder zusammenbrach und Orkus kippte wortlos nach vorne um. In dem Moment löste sich Orkus' Zauber von Eva und auch sie fiel wieder zu Boden. Trace hatte das ganze mitangesehen und schien zunächst irritiert. Sie wurde Zeuge wie sich Fjörd und Eva gegen den Ordenleiter wendeten und wie ein Mitglied eben diesen ermordet. Anstatt länger darüber nachzudenken, um die Ereignisse zu verarbeiten, nutzte sie die Gelegenheit und rannte zu den beiden Ordensmitgliedern. Orkus hatte Fjörd ziemlich schwer zugesetzt und auch Eva schien alles andere als in Ordnung zu sein.
      Sie bückte sich über Eva und wedelte mit ihrer Hand vor ihrem bleichen Gesicht. Es war faszinierend und erschreckend zugleich wie die Blassheit ihrer Haut, durch ihr graues Fell scheinen konnte. Eva reagierte auf Trace, wirkte aber noch ziemlich benommen.
      »T-Trace...Lauf w-weg!«, sagte sie unter Kraftaufwand mit kaum vernehmbarer Stimme,
      »I-Ich danke d-dir, das-s du dich u-um mich sorgst...«
      Sie lächelte sie an und wedelte vorsichtig mit ihrem Schwanz.
      »Eva, ich schaff dich und Fjörd hier raus. Versuch nicht die Heldin zu spielen, die zurückbleibt!«, mahnte Trace mit ziemlich ernster und doch sorgvoller Stimme. Eva bekam kein Wort mehr aus ihrem Maul und starrte Trace nur benommen an. Trace wandte sich Fjörd zu und wusste sofort, dass es schwierig werden würde, sie hinauszuschaffen. Ihr Blick wanderte durch den verwüsteten Konferenzsaal, das nun halb verdunkelt vor sich hinrottete, da dies wohl das Ende des Ordens war. Die magischen grünen Fackeln waren zum Großteil, aufgrund der Tumulten innerhalb des Saals, erloschen und auf dem Boden lagen viele Papiere und verschüttete schwarze Tinte. Sie ging nochmal zu Eva. »Kannst du aufstehen?«
      An der Schulter packend, zog sie Eva auf die Beine, welche nur an Trace abgestützt humpeln laufen konnte. Es schien so als ob sie sich ihren Knöchel verstaucht hatte, da sie kaum Ballast auf dem rechten Fuß absetzen konnte.
      Vorsichtig gingen die Beiden zu Fjörd, beide nahmen ihn an der jeweils anderen Schulter und sie zerrten sich hinauf zum Eingang, wo bereits die Schneemobile von deren Ankunft auf sie warteten.
      »Das Gebirge südlich von hier, ist zu unsicher. Wir müssen nach Norden, zum unüberwindbaren Gebirgskamm. Dort sollten wir vorerst unser Lager aufschlagen.«, sagte sie sanft zu den zwei Verletzen Ordensmitgliedern, während sie ein Schneemobil vorbereitete und beide auf ihr Schneemobil ladete.

      Dröhnende Kopfschmerzen plagten Led als er erwachte. Er bemerkte, dass ihm kalt war, da man ihm seiner Kleidung beraubte. Halb benommen, sah er sich um und konnte nur verschwommene Umrisse von grünen Lichtern erkennen. Erst dann bemerkte er, dass er Hände und Füße nicht bewegen konnte, da man ihn an eine spezielle Vorrichtung band.
      »So, der Bezwinger erwacht also.«, sagte eine männliche Stimme mit etwas hellerem Stimmtimbre.
      Mittlerweile festigte sich die Sicht von Led und die Konturen einer etwas schmächtigen, aber doch recht großen Figur kam zum Vorschein.
      »Wer-Wer seid ihr?«, doch der Fremde versetzte ihm einen Schlag ins Gesicht, der Leds Schnauze zum Bluten brachte. »Ich wiederhole mich nicht gerne, sag uns was die Bezwinger vorhaben!«
      Led versuchte seine Arme erneut zu bewegen und erst jetzt realisierte er, dass er gefangen wurde.
      »Ich gehöre nicht zu den Bezwinger«, sagte er mit ruhiger Stimme.
      »Wers glaubt!«, und versetzte ihm noch einen Schlag, diesmal aber in die Magenkuhle, »Ihr seid beide Lykraner in höchst verdächtigen Kutten. Wir müssen gestehen, wir haben sie noch nie zuvor gesehen, vielleicht haben die Bezwinger ihre Kutten wieder erneuert und neu gestaltet.«
      »Ich...bin...kein Bezwinger...Im Gegenteil!«, knurrte er, während er auf jedes Wort eine Betonung setzte. Der Mann schaute ihn skeptisch an. Er trug ein weißes Leinenhemd und schwarze Hosen. Langes schwarzes und ungebundenes Haar, braune Augen und spitze Ohren. Sein ledernder Gürtel war mit allerlei runenhaften Symbolen verziert, was auf viel Arbeit hinwies. Unpassend zum Aussehen führte er ein Langschwer mit sich und trug einen dunkelblauen Umhang, auf dem das Motiv eines Baumes abgebildet war, der nur drei Äste besaß, die wie ein Dreizack in die Höhe zeigten. Der Baum wirkte kahl...Moment mal, das Symbol sah Led doch bereits irgendwo.
      Er erinnerte sich daran mal in ein paar alten Wälzern dieses Symbol gesehen zu haben...»Halbelben!«, sagte der gefangene Lykraner mit verblüfftem Gesicht.
      »Ja das sind wir...Antworte aber nun auf meine Frage! Wenn ihr nicht zu den Bezwingern gehört...Was macht ihr dann hier im Krôa Wald? Das ist Gebiet, das nur selten von Lykranern durchquert wird und wenn ein Lykraner durchreist, dann sind es Mitglieder der Bezwinger.«, gab der Mann schroff von sich.
      »Mein Name ist Towa Flinkfuß und mein Gefährte...«, dabei fiel ihm auf, das von Fenrir nirgendwo eine Spur zu sehen war, »Wo ist er?«
      »Ich bin hier...«, sagte Fenrir, der scheinbar direkt hinter Led angebunden wurde.
      »Das ist Lagosám, wir reisen durch das Land im Auftrag des Ordens des Himmels.«
      »Ich sollte euch hier und jetzt die Kehle aufschlitzen. Übrigens...Wenn ihr nicht zu den Bezwingern gehört...«, der Halbelb grinste spöttisch im Glauben, er hätte wirklich Bezwingeranhänger erwischt, »..., dann erklärt mir, wieso ich das bei eurem Reisegepäck fand!«.
      Er zückte das Drachenartefakt, doch etwas stimmte nicht. Es glühte wieder bläulich, wie damals in den Katakomben Altravessa. Fenrir konnte nichts sehen, da er rücklings zu den Ereignissen angebunden war und fragte ständig nach, was er denn nun hervorzog.
      »Verdammt, wir sind alle in Gefahr. Die Finsternis ist hier!«, erklärte Led mit furchteinflössendem Blick und versucht sich von den Fesseln zu befreien.
      »Ich traue euch nicht und das zurecht. Ihr seid der Grund weshalb mein Volk sich zurückziehen musste. Ihr seid der Grund, weshalb unsere elbischen Vorfahren diese Welt verließen!«
      Er nahm das Artefakt und schmiss es mit seiner linken Hand ständig in die Luft und alleine das Zusehen erzürnte Led bis aufs Ungeheuerlichste.
      »Gib mir sofort das Artefakt, bevor du noch damit Unheil anrichtest!«
      Der Halbelb stoppte damit herumzuspielen, hielt sich seine Hand ans Gesicht und lachte laut auf.
      »Und so dressiert man also einen Lykraner...Das ist ja wie das Apportieren mit einem Hund. Du solltest mal darauf achten, wie dein Blick sich in dieses Ding hier fixiert«
      Mit diesen Worten riss Led endgültig der Geduldsfaden und er fing an wie besessen herumzuschreien. Seine Ohren waren angelehnt und er fletschte seine Zähne mit einem bösartig klingendem Knurren.
      »Ich sollte dich hier und jetzt in Stücke reißen!«
      Der Halbelb schwenkte mit seinem Zeigefinger hin und her.
      »Na, nicht doch...Wer wird hier denn Unartig?«
      Plötzlich kam ein anderer Halbelb angerannt und flüsterte seinem Vorgesetzt, zumindest es wirkte es so, etwas zu, woraufhin dieser erblasste und den gefangenen Lykraner hastig ansah – diesmal jedoch mit sehr ernstem Blick und weitaufgerissenen Augen. Der Blickkontakt zwischen den Beiden hielt jedoch nicht lange an und er wandte sich seinem Untergebenen und ging mit ihm weg.
      »Hey, lass uns hier nicht einfach so rumhängen!«, brüllte Led ihm hinterher, doch der Halbelb reagierte nicht. »Beim großen Balthasar...Ich reiße ihm eigenhändig die Eingeweide raus, wenn ich ihn das nächste Mal begegne!«, schwor sich Led ziemlich beleidigt.
      »Ruhig Blut, Brauner!«, sagte Fenrir zu ihm und versucht einen Weg aus den Fesseln zu finden.
      Vor Fenrir leuchteten ebenfalls all die grünen Lichter, die auch Led vor sich sah. Es handelte sich dabei um runde Manaorbs, die durch die Luft umherschwebten. Unter den Orbs bemerkte Fenrir, dass der Boden abrupt abbrach und in eine Art Klippe überging. In der Ferne erkannte er zudem vereinzelte Baumhäuser in den Baumkronen der merkwürdigen Krôa Bäume, die sich durch brennende Kerzenlichter innerhalb verrieten.
      Ein kalter Schauer durchfuhr die Beiden und es schien so, als ob das Licht matter wurde.
      Die ersten Schreie fielen und innerhalb der Siedlung brach Tumult aus. Frauen und Kinder rannten vor Leds Augen kreuz und quer und wurden von großen Schatten gejagt, die sich ziemlich schnell fortbewegten und einen nach den anderen schnappten, um sie verschwinden zu lassen.
      Led und Fenrir zerrten an ihrem Pfahl und versuchten durch das Rütteln zu befreien, jedoch ohne Erfolg. Im nächsten Moment passierte aber etwas Unvorhergesehenes: Ein Pfeil schoss um Haaresbreite an Fenrirs Kopf vorbei, der vor Schreck gar nicht erst schreien konnte. Ein lautes aber recht kurzes Zischen war zu hören und die Fesseln an den Armen von Fenrir und Led fielen zerschnitten auf den Boden. Ohne zu zögern nutzten beide ihre wiedergewonnene Armfreiheit und lösten ihren Fußfesseln. Die Seile waren aus einem Material gemacht, das Fenrir nicht zu kennen schien, aber es blieb keine Zeit für weitere verschwendete Gedanken. Sie folgten der Route, in der der Halbelb von vorhin verschwand und fanden nur eine geisterhafte Siedlung vor. Mitten auf einer Art Marktplatz, dessen Boden aus simplen viereckigen Steinplatten bestand, fand sie alle Dorfbewohner kniend auf dem Boden vor. Hinter ihnen standen die Finsteren und erst jetzt sahen Led und Fenrir das grässliche Aussehen. Ihre Augen waren rot und hatten keine Pupillen, während der gesamte Körper schwarz wie die Nacht war. Deren Haut wirkte wie Leder und hatte Ausstülpungen, die wie Stacheln aussahen, die sie am ganzen Rücken, sowie an deren Schultern und am Kopf trugen. Sie alle hatten zudem eine kurze Schnauze mit einem Maul, das mit großen rasiermesserscharfen Raubtierzähnen besetzt war. Entgegen ihres grauenhaften Aussehens, wirkten sie aber nicht allzu muskulös, schienen aber recht stark und wendig zu sein.
      Mitten unter ihnen befand sich aber ein weiteres Wesen, ein Lykraner. Er hatte ein tiefschwarzes Fell, eine lange, nach hinten zeigende Kopffrisur, sowie glänzende grüne Augen, die an Gift erinnerten. Er trug ein hautenges, dunkles Räuberhemd, bei dem die Ärmel unsorgfältig abgerissen wurden und eine schwarze Stoffhose. Besonders auffällig war eine horizontal verlaufende Narbe über seiner Schnauze.
      Ihm gegenüber stand der selbstbewusste Halbelb, der Led verspottete. Sein Langschwert greifend, stand er in Angriffsstellung und schien alles andere als amüsiert.
      »Gib mir das Artefakt und deinem Volk wird nichts geschehen!«, sagte der Lykraner ziemlich aufdringlich und bedrohend zugleich.
      Der Halbelb schwieg...»Esthnar, sei nicht dumm. Gib mir also endlich das Artefakt!«
      Esthnar, so nannte ihn der Lykraner, wandte seinen Kopf zur Seite und einen kurzen Moment lang, hörte man nur das schwere Atmen der Finsteren und das Wehen von Esthnars Umhang im Wind, welches wie eine wehende Flagge klang.
      »Nun Gut, so sei es...Gib mir aber dein Wort, dass du uns gehen lässt!«, bat Esthnar inständig.
      »Kuiskata bricht sein Wort nicht«, versicherte der Lykraner...
      Kuiskata...Kuiskata...Es dämmerte langsam den beiden, wen sie da vor sich hatten. Es handelte sich um einen der wenigen Sterblichen, die den unüberwindbaren Bergkamm überwunden hatten und ein hochangesehener Auftragskiller war er auch. Kuiskata schaute zu den beiden Lykranern herüber und grinste schämisch. »Na wenn das mal nicht meine Zielobjekte sind, oder...wie ich sie gerne nenne: Fleisch! Heute scheint mein Glückstag zu sein, erst die Entdeckung eines seltenen Stamms, dessen Schicksal natürlich in meinen Händen liegt, ein grandioser Fund und...siehe da...meine Zielscheiben!«, sagte er kühn und mit sehr sarkastischem Ton. Man könnte schon meinen, er würde ziemlich theatralisch sprechen.
      Esthnar schritt langsam auf Kuiskata zu und überreichte ihm das Artefakt, welches immernoch bläulich leuchtete und ein breites, zufriedenes Lächeln, welches ziemlich aufgesetzt aussah, zierte Kuiskatas Gesicht.
      »Na geht doch, magischer Halbling...Ich gebe euch eine halbe Stunde, um zu flüchten. Was danach passiert kann ich aber nicht garantieren.«, sagte Kuiskata mit einer unnatürlichen Selbstverständlichkeit.
      »Aber! Du hast uns dein Wort gegeben uns gehen zu lassen.«, beklagte sich Esthnar und Kuiskata packte ihn am Kragen und zog ihn in die Luft hoch.
      »Mein Wort halte ich auch...Du hast jedoch nicht spezifiziert wie ich euch von Dannen ziehen lasse, außerdem werden euch meine kleinen Bieser hier jagen, nicht ich, also stell meine Ehre nicht infrage!«, knurrte er ihn todesernst an.
      Esthnar nickte nur, während er im nächsten Moment von seinem Todesgriff befreit wird und nach Luft rankt.
      »20 Minuten statt 30 Minuten wegen...sagen wir wegen unangemessenen Verhaltens, mir gegenüber!«, ermahnte ihn Kuiskata, woraufhin er drei aufeinanderfolgende "Tse" Laute von sich gab.
      Esthnar zögerte nicht und wies alle Bewohner an, die Boote bereit zu machen, um zu fliehen. Die Krôa Siedlung musste aufgegeben werden. Nahe der Siedlung, am untersten Punkt der Klippe rauschte eine extrem starke Strömung eines breiten Flusses, der im Süden des Kontinents, die Königreiche Altravessa von Runa voneinander trennte.
      Kuiskata blickte wieder zu Led. »Ich spüre, dass du zu den Auserwählten der Welt gehörst...«
      Fenrir schreckte lautstark zurück und blickte Led entsetzt an. »Was!? Stimmt das?«
      Led senkte seinen Blick...»Leider ja...Ich bin das Gefäß des Gottes der Verdammnis und«, doch Kuiskata unterbrach ihn, indem er ihm mitten ins Wort fiel, »Uhh, gleich eine so große Persönlichkeit. Zumindest verstehe ich jetzt, warum die Bezwinger dich lebend wollen! Eigentlich wollte ich dich entgegen der Anweisungen einfach umbringen, aber ich denke, du bist doch ein klein wenig wichtiger als ich.«
      Kuiskata zwinkerte ihm zu und Led wusste nicht so recht, was er davon halten sollte. Es war schon entwürdigend genug von Halbelben zur Weißglut gebracht zu werden, aber dann noch so offensichtlich verspottet zu werden? Led musste es hinunterschlucken, packte Fenrir an seinem Arm und rannte mit ihm auf die Klippe zu. »Hey...Moment mal...Was wird das? Du willst doch nicht etwa!?«, doch es war zu spät und Fenrirs Schreie konnten nichts mehr am Sprung ändern. Laut platschend fielen sie in die reißenden Ströme des Flusses und kämpften mit den Flutwellen, die durch die ganzen Flusswindungen entstanden. Led packte Fenrir am Arm, da dieser unmittelbar unterzugehen drohte.
      »Mhm, da springen sie doch tatsächlich da runter. Ich werde ihnen nicht folgen, bin doch nicht verrückt. Sollten die Bezwinger mich für schuldig erklären, dann schneid ich ihm einfach die Kehel durch. Hach, ich liebe meine Arbeit!«, sagte Kuiskata mit ruhiger Stimme und schritt zurück zu seinen Bestien der Finsternis. »Wisst ihr was? Besetzt diesen Wald, aber lasst diese Narren ruhig flüchten. Ich habe jetzt doch keine Lust mehr, Blut zu vergießen...Vielleicht morgen.«
      Mit diesen Worten hob er eine Hand und schwenkte sie von sich weg, um einen Akt der Gleichgültigkeit in Form einer Geste auszudrücken.
      Der Fluss brachte Led und Fenrir innerhalb kürzester Zeit weit und se kämpften unermüdlich gegen die Fluten. Es dauerte nicht lange als, sie endlich Tageslicht sahen, doch der Fluss trieb sie südwärts. Schnell paddelten sie zum Ufer und erholten sich von der Strapaze, in die sie Led gebracht hatte.
      »Ich dachte ich würde sterben! Mach das noch einmal und ich bringe dich um, ehe du mich mit solchen Waghalsigkeiten umbringst!«, beschwerte sich Fenrir und versetzte dabei Led einen Fußtritt in seine Seite. »Heh, das war der einzige Weg zu überleben oder hättest du es geschafft, dich mit all den Finsteren zu messen?« Led stand auf und triefte vor Nässe. Merkwürdigerweise war aber nur seine Kleidung unterhalb der Kutte nass. Die Kutte selbst war staubtrocken, was auch bei Fenrir der Fall war. Die Verwunderung zog sich aber nicht lange hin, immerhin war ein mächtiger Feind auf die Bildfläche getreten und das Schlimmste...er hatte das Artefakt. Led hatte am liebsten Lust sich selbst dafür eine zu verpassen und noch verstörender war für ihn, dass Fenrir nun von seiner Rolle als Gefäß wusste, jedoch stimmte nicht alles.
      »Wir sollten über diese Auserwählten Geschichte reden, immerhin bist du...«
      »Spar dir das. Ich bin zwar ein Auserwählter, aber nicht das Gefäß von Led, dem verdammten Gott.«, konterte er ruckartig, ohne auch nur Fenrir ausreden zu lassen.
      »Du hast gelogen?«, fragte Fenrir neugierig.
      »Irgendwas musste ich ja sagen, was ihn verblüffen würde.«, sagte er mit triumphierender Miene und wedeldem Schwanz.
      Die Freude hielt aber nicht lange. Das Ritual würde bald beginnen und das Ende eingeläutet werden. Ein Auserwählter musste her und die Tatsache, dass die Bezwinger Led am Leben haben wollten, ließ darauf schließen, dass Led die Hülle für Hyera sein sollte.
      »Deine Blutlinie reicht also bis zu den Elitesoldaten der Gottheiten?«, fragte Fenrir um eine Konversation aufbauen zu können, während sie um den Wald liefen, um ihn so zu meiden.
      »Leider...Ich habe mir dieses Schicksal jedoch nicht ausgesucht und ehrlich gesagt verabscheue ich es. Ich wüsste spontan niemand anderen, der die Hülle für Hyera sein könnte, geschweige denn, wer Led in sich aufnehmen soll.
      »Du liegst komplett falsch«, sagte eine bekannte Stimme. Eine in dunkler Tracht gekleidete Person trat an sie heran und zog sich die Kapuze vom Kopf. Es handelte sich hierbei um Balthasar, der scheinbar alles mitangehört hatte. Er schien mehr zu wissen als Led.
      »Entgegen den Legenden verstarb der Gott Led in der damaligen Schlacht. Ein Gott kann aber nicht sterben ohne seine Kräfte weiterzugeben, also gab er sie an Hyera weiter. Doch nicht nur seine Kraft steckt nun in ihr, sondern auch seine Boshaftigkeit, woraufhin sie sich selbst in die Artefakte sperrte, solange sie noch den freien Willen dazu hatte. Es bedarf also irgendeiner Hülle, um Hyera und diese unvorstellbare Kraft zu entfesseln und sie haben eine Auserwählte...Trace Windséng!«
      Fenrir konnte nicht glauben, was er da hörte. Er hielt sich beide Hände über dem Kopf, seine Ohren waren am Kopf angelehnt und sein Schweif zeigte schlaff in Richtung Boden. Mit einem Frustrationsschrei bestätigte er das Denken von Balthasar und Led und fiel dabei kniend zu Boden...Die Welt war verloren, alle Hoffnung erloschen. Es blieb nur eine Möglichkeit – Sie mussten versuchen den Anführer der Bezwinger aus dem Weg zu räumen, um so das Ritual zu verhindern. Balthaar erfreute sich an diesem Gedanken, jemandem den Gar auszumachen.
      »Ich beobachtete, wie die Bezwinger sich in den Ebenen von Sarcae sammelten. Wenn wir schnell sind, schaffen wir es innerhalb von zwei Tagesmärschen dorthin. Ihr erinnert euch doch noch sicher an die Ruinen von Eramur, die ihr unglücklicherweise betreten habt, als ihr aus Altravessa flüchtetet? Ich konnte auf dem Weg zu euch, einen Bezwinger ausfindig machen und ihn ausquetschen. Hat mir Spaß gemacht ihm die Zähne auszuschlagen...Auf jeden Fall, dort vollführen sie das Ritual.«
      Fenrir und Led schauten sich an und nickten. Es war möglicherweise die einzige Chance um das Ende abzuwenden und so begaben sich die drei in Richtung Süden, hoffend, dass sich die Situation drastisch bessern würde.

      Eine Reise zum unüberwindbaren Bergkamm dauerte normalerweise mehrere Tagesmärsche, doch dank der lykranischen Technologie, die sich des Manas bediente, waren Trace und die zwei verletzten Ordensmitglieder binnen weniger Stunden an ihrem Zielort, da nur der große Eissee im Weg lag und sehr eben war. Trace sah zum ersten Mal die nördlichen Gebirge und war erstaunt, was sie da vorfand. Über dem Gebirge erstreckte sich eine merkwürdige lila und grünfarbene Lichterscheinung, die wie eine Aurora ständig zwischen den zwei Farben wechselte und sehr wunderschön anzusehen war. Gleichzeitig zu diesen Emotionen empfand Trace jedoch auch Furcht, immerhin war das, was sie sah, wohl das Vermächtnis der Götter...Die große Barriere, die den Kontinenten vom Rest der Welt isolierte. Es gab noch eine zweite magische Barriere...sie lag jedoch tief im Süden und teilte das große stille Meer, welches an Altravessa grenzte.
      »Laut den Wissensarbeiten von Orkus, sind diese Barrieren der Nacheffekt, des Eisschocks. Wie eine Druckwelle breitete sich der Eisschock vom Epizentrum, den Ebenen von Sarcae, aus und hinterließ eine magische Aura, die uns vom Rest der Welt abschneidet. Sowohl der Nordwall als auch der Südwall, treffen im Osten und Westen aufeinander...wie ein riesiges zu spitz geratenes Oval.«, sagte Fjörd angestrengt.
      Trace konnte ihre Freude kaum zügeln und wäre fast gegen eine Tanne gefahren, die sich auf ihrem Weg befand. »Fjörd, es geht dir gut! Dem Himmel sei Dank!«
      Fjörd schien gerührt zu sein, dass sich wer um ihn sorgte. Sein Leben lang war er auf sich alleine gestellt und nur Led konnte sich zu seinem Freundeskreis zählen. Ob dieser überhaupt noch lebte, blieb für Fjörd jedoch ungewiss.
      »Danke, dass du Eva und mich mitgenommen hast. Wir sind dir des Dankes schuldig.«
      Trace erwiderte seine Danksagung lediglich mit einem warmen Lächeln. Nahe dem Fuße des Berges hielten sie an und Trace nutzte Fenrirs Zeltwürfel. Sie strich mit ihren Fingern entlang dem Runensymbol des Würfels, bis diese blau leuchteten. Hastig legte sie ihn auf den Boden und wie von Geisterhand öffnete sich der Würfel und baute auf diese Weise ein großes Zelt auf.
      Sie half Eva und Fjörd ins Zelt und legte sie auf zwei Matten, die aus reinem Fell gemacht waren.
      »Erholt euch. Ihr habt es bitternötig!«
      Der Wind pfiff unerbittlich und die Stunden vergingen wie im Flug. Das Flackern der aurorahaften Magiebarriere vollführte trotz des herannahenden Schneesturms weiterhin sein großes Farbspektakel und schien nicht einmal die Mächte der Mutter Natur hindurchzulassen.
      Der Abend brach herein und die zwei Verletzten lagen immernoch schlafend im Zelt. Eva hatte keinen wirklichen physischen Schaden erlitten. Ihre von Orkus gepeinigte Seele brauchte viel Erholung, doch ihr Zustand der Benommenheit besserte sich nicht. Sie wirkte wie ein Körper, dem keine Seele innewohnte und obwohl sie versuchte Emotionen zu zeigen, spürte Trace, dass diese nur vorgegaukelt wurden. Sie hatte die gesamte Macht eines Magierältesten in Form von gebündelten Ätherpulsschlägen abbekommen. Es war ein Wunder, dass sie überhaupt noch lebte.
      Weiter darüber nachgrübelnd, zeichnete sie ein paar Zeichnungen in den Schnee. Unteranderem ritzte sie auch mit einem kleinen Klappmesser ein paar Runen in den dauerhaft gefrorenen Boden, bei denen sie nachdenklich wurde, da sie sie niemals vorher gesehen hatte, sie aber einwandfrei zeichnen konnte und sie paradoxerweise auch tief im Inneren auch kannte. Wie war das möglich?
      Sie stand auf und überlegte noch einen kurzen Spaziergang zu machen, bevor der Schneesturm eintreffen würde. Das Gebiet des Eissees war sehr für seine orkanartigen Böen bekannt, da dieser sich zwischen zwei großen Gebirgen befand. Im Süden befand sich das Ghyordgebirge und im Norden der unüberwindbare Bergkamm. Der Wind selber schien immer endlos zu blasen, mal stärker, mal schwächer, aber egal wie stark der Wind wehte, er wehte stets von Westen, wo sich das Schildkröten Meer befand – Ein Meer, das mit sehr vielen Archipellen gespickt, war aus dem unteranderem Trace selber abstammte.
      Es begann bereits zu schneien und der Wind blies stärker, sodass Trace sich dazu entschied zum Zelt zurückzukehren. Sie erschrak, als sie vor dem Zelt drei Gestalten wahrnahm. Allesamt Lykraner!
      Zwei unter ihnen trugen eine schwere Eisenrüstung und der dritte, eine Lykranerin, trug einen goldenen Brustharnisch mit goldenem Metallrock. Die zwei Soldaten schwenkten ihren Schweif stets sehr langsam von einer Seite zur anderen und einen kurzen Moment lang, sah es so aus, als würden beide Schweife sich synchron bewegen. Freya bemerkte Trace und schritt langsam auf sie zu.
      »Was sucht ihr in der Besatzungszone der Wolfswächter?«, fragte sie leicht harsch und schreckte damit Trace zurück.
      »Wolfswächter?«, fragte sie verdutzt zurück, da sie nicht zu begreifen schien, was diese Gruppierung sein sollte.
      »Die Wolfswächter sind eine runasische Untereinheit, die mir seit kurzer Zeit unterstehen und die Grenzen der Magiebarriere bewachen. Sie erforschen Manaabnormalitäten, die gelegentlich stark ausschlagen und allerlei Spuk herbeiführen. Zudem schützen sie die Gegend hier, damit sie weitestgehend für Forscher sicher bleibt. Also, was macht ihr hier?«, fragte sie mit etwas freundlicherem Ton, das Vertrauen bei Trace erweckte.
      »Freunde von mir hatten eine Auseinandersetzung mit jemanden gehabt und liegen nun verletzt im Zelt. Wir suche hier Zuflucht, da man uns möglicherweise verfolgt.«, erklärte Trace ihr ruhig. Freya wirkte unsicher und auch bestürzt. »Bringt uns bitte zu ihnen. Wir schauen uns ihre Verletzungen einfach mal an. Vielleicht können wir helfen.«, schlug Freya mit offenen Gesten vor. Trace stimmte zu und führte sie ins warmgehaltene Zelt. Der erste Blick Freyas fiel sofort auf die dunklen Trachten der Beiden, woraufhin sie sich zu Trace wandte.
      »Hast du jemals zwei Lykraner gesehen, die ebenfalls in dieser Kleidung herumlaufen?«, fragte sie mit einer Euphorie, die Trace nicht nachvollziehen konnte.
      »Nein, nicht bekannt...«, antwortete sie bestürzt.
      Einer von Freyas Soldaten kniete sich neben Eva nieder und hielt seine Hand über ihren Kopf.
      »Herrin, diese Lykranerin hier hat einen extremen Manaschock erlitten! Wir müssen sofort unsere Arznei holen, bevor sich ihre Persönlichkeit in Luft auflöst. Es scheint noch nicht zu spät zu sein!«
      Tatsächlich wirkte ihr Blick mittlerweile recht befremdlich. Sie hatte sehr dunkle Augenringe und ihr Blick wirkte leer, als sie aufgrund der Diskussion ihre Augen aufschloss.
      »Soldat, wir müssen sie in unser Lager bringen. Bereitet den Teleportzauber vor!«, befahl Freya mit ernst klingender Stimme, die sich alles andere als hoffnungsweckend entpuppte.
      »Teleportzauber? Ist sowas überhaupt möglich?«, fragte Trace ungläubig und mit zittender Stimme, weil der Gedanke sich zu teleportieren alles andere als gut klang.
      »Eigentlich nicht. Normalerweise können nur Magierälteste einen solch starken Zauber bündeln, aber wir beziehen unsere Magiekenntnisse aus der Magiebarriere. Wir haben an der Ostflanke des Berges dort drüben Reaktoren angebracht, die die magische Energie bündeln und speichern. Überall am Berg stehen diese Reaktoren, damit die Wolfswächter schnell ihren Standort im Gebirge wechseln können, ohne viel Zeit zu verschwenden. Funktioniert leider nur in diesem Bergkamm, daher können wir deine Freunde nicht einfach nach Runa schicken. Die Königin müsste dazu in Kenntnis gesetzt werden, damit sie ein Ankunftsportal generieren kann.«, erklärte Frey mit ruhiger Stimme, um so eine etwaige Panik zu verhindern, die in Trace aufzukommen schien,
      »...und keine Angst, es tut nicht weh. Bei einem Ortswechsel, wirst du in Mana aufgelöst am Zielort wieder gebündelt. Die Reaktoren garantieren, dass man auch durch das dicke Eis wieder auftaucht.«
      Wirklich erleichtert hat sie Trace damit nicht, im Gegenteil. Teil des Manas der Welt zu sein, um zum Zielort zu gelangen? Das klang eher nach irgendeinem esoterischen Hokus Pokus, den in der Vergangenheit einige Illusionisten auf den Straßen ihrer Heimat den Bewohner darboten. Andererseits musste Eva schnellstens behandelt werden und Zeit um zum Lager zu fahren blieb wohl nicht, daher stimmte Trace zögernd durch ein langsames Nicken zu.
      Die zwei Soldaten nahmen die zwei Verletzten Huckepack und die vier liefen in Richtung des bereits sichtbaren Reaktors. Das Zelt ließen sie einfach stehen, da man es später noch abholen konnte. Der Schneesturm brach allmählich herein und die Schritte fielen immer schwerer.
      »Wie kommt es, dass du zwei Ordensmitgliedern hilfst?«, fragte Freya mit angestrengter Stimme und die Arme vor ihr Gesicht haltend, um so eine Sicht zu gewährleisten.
      Trace Haare flatterten im Wind und sie musste regelrecht brüllen, damit die Stimme nicht im Sturm unterging.
      »Woher weißt du vom Orden?«
      Trace hätte sich schwören können ein Grinsen auf Freyas Gesicht zu erkennen, war sich aber nicht allzu sicher, weil der Sturm die Sicht stark benebelte.
      »Diese zwei Lykraner nach denen ich fragte, gehören ebenfalls dieser merkwürdigen Sekte an und sie sind schuld, dass ich jetzt Leiterin der Forschungsexpeditionen der Wolfswächter bin. Meine Mission sie zu schnappen, schlug beide Male fehl und nunja, die Königin Runas sah es als Versagen an, daher wurde ich vom städtischen militärischen Dienst suspendiert...Dennoch bin ich nicht sauer auf die Beiden, da ich das Gefühl habe, dass sie noch eine bedeutende Rolle in dieser Welt spielen werden!«
      Der Schneesturm peitschte alle Beteiligten ins Gesicht und hinterließ auf ihren Köpfen eine dicke Schneemasse, die regelmäßig abgeschüttelt werden musste. Trace und Fjörd hatten arge Probleme mit der Eiseskälte, da sie kein wärmendes Fell besaßen, wie die Lykraner. Fjörd hatte aber das Glück bewusstlos zu sein, aber sie glaubte, dass auch er das kalte Ziehen spürte.
      Sie erreichten nach knapp einer Stunde den Reaktor. Es handelte sich hierbei um einen riesigen Blechzylinder, der regelrecht in den Eisboden des Berges gebohrt wurde. Einzelne Rohre schauten heraus, an den sehr viele Eiszapfen herunterhingen. Am Fuße des Zylinders, gab es einen schmalen Eingang in eine kleine Kammer. Innerhalb dieser Kammer dampfte und zischte es aus den rostigen Rohren, die entlang der inneren Wand führten. Mittig gelegen befand sich eine Art Plattform, die eingezäunt war und nur über eine kleine Stufe zu betreten war. Neben dieser Stufe befand sich eine Apparatschaft, an der die Knöpfe wie wild grün und rot blinkten.
      »Wir können von Glück sagen, dass sich das Mana so schön mit unserer Technik von Runa bändigen lässt. Nur Wenige haben die Gabe auf spirituellem Wege Magie zu nutzen. Ein Soldat wird hier bleiben und solange die Gerätschaft bedienen. Heute ist ohnehin sein Dienst in diesem Gebirgsteil.«, sagte sie lachend, während der Soldat nicht allzu sehr davon begeistert war. Die Stufe hochzusteigen verursachte bei Freya und dem zweiten Soldaten ein lautes Klappern ihrer Rüstungen, welches in der kleinen Kammer leicht hallte.
      »Ok Soldat, gib dem Lager das Signal, dass wir kommen und aktiviere den Reaktor!«, befahl sie mit absichtlich tiefklingender ernster Stimme. Der Soldat grummelte ein wenig und fuchtelte wie wild an der Gerätschaft herum. Es sah aus, als würde er wie blind auf die Tasten hauen und nach kurzer Zeit blickte er mit bösem Blick zu den anderen und fletschte ihnen die Zähne.
      »Möge Hyera auferstehen und ganz besonders dich, Freya, vernichten!«
      Dabei hob er seinen Arm zum Ausholen aus und schlug mit ganzer Kraft auf den großen Knopf.
      Freya erschrak stark und versuchte noch von der Plattform zu springen, um den Lykraner daran zu hindern, sie zu teleportieren. Die Maschinen starteten schlagartig mit einem Poltern und das Zischen der Rohre wurde lauter. Kurzzeitig bildete sich um die Plattform herum eine durchsichtige Blase, die an der Oberfläche kleine Blitzentladungen erzeugte und noch bevor Freya diese verlassen konnte, verschwand die gesamte Gruppe mit einem lauten Knall im Nichts.
      Um Trace drehte sich alles. Ihr Umfeld ging in ein weißes Nichts über, das sich sehr warm anfühlte. Als sie ihre Hände vor sich ausstreckte, bemerkte sie, wie diese sich auflösten. Sie spürte nur ein starkes Schleudern, wollte schreien, aber ihre Stimme erklang nicht. Plötzlich wurde aus dem Nichts große Dunkelheit und sie schlug mit großer Kraft auf einen harten Steinboden auf. Sie stützte sich kurz keuchend mit den Händen am Boden ab und blickte nach oben. Sie befand sich nicht in einem Reaktor, sondern in einer merkwürdigen Höhle. Sie war sehr spärlich mit normalen Wandfackeln beleuchtet und es roch extremst nach Schwefel. Sie sah sich kurz um und entdeckte Eva und Fjörd am Boden liegend und Freya und der Soldat sich aufrappelnd.
      »Dieser Mistkerl...Wie hat er es geschafft uns woanders hinzuschicken? Wenn ich ihn erwische, dann kann sich dieser Hund auf etwas gefasst machen!«, fluchte Freya mit ernster Miene und fletschenden Zähnen. Ihr Schweif wedelte dabei sehr nervös in alle Richtungen.
      Trace stand auf und klopfte sich den Staub von ihren Beinen und widmete sich wieder der merkwürdigen Höhle.
      »Wir wurden getäuscht...Wir befinden uns im Zentrum des feindlichen Lagers, im Lager der Bezwinger!«, brüllte sie entsetzt.
      Freya schien nicht ganz verarbeitet zu haben, was da vor sich ging. Sie zog ohne zu zögern ihr Schwert und ging in Angriffstellung. Auch der ahnungslose Soldat tat dies, wirkte aber leicht verunsichert.
      »Wie um alles in der Welt konnten wir hier landen? Die Reaktoren sind nicht in der Lage uns so weit fortzubringen!«, knurrte sie grimmig und bereit auf alles, was kommen könnte.
      Sie blickte nach vorne und bemerkte eine dunkle Gestalt, die langsam in die Hände klatschte, was den übrigen Gruppenmitglieder von Trace einen gehörigen Schrecken einbrachte.
      »Kuiskata!«, rumurrte Freya sehr laut und boshaft.
      »Na, da haben sich die Zielpersonen doch gleich allesamt hier einfinden können. Dann wird es Zeit, dass das Ritual beginnt!«
      Mit diesen Worten, zog er blitzartig einen Dolch und stürmte auf Freya zu. Freya wich aus und wollte ihm mit dem Schwert in die Seite stechen, doch dieser blockte ihren Angriff mit einem deftigen Tritt ab, der Freyas Schwert wegschleuderte. Er macht einen grandiosen Salto über sie und schlug mit dem Dolchheft in ihr Genick, woraufhin sie zusammenbrach. Anschließend stürmte er zum Soldaten, dem die Panik ins Gesicht geschrieben war und zitternd sein Schwert hielt. Gerade wollte er ausholen, da sticht ihm Kuiskata gnadenlos seinen Dolch in seinen Bauch, drehte ihn kräftig und zog ihn aus dem blutenden Opfer heraus. Aus der klaffenden Wunder sprudelte das Blut und der Soldat brach ebenfalls zusammen. Trace packte die Wut, spannte den Bogen mit einem Pfeil, den sie im Ordensversteckt entwendete und schoss gezielt auf Kuiskata. Dieser wich dem Pfeil mit einer Seitwärtsrolle geschickt auf und sprang Trace an, der sie rücklings auf den Boden warf. Kuiskatas Krallen bohrten sich fast in das Fleisch ihrer Gliedmaßen und er hielt ihr seinen Dolch mit Druck an den Hals. Sein Gesichtsausdruck wirkte wie besessen und sehr kalt.
      »Mädchen, Widerstand ist zwecklos und wenn du glaubst, dass dein Freund sich von hinten anschleichen kann, um mich wie diesen Nichtsnutz von Orkus umzubringen, dann irrst du dich!«
      Er zog, auf Trace liegend, seinen Fuß auf Bauchhöhe und holte mit ungeheurer Kraft nach hinten aus. Plötzlich ertönte ein kaum zu vernehmendes Gurgeln und Fjörd, der sich von hinten mit dem Schwert anschlich, kippte mit zerfetzter, blutiger Tracht am Bauchbereich um.
      »Du verdammtes Schwein!«, fauchte sie ihn an.
      »Orkus war nur eine Marionette. Mein Herr verwischte ihm sein kleines Lykrahirn und machte ihn uns untertan. Er hat sich aber als unfähig herausgestellt!«
      Nachdem er diese Worte aussprach, streckte er seine Hand aus und schlug gezielt seitlich in Trace Genick, woraufhin diese ihr Bewusstsein verlor.
      Ihr Aufwachen war alles andere als erfreulich. Ihr Hals schmerzte sehr und sie fühlte sich wie gerädert. Sie nahm tiefe synchron klingende Stimmen wahr und erst nach einer Weile bemerkte sie, dass sie mit Fesseln an einen steinernen Altar gebunden war. Um den Altar herum standen unzählige in Kutten gekleidete Person, die eine Art Beschwörungsformel murmelten und sie immer und immer wieder wiederholten.
      »Hyera. Erhebe dich aus dem Grabe und trage die Früchte aus, die dein Vater aussähte.
      Sie versuchte sich zu befreien, doch die Fesseln waren zu stramm gezogen. Weil der Altar sehr niedrig war, saß sie regelrecht auf dem Boden und hatte ungebundene Beine. Es brachte ihr jedoch nichts, diese wild herumzufuchteln und sie find verzweifelt an vor Angst zu schreien.
      »Hört auf! HÖRT AUF! Ich will nicht die Hülle Hyeras sein!«, doch keiner zeigte auch nur eine Spur an Mitleid, stattdessen murmelten sie die Formel weiter und ignorierten ihre Hilferufe.
      Trace blickte panisch um sich und bemerkte die leuchtenden Objekte, die um sie herum am Altar aufgestellt wurden. Das blaue Drachenartefakt, das grüne Rabenartefakt, das gelbe Bärenartefakt, das rote Wolfsartefakt und das weiße Bärenartefakt. Sie alle glühten in ihren Farben und erst im Nachinein bemerkte sie die Kreidezeichnungen, die ein Pentagramm formten. Jedes der Artefakte war an einer Ecke platziert und der Altar selbst mitsamt Trace befand sich zentral im Symbol.
      »Hab keine Angst Liebes.«, sagte eine unbekannte Stimme mit großer Wärme. Ein rotfelliger Lykraner schritt aus der Menge langsam auf sie zu, »Es wird alles gut.«
      Unglaublicherweise spürte sie einen Frieden in sich, als er die Worte sprach und konnte nicht genau verstehen, weshalb dieses Gefühl aufkam. Da kam ihr der Grund schlagartig in den Kopf! Magie!
      »Verschwinde du Biest! Du willst die Welt zerstören!«, schrie sie komplett aufgebracht und spuckte ihm ins Gesicht. Der rotfellige wischte sich die Körperflüssigkeit vorsichtig vom Gesicht und lächelte sie mit gewaltiger Ruhe an. Plötzlich donnerte es an einem Tor, sodass selbst der Staub sich von dem Torrahmen in die Luft freisetzte. Es passierte kurz nichts, doch dann donnerte es erneut. Beim dritten Donnern sprang das Tor laut polternd auf und plötzlich standen Led, Fenrir, Balthasar, Freya, Fjörd und Eva am Tor.
      »Bezwinger! Es ist vorbei!«, knurrte Led während er sein Schwert in die Luft hob und zum Angriff ausrief. Seine Gefährten zögerten nicht lange und hielten sich bereits kampfbereit. Laut schreiend stürzten sie sich in die Menge und gaben einem Anbeter nach dem Anderen den Todesstoß. Merkwürdigerweise schienen sie sie aber gänzlich zu ignorieren. Eva wirkte merkwürdig – Sie schlug mit Eiseskälte zu, die ihrer Persönlichkeit widersprach.
      Wenige Anbeter verblieben, bis sie alle am Ende blutend auf dem Boden lagen. Kein Widerstand und der gesamte Boden war mit Blut geflutet.
      Der Rotfellige, der direkt neben Trace stand, lachte laut auf und Led hielt inne.
      »Zariah , es ist vorbei! Du kannst das Ritual nicht zuende bringen!«, gab Led siegessicher bekannt, doch ihn verstörte das Lachen des Rotfells, der sich davon nicht beeindruckt zeigte.
      »Das Ritual ist bereits vollzogen...Ihr selber habt es beendet, denn das Blut der Verschworenen muss zu Boden tropfen, um die Befreiung einzuläuten. Dummerweise müssen Rechtschaffene diesen Mord begehen, daher konnte keiner von uns das machen. Da kamt ihr zur richtigen Zeit!«
      Er zog einen langen Zepter aus seinem Umhang hervor, der aus simplen Eichenholz angefertigt war. Der Stabkopf war mit einem Emblem des Pentagramms ausgestattet, welches auf den Boden gezeichnet wurde.
      »Und nun sehet die Macht, die nun emporsteigen wird! Hyera, ich rufe dich an. Erhebe dich aus den zersplittenen Gegenständen deiner Selbst und forme die Welt neu!«
      Fenrir blieb wie versteinert stehen und auch Led konnte nicht fassen, was er tat. Der Versuch es zu vereiteln, war der Grund weshalb es überhaupt passierte.
      Während Zariah seine Arme empor hielt, begann es plötzlich zu beben. Mit jeder verstrichenen Sekunden wurde das Beben stärker und nach nur ein paar wenigen Sekunden, rieselte Schutt aus den Rissen der steinernen Höhlendecke. Fjörd lief geschwind zu Trace und befreite sie von den Fesseln. »Wir müssen hier raus!«, rief er mit kreidembleichen Gesicht, ahnend dass Unheil heraufziehen würde.
      Zariah bemerkte den Fluchtversuch, zeigte mit seinem Zepter auf die Gruppe und ließ alle zu Boden fallen. Der Eingang brach in sich zusammen und wurde mit Felsen verschüttet. Ein Zurück für die Helden gab es nicht mehr und es schien alles auswegslos zu sein. Ein grelles Licht erfüllte den Altar und sämtliche Artefakte zerbarsten unter ohrenbetäubendem Knallen. Eine Art Orb schwebte über den Altar und nahm direkten Kurs auf Trace, die kauernd auf den Boden lag. Unerwartete Weise stürmte Eva zu Trace und warf sich vor ihr.
      »Eva! Nein!«, brüllte sie den Tränen nahe.
      Eva reagierte widerrum mit einem aufgesetzten Lächeln und keiner der Anwesenden wusste, warum sie dies tat. Sie war eine persönlichkeitslose Figur, ein Opfer magischer Revolutionen, die nicht mehr fühlen konnte. Das Beben stoppte abrupt, als das Licht in Eva eindrang und die Höhle wurde wieder dunkel. »Eva, alles in Ordnung«, fragte Fenrir in der Hoffnung, dass etwas beim Ritual schief lief.
      Eva starrte den Boden an, hob ihre Arme und schien sie zu bewundern.
      »Gliedmaßen...Ich werde sie zu nutzen wissen. Die, die ihr Eva nennt, nunja, sie befindet sich in einem mentalen Gefängnis, fernab von der Kontrolle dieses physischen Körpers. So wie ich es aber richtig sehe, ist von ihrer Seele nicht viel übrig. Gepeinigt und verbrannt.«
      Evas Augen fingen an grünlich zu leuchten und schwebte förmlich über dem Boden.
      Die Helden schreckten allesamt zurück. Das Bewusstsein Hyeras fuhr in Eva ein, aber...sie war doch kein Auserwählter...oder doch? Das Grübeln, wie das sein konnte, dauerte nicht lang an.
      Hyera, die nun Evas Körper kontrollierte, schwebte näher an die Höhledecke und zeigte mit ihrer Handfläche auf die Helden. Loki erkannte sofort die Problematik und den bevorstehenden Tod, sprang vor die Gruppe, wandte sich hastig um und streckte ebenfalls seine Hände aus. Ein starkes Leuchten umringte alle.
      »Es scheint, als wäre das mein Ende. Ich spüre, dass ihr diejenigen seid, die diese Welt retten werden. Es tut mir Leid, dass unsere Bekanntschaft so endet...Lebet wohl!«, sagte Loki mit trauriger Stimme und plötzlich fand sich die Gruppe in der Luft wieder, wo sie allesamt auf ein großes Schneefeld stürzten.
      »Was ist passiert?«, fragte Fenrir völlig verwirrt. Vorhin war doch Hyera vor ihnen erschienen und wollte sie umbringen.
      »Loki opferte sich für uns, damit wir fliehen können.«
      Led, kniete sich nieder um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Die anderen taten es ihm nach. Ein treuer Freund verließ sie und der Untergang der Welt stand bevor. Trace konnte nicht fassen, was Eva für sie opferte und fiel in Tränen. Fjörd hielt sich seine Hände über den Kopf und schaute leer drein. »Wir haben keine Zeit für Trauer, aber sein Opfer darf nicht umsonst gewesen sein!«, sagte er mit betrübter Miene.
      Hyera nahm ihre Hand von Loki ab, der furchterregend seinen Schweif aufrichtete und auch sein braunes Fell sträubte sich auf.
      »Ich werde sterben, doch ich werde bis zum bitteren Ende kämpfen!«, knurrte er, während seine Pupillen schlitzartig wurden. Zariah, der das ganze mit ansah, flüchtete panisch, doch Loki sah ihn aus den Augenwinkeln und hinderte seine Flucht mit einem Blitz, den aus den Händen schoss.
      Hyera grinste überlegen. »Soso, ein Magier, wenn nicht sogar einer der Ältesten. Ihr wart es, die mich damals einsperrten. Ich werde mit dir meinen Spaß haben.«
      Loki grinste siegessicher und feuerte weitere Blitze ab, diesmal jedoch auf Hyera. Sie schlug den Blitz mit einem geschichten Schlag ab, welcher in die Steinwand donnerte und völlig zerstörte.
      »Mein Lieber, deine Magie kann mir nichts anhaben!«, sagte Hyera und lachte gehässig auf.
      Loki hingegen schritt erschrocken zurück und aus seiner Wut wurde panische Angst, was durch sein Anlegen der Ohren erkennbar wurde.
      »Nun bin ich dran du Tropf!«
      Sie richtete die Hand auf Loki, schleuderte ihn mit einem Ätherpuls an die Wand und Loki schrie qualvoll auf.
      »Ich räche mich für das, was deine Vorgänger mir antaten. Ich ziehe dir das Fell bei lebendigem Leibe ab und du wirst dir wünschen niemals geboren worden zu sein!«, schrie sie mit einem dumpfen Klang, der bis ins Mark ging. Ihre Augen leuchteten plötzlich rot auf und Loki schrie weiter auf. »Leide!«
      Loki kamen vor Schmerzen mittlerweile die Tränen und sein Schreien wurde schlimmer und angsteinflössender. Zariah konnte diesen Anblick nicht ertragen und auch Kuiskata schien von dieser Kaltblütigkeit geschockt zu sein, als Hyera anfing Loki im wahrsten Sinne des Wortes das Fell abzuziehen. Die Schreie durchdrangen das gesamte Höhlensystem und lösten selbst bei Odin und Kuiskata ein Grauen aus, da sie sich ebenfalls in dem Versteck befanden. Nach mehreren Minuten, für Loki gefühlte endlose Tortur, verhallte sein Geschrei und eine unheimliche Stille machte sich breit. Hyera schaute Zariah an, der vor Angst auf dem Boden kniete und sie um Gnade anwinselte. Hyera schnippste in die Hände und Zariahs Genick wurde augenblicklich gebrochen und brach tot zusammen. Sie starrte Kuiskata an, dessen Panik anzusehen war. Sie ignorierte ihn jedoch und Kuiskata atmete erleichtert auf.
      »Der Abschaum wurde vernichtet. Zeit meine Ära einzuläuten. Sie flog mit großer Geschwindigkeit durch die Decke und zertrümmerte sie beim Durchfliegen. Sie durchstieß das Gestein und es dauerte nicht lange, bis sie das Tageslicht erblickte. Sie schien über den Geruch der Freiheit und der Natur erfreut sein. Unter ihr sah sie die Ebenen von Sarcoy und all die Risse im Boden, in denen ihre Untergebene, die Finsteren lauerten und warteten. Sie streckte ihre Hände horizontal aus, murmelte eine Zeit lang ein paar Formeln und glühte anschließend in einer grünlichen Aura auf. Ein großer Lichtstrahl durchdrang die Luft und formte eine horizontal rotierende Windhose, die an ihren Enden in einem Bogen verlief und über Hyeras Kops aufeinander traf. Diese merkwürdige Lichtkugel wuchs immer weiter und Hyera murmelte nun wieder ein paar unverständliche Worte.
      Das Luftspektakel, war auch von den Helden aus zu sehen, da sie anscheinend nur wenige Kilometer abseits der Höhle hinteleportiert wurden. Die große Lichtkugel war mittlerweile enorm und Balthasar fluchte sehr leise.
      »RUNTER!!!«, befahl er mit laut übersteuender Stimme und sie alle schmissen sich bäuchlings in den Schnee.
      Die große Lichtblase explodierte und eine riesige blaue Druckewelle fegte über das Land. In der Ferne zerstörte die Druckwelle die gesamte Menschenstadt und riss die Trümmer im Wind mit sich. Die Helden wurden durch die Druckwelle mit dem Wind mitgerissen und schrien laut auf, was jedoch durch den starken Windzug nicht allzu sehr zu vernehmen war.
      Mit der Druckwelle strömten Unmengen an Eis und Schnee mit der Druckwelle und überdeckten den gesamten Königreich. Runa wurde ebenfalls von der Druckwelle getroffen, jedoch traf der Aufprall nicht mehr so stark, wie in Altravessa, auf. Die eisfreien Zonen, die Stadt selbst miteingeschlossen, mussten dem gewaltigen Zauber unterliegen und verschwanden inmitten riesigen Schneemassen.
      Hyera lachte so laut auf, dass das Hallen ihrer Stimme regelrecht mit der Druckwelle über das Land zog und alles und jeden mitriss, der sich im Weg befand.
      Die Druckwelle traf dann schließlich an der unüberwindbaren Magiebarriere auf, wo an der gesamten Barriere Blitze entstanden und es so laut knallte, dass alle umstehenden Lebewesen sich, aufgrund des lauten Geräusches, winselnd am Boden ringten, während sie versuchten sich ihre Ohren zuzuhalten. Die Barriere verformte sich und zerbrach visuell gesehen wie eine Glasscheibe und es fielen allerlei Barrierebruchstücke zu Boden, die am Boden selbst das Eis zum Schmelzen brachte. Das Land war durch eine neue Schicht Eis bedeckt und der gesamte Kontinent durch die Druckwelle zerstört. Der Himmel wurde, trotz fehlender Wolken, dunkel wie die Nacht und schien nicht mehr weichen zu wollen. Die Ära von Hyera hatte begonnen!
      Led wachte benommen auf und merkte, dass er inmitten des Schnees begraben war. Er wühlte sich zitternd und panisch umher, fand jedoch keinen Weg hinaus. Die Kälte überkam ihm und er spürte, dass er kurz davor war zu unterkühlen, weil er seine Finger nicht mehr so bewegen konnte, wie er es wollte und auch sein restlicher Körper nicht mehr reagierte.
      »Fenrir, Fjörd, Balthasar, Trace, Freya....Wo seid ihr alle?«, versuchte er zu rufen, doch außer einer kaum zu vernehmenden Stimme und starkem Husten, kam nicht viel aus seinem Mund heraus.

      Buch Artificium - Ende
      Oh je...

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