Nachfolger für Bob Iger

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      Nachfolger für Bob Iger

      Wie ich neulich zufällig gelesen habe, läuft nächstes Jahr der Vertrag von Disney-CEO Bob Iger aus und so wie es momentan aussieht, will der 65-Jährige dann auch in Rente gehen.

      variety.com/2016/film/news/bob-iger-disney-ceo-1201770679/

      Wie hat Iger eurer Meinung nach in den letzten 12 (?) Jahren als Disney-Chef seinen Job gemacht? Und wen könnt ihr euch als Nachfolger vorstellen? Wen haltet ihr für realistisch und wen hättet ihr gern?
      Ohne (jemals) tief in die Materie gegangen zu sein, empfinde ich Bob Iger als einen guten CEO - aus kommerzieller Sicht. Und das ist ja (leider) der Maßstab, an dem bewertet werden (muss) in der heutigen Welt. Für seine Nachfolge würde ich mir persönlich jemanden wünschen, der mehr auf der kreativen, träumerischen Ebene unterwegs ist, wie Walt Disney es war. Das wird aber aus mehreren Gründen nicht passieren. Daher hoffe ich zumindest auf jemanden, der schon lange für Disney aktiv ist/war und auch in kreative Prozesse eingebunden war. Bitte nicht einfach nur einen Zahlenmensch :/
      Prinzipiell ist es natürlich immer wünschenswert, wenn der CEO auch auf der kreativen Ebene aktiv mitwirkt. Ohne ebenfalls mich näher damit beschäftigt zu haben bezweifle ich, dass so etwas bei einem Unternehmen wie Disney
      überhaupt noch möglich oder sinnvoll ist. Er hat alls CEO ersteinmal die Aufgabe, das Unternehmen am Laufen zu halten und damit den kreativen Mitarbeitern ihre Arbeit zu ermöglichen. Ich stelle aber in keinster Weise den Anspruch an den CEO, sich kreativ zu beteiligen. Wünschen würde ich mir allerdings, dass neben seiner regulären Aufgabe auch mehr Augenmerk auf mögliche neue Möglichkeiten- und Talente gelegt wird. Mit dem Kauf von Lucasarts hat man sich ja mehr weniger eine bereits vorhandene Reihe angeeignet und einfach weitergeführt. Hier könnte man meiner Meinung nach auch mal wieder verstärkt auf neue Ideen setzen, anstatt altbewährtes zu nehmen. Aber auch hier stellt sich mir die Frage, inwiefern solche Sachen unmittelbar von der Geschäftsführung beschlossen werden.
      Iger hat bis 2019 verlängert. Danach wird er dem Konzern noch als Berater erhalten bleiben (=sichere Rente).
      hollywoodreporter.com/news/dis…gers-contract-2019-988243

      Bis dahin wird Iger 14 Jahre die Nummer 1 des weltgrößten Unterhaltungskonzerns gewesen sein. In seine Zeit fallen:
      Der Niedergang des traditionellen 2D-Zeichentricks - aber auch zwei vom Publikum nicht quittierte Wiederbelebungsversuche ("Küss den Frosch" und "Winnie Puuh"),
      das Auslaufen der "Erwachsenen-Film"-Labels Touchstone und Hollywood Pictures - dafür die vermehrte Veröffentlichung solcher Filme unter dem "Disney"-Label (z.B. "The Finest Hours" oder "Queen of Katwe"),
      die Beendigung der langjährigen Partnerschaft mit Jerry Bruckheimer - vielleicht daherrührend, dass die letzten Produktionen ("Duell der Magier", "John Carter", "The Lone Ranger") des einstigen Erfolgsgaranten allesamt Flops waren,
      den Zukauf neuer Marken (Pixar, Muppets, Marvel, Lucasfilm) - und die Stärkung der Marke "Disney" durch die Streichung des alten "Buena-Vista"-Labels und der Erwachsenenfilmlabels (s.o.),
      die Beendigung der Zusammenarbeit mit den Weinstein-Brüdern für den Verleih von Arthouse-Produktionen (Stichwort Miramax) - und die Aufnahme einer solchen (mittlerweile erfolglos beendeten) Verleihpartnerschaft mit dem ehemaligen Erzrivalen DreamWorks,
      das Erreichen der Profitgrenze für Disneyland Hongkong - während das ältere Disneyland Paris mittlerweile seinen 25. Geburtstag und 25 Jahre Verschuldung und Verluste feiert,
      das erfolgreiche Auf-Kurs-Halten der Fernsehsparte (Igers Herkunft) - und die Entwicklung des Sportsenders ESPN zum größten Sorgenkind des ganzen Konzerns.

      Insgesamt also eine durchaus gemischte und bisweilen widersprüchliche (von mir zugegebenermaßen aber auch so forcierte) Zwischenbilanz. Inwieweit Bob Iger mit den einzelnen Ereignissen direkt zu tun hat sei mal dahingestellt; finanziell steht die Disney Company trotz der erwähnten Sorgenkinder momentan auf jeden Fall gut da. Und ich gebe @Jäger-Rose darin recht, dass hierin ja auch seine Aufgabe besteht.

      Was mich persönlich etwas stört ist, dass Disney immer mehr dazu übergeht, zum Distributor verschiedener Produkte zu werden, anstatt diese hausintern zu entwickeln. Das zeigt sich im Großen bei den Aufkaufen der genannten Firmen, das zeigt sich aber auch im Kleinen, indem z.B. der zweifelos großartige "Muppets"-Film von 2011 von einem freien Team kreativer Köpfe entwickelt wurde, die diesen dann erst zu Disney brachten, wo man bis dato mit den neuerworbenen Figuren nichts so recht anzufangen wusste. Oder das geniale Videospiel "DuckTales: Remastered", dass von WayForward im Alleingang realisiert wurde und Disney dann mehr oder weniger als fertiges Produkt präsentiert wurde, zudem nur noch das "OK" gegeben werden musste.
      Auch international erscheint Disney mehr und mehr nur als Präsentator, nicht mehr als Entwickler. In Europa ("Die wilden Kerle") und vor allem in Indien veröffentlicht Disney immer mehr Filme, die vor Ort produziert wurden und daher mit dem Disneystudio eigentlich nichts zu tun haben. Im Fernsehen macht sich das auch im deutschen Disney Channel zurzeit eklatant deutlich, wo mittlerweile alles läuft - egal von wem ("Gilmore Girls"/"Familie Feuerstein" = Warner Bros., "Die Nanny" = Sony, "Roseanne" = Carsey-Werner etc.). In manchen Fällen (Indien?, Spanien?) könnte das im Sinne einer Nachwuchsförderung interpretieren - wie auf YouTube, wo Disney explizit Cartoons von kleinen, unabhängigen Animationsstudios präsentiert, um diese bekannt zu machen - aber auch als Unkenntlichmachung einer bestehenden Marke. Sicher habt ihr schon den einen oder die andere nach den Käufen von Marvel und Lucasfilm soetwas sagen hören wie "Ach, Disney gehört doch eh alles". Getreu dem Sprichwort "Alles und nichts" weiß man heutzutage immer weniger, was denn überhaupt "Disney" ist und was nicht. Und das stört nicht nur mein Fan-Empfinden, sondern könnte dem Konzern auf lange Sicht hin durchaus auch schaden.